Wort für Wort (XXXIII)
“Was macht ihr am Wochenende?” – “Geschichte. Wir machen Geschichte.”
“Was macht ihr am Wochenende?” – “Geschichte. Wir machen Geschichte.”
“Käptn: Abwesenheit vorraus!” – “Und wann?” – “Ab hier, 4 Tage, schätzbar, Dinge von A nach B bringen. Nach Hause.”
Dasein
Dieser schlichte Wandrer der Toten,
Freundes dacht er dich:
Herzlieb aus meines Glückes
letzter Nacht, fernerer Himmel!
Einiger Schatz, der alles Leben ist,
denn fremd war mir immer das Geschick,
das gleitet durch jedes Leben wie gegeben.
“Dieses Bild stinkt. Es ist langweilig, uninspiriert und sieht aus, als hätte derjenige, der es gemalt hat verdammt viel Konkurrenz von Hunderten von pseudodepressiven Emo-Teenagern, die ihn an Ideen und handwerklichem Talent weit übertreffen. Ich würde mich schämen, soetwas auszustellen” – “Aber Du solltest bedenken, daß der Typ, der es gemalt hat, selbst erst 19 Jahre alt ist und in dieser Phase grade erst angefangen hatte, sich mit Ölmalerei zu beschäftigen.” – “Es interessiert mich einen Dreck, wer der Künstler ist und welche persönlichen Probleme er hat. Mich interessiert ausschließlich das Werk.”
Willst Du Dein Herzblut wenigstens für einen Tag in die Kunst gießen? Ich bin Dein Mann, der Kollaborateur in allen denkbaren und noch zu erfindenden Genres, die gutgeölte Maschine, die auf Abruf zaubert, mit Wunderkamera, selektivem Blick und Händchen für dieses und jenes immer im Zwielicht unterwegs, um mitten aus den unbeachteten Schatten glänzende Lichtbilder virtuell zurecht zu malen. Erzähl mir einfach von deiner Idee. Wenn sie mir gefällt, dann setzen wir sie zusammen um.
Als ich die Treppe zu meiner Wohnung hinaufsteige, geht vor mir eine Frau auf Stöckelschuhen, die plötzlich den linken Schuh verliert. Sie macht noch einen Schritt vorwärts, bemerkt dann, was passiert ist und dreht sich um zu mir. Ich habe längst den Schuh aufgehoben und halte ihn ihr in meiner ausgestreckten Hand entgegen, was dadurch, dass sie mir einige Stufen vorraus ist und somit höher steht, dramaturgisch kaum besser inszeniert sein könnte. “Huch, das ist ja wie im Märchen”, sagt sie und lacht. “Stimmt” antworte ich.
Sie meint die Situation, ich das Leben an sich.
Liebe Daniela,
schon zum zweiten Mal stellst Du mir per Mail ausführliche Fragen nach meinem Kameraequipment. Ich kann es Dir nicht wirklich verübeln, muss aber anmerken, dass es langsam anfängt zu nerven, denn höre ich diese Auskunftsbitten nicht zum ersten Mal, ganz im Gegenteil: Die Frage “Was für ne Kamera benutztn Du für diese Photos?” ist die wohl mir meistgestellte Frage, seit ich ernsthaft mit der Photographie begonnen habe und ich beantworte sie normalerweise nur ungern. Die Begründung dafür dürfte im folgenden, uralten Photografenwitz verborgen sein:
Helmut Newton speist in einem Restaurant. Als er nach dem Essen noch ein Glas Wein trinkt, besucht ihn der Chefkoch, ein Bewunderer seiner Arbeit, am Tisch. “Ich liebe ihre Bilder”, sagt der Koch, “sie müssen eine tolle Kamera haben”. “Vielen Dank”, entgegnet Newton, “Ihr Essen war ebenfalls herausragend. Sie müssen tolle Kochtöpfe haben”.