Ich komme gerade von einem ziemlich großen Flohmarkt. Ich war relativ lange dort, aber das Einzige, was ich trotz angestrengter Suche kaufenswert fand, war eine Rohwolt Taschenbuchausgabe von Philip Roths großartigem Werk „Der menschliche Makel“, die ich in haargenau derselben Version schon besitze. Ich entdeckte sie an einem der umfangreicheren Stände mit allerlei Dingen, der damit warb, dass man hier sechs beliebige Artikel für einen Euro erwerben könne. Ich suchte relativ lange, konnte aber außer dem Buch, das ich schon deswegen haben wollte, weil ich es nicht irgendwem in die Hände fallen lassen wollte, der es nicht wertschätzt, nichts finden und so erwarb ich das Exemplar für 20 Cent. Was ich vorher nicht gesehen hatte, war die innen befindliche Widmung, die so lautet:
„Vielen Dank für die 5 wunderschönen Jahre mit Dir. Frohe Weihnachten 2003 und 25.12.2003. Dein Heinz“
Daneben hat Heinz noch ein kleines Herz hingezeichnet. Was mich daran irritiert ist das zusätzliche Datum. Entweder wünscht Heinz seiner Angebeteten frohe Weihnachten UND einen frohen ersten Weihnachtsfeiertag oder er bezieht sich auf das Datum, an dem er das Buch verschenkt hat, was allerdings genauso seltsam wäre, denn üblicherweise schenkt man doch am Heiligabend, oder? Wie dem auch sei, es scheint jedenfalls nicht geklappt zu haben mit den Beiden, sonst wäre das Buch wohl nicht an einem Grabbelstand wieder aufgetaucht. Schade eigentlich. Literaturgeschmack hatte Heinz ja durchaus.
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Lieber ETA Hoffmann,
Es mag ja stimmen, dass Du einer der ganz Großen der Literaturgeschichte warst, viel besser als Dein amerikanisches Pendant Poe in jedem Fall, aber jetzt mal ehrlich: Die Räuber und Pistolen-Geschichte „Ignaz Denner“ aus den „Nachtstücken“ ist doch eher ein schnell hingekritzeltes Stück triviales Füllmaterial, nicht? Ja, natürlich, die Geschichte besteht aus zwei Teilen, ein hinterhergeschobenes Dokument zeigt dem Leser noch mal den Unterschied zwischen einer aus subjektiver Figurenperspektive erzählten Geschichte und einer nur aus Akten überlieferten, die Geschichte hat hier und dort recht plötzliche und überraschende Wendungen („Du rettest den Vater Deines Weibes!” [„Ich bin Dein Schwiegervater, Luke!“]) und mancher mag sie sogar für spannend halten, aber im Vergleich mit dem, was Du sonst so geschrieben hast, im Vergleich mit dem genial in sich verschachtelten „Sandmann“, der sich gänzlich in der Unentscheidbarkeit von Fiktion und Realität verliert, im Vergleich mit der grandiosen Detektiv- und Künstlergeschichte „Das Fräulein von Scuderi“ oder dem Glanzstück romantischer Selbstreferentialität, dem „Goldnen Topf“, ist „Ignaz Denner“ wohl doch nur ein kleines, linear verlaufendes Geschichtchen mit ein paar billigen Schock- und Mystery-Elementen, die nie mehr als schlichte Effekthascherei sind. Und wenn manche behaupten, dass die Tatsache, dass der zentrale Mord in „Ignaz Denner“ am Ende nicht aufgeklärt wird, der eigentlich geniale Twist der Geschichte ist, den man leicht überliest, so möchte ich hingegen vermuten, dass Du, Ernst Theodor, ihn wie die meisten Leser für den Ausgang der Geschichte vermutlich einfach nicht für bedeutend hieltst. Es sei Dir verziehen. „Ignaz Denner“ bekommt von mir 5 von 10 Punkten.
Dein Sebastian.
P.S.: Und damit Du mir nicht am Ende Unvollständigkeit hinsichtlich der Interpretation vorwirfst: Natürlich zeigt Deine Geschichte um Andreas, Giorgina und Ignaz Denner selbst den Wandel des Justiz- und Strafsystems um 1800 in Bezug auf Folter, Verhör und Hinrichtung. Aber sie bildet eben jenen Wandel schlicht literarisch eins zu eins ab, ohne irgendwelche sonst von Dir durchaus benutzten Brüche oder geschicktere Formen der Adaption anzuwenden. Ein eigener Ansatz ist also leider auch in diskursanalytischer Hinsicht nicht zu erkennen.
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Kreative Pause: Nikotinentzug.
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Ungesungene Lieder in Ketten:
Alles keimt – ganz deep in my mind.
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Ich bin Schriftsteller. Aber ich schreibe nicht. Es hat keinen Sinn. Ich verbringe mehr Zeit damit, mich zu betrinken als damit, zu schreiben. Ich wünschte, ich könnte diesen verdammten Roman schreiben, den ich schon schreiben will, seit ich irgendwie aus meiner Pubertät wieder herausgekommen bin (unbeschadet könnte man es kaum nennen) und damit einen Hit landen, der dafür sorgt, dass ich für den Rest meines Lebens keine finanziellen Probleme mehr habe. Aber ich kann es nicht. Und das liegt nicht daran, dass ich der Meinung bin, dass heute sowieso keine Sau mehr Romane liest oder das ich vermute, dass ich nicht das Talent dazu hätte, sondern eher daran, dass meine Figuren billige Klischees sind.
Sie sind keine Klischees im eigentlichen Sinn, nicht so wie XY (setz einen beliebigen Namen hier ein, der Dir in den Sinn kommt) ein Klischee ist, sondern Klischees in einem ganz persönlichen, eher ideolektischen Sinn. Ich schreibe nur über mich und über Menschen, die ich kenne und obwohl ich weiß, dass die meisten Schriftsteller auf der ganzen verdammten Welt genau dasselbe tun, weigere ich mich irgendwie, das als Kunstform anzuerkennen. Ich meine: Was soll diese Scheiße? Kunst sollte Fiktion sein. Sie sollte alleine aus dem Hirn entspringen, nicht aus profaner Erfahrung. Sie mögen vielleicht einwerfen, dass das niemand merken würde, genau wie es bei allen anderen Schriftstellern vermeintlich niemand merkt, aber das ist eine verdammt egoistische Sichtweise von Ihnen, ja genau Ihnen.
Um das Argument zu Ende zu führen: Ich schreibe den Roman nicht, weil jeder aus meinem näheren Umfeld es sofort merken würde. Jeder von diesen Leuten würde sofort wissen, worüber ich da schreibe und welche Figur Charakterzüge von wem hat. Und das ist sicherlich nichts, was man unbedingt erklären oder vor irgendwem rechtfertigen will, noch dazu, wenn man den Anspruch hat, Fiktion zu produzieren. Und wissen Sie: Ich kann sogar beweisen, dass diese Sache mit der Assoziation auf richtige Menschen eine Tatsache und nicht nur eine Theorie ist. Ich habe das sogar schonmal bewiesen, in einem älteren Text von mir, der ähnlich endet wie dieser hier enden wird. Oder dachten Sie etwa nicht, dass die Person, die hier spricht, der reale Mensch hinter diesem Blog ist?
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Part of the ‘Ghosts‘-Project.
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Eigentlich ist es kein Wunder, dass ich den Ruf habe, etwas kauzig zu sein (“Waldschrat”): Die Gegend, in der ich geboren wurde und in der ich ganze 18 Jahre meines Lebens verbracht habe, zählt nicht nur zu den dünnbesiedeltsten Regionen von ganz Deutschland, sondern ist auch fast zu 50% von Wald bedeckt. Das zumindest behauptet Wikipedia. Ich hätte intuitiv auf 90% getippt.
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Es ist interessant, zu beobachten, wie die Medien funktionieren: Da wiederholt die Titanic ihren ‘Maddie’-Scherz strukturell quasi eins zu eins und überträgt ihn auf den immer noch aktuellen Kriminalfall von Amstetten und schon ist ein neuer ‘Skandal’ geboren.
Was ist da genau passiert? Die ‘seriösen’ Medien gieren seit Wochen nach Bildern von den bedauernswerten Opfern von Josef Fritzl, die Titanic macht sich in satirischer Weise genau darüber lustig. Selbiges wiederum finden die sogenannten ‘seriösen’ Medien völlig geschmacklos, während sie weiter versuchen, mit zum Teil illegalen Methoden in das Krankenhaus einzudringen, in dem sich die Opfer befinden, um ihnen eine Kamera in die Fresse zu halten. Die Titanic selbst greift die Empörung über ihren Witz natürlich sofort wieder auf und nutzt sie für weitere Promo in eigener Sache, wie sie das eigentlich schon immer getan hat.
Ein halbes Jahr liegt zwischen der ‘Maddie’-Satire und dieser aktuellen Sache. Und man darf feststellen: Eigentlich hat niemand von den Beteiligten in der Zwischenzeit irgendwas dazugelernt. Außer vielleicht der Titanic, die damals wohl gemerkt hat, dass eine solche vermeintliche Grenzüberschreitungsnummer ziemlich gut zieht. Und in einem halben Jahr, beim nächsten Fall der irgendwie ins Schema passt, drehen wir die Runde dann erneut.
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Christine of The Waitress (Band)
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Model: Rob of The Waitess (Band)
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