Apr 27 2009

Manifest (2009)

Manifest

Model: Z.


Apr 27 2009

Flohmarktbriefe (IX)

Friedrich ‘Fritz’ Ritter an Maria ‘Mietze’ Priester, 07.Januar 1921

Meine herzinnig geliebte Mieze!

Deinen Brief lesen und voll Schrecken aufs Telegrafenamt eilen, war eins. Wieder zu Haus angelangt, sitze ich in der einsamen Wohnung am Schreibtisch und überdenke bestürzt, was ich angerichtet habe. Was magst du jetzt im Augenblick tun? Es ist Schlafenszeit. Vielleicht hast Du Dich schon auf Dein Zimmer begeben, vermagst aber keine Ruhe zu finden und grämst, härmst, unter ganz falschen Vorstellungen Dich ab.

Vielleicht auch – doch nein, es darf nicht geschrieben werden. Fort mit diesen scheußlichen Gedanken! Ich wünschte, nach ihm das Tintenfass schleudern zu können wie nach einem bösen Geist. Hätte ich nur im geringsten vorausgesehen, daß meine Wort eine derartige Wirkung auf Dich ausüben würden, sie wären ganz gewiss unterblieben, wenigstens in dieser Form. Aber ich vermag auch gar nicht zu begreifen, wie selbst die von mir gewählte Form Dich, mein über alles geliebtes Mächen, in solche Seelennot stürzen konnte. Gräßlich harte Worte soll ich an meine einzige teure Miezi gerichtet haben? Kann das möglich sein? Geliebte, sieh mich doch an. Traust Du mir zu, daß ich sie als solche beabsichtigte, daß mir ihre angebliche Härte überhaupt zum Bewusstsein gekommen ist? Beabsichtigt oder nicht – höre ich Dich antworten – die Wirkung ist die Gleiche. Und erschüttert über die Qual, welche ich dem liebsten Menschen bereitet, und außer mir über mich selbst, möchte ich Dir zu Füßen fallen, deine Knie umschlingen können, um Dich herzlich um Verzeihung zu bitten für meine Unbeherschtheit. Unbeherrscht war ich und es schlimm genug, daß ich diesen Mangel an Herzensdisziplin Dir gegenüber komme, o Mieze, an den Tag legen konnte. Die kleine Enttäuschung darüber, daß auf meinen ausführlichen Brief nicht, wie mir erst schien, nichts ebenso ausführlich eingingst, hätte ich unbedingt unterdrücken müssen. Und hätte es auch getan, einige Stunden später, nachdem ich Deinen lieben, lieben Brief mehrere Mal gelesen und erkennen musste, daß liebevoller, zärtlicher überhaupt kein Mensch zu sprechen imstande ist. Doch da war das üble Geschreibsel schon fort! Es war verdammenswert, weil ich es fertigbringen konnte, auch nur eine kleine – ja so ungerechtfertigte – Mißvergnüglichkeit daraus hervorklingen zu lassen. Allein, mein Mädchen, wie ist es mir denkbar, erkennen zu wollen, ich hätte mich irgendwie von Dir entfernt und noch dazu weit entfernt? Dein Herz sollte ich mit Füßen getreten haben? Mir sträubt sich die Feder, dies auch nur zu schreiben. Ich weiß nichts davon, und Du darfst ebenfalls nichts mehr davon wissen. Vergib, vergiß. Dir gehöre ich mit Leib und Leben. Und im Feuer unserer Liebe soll mein schlackenreiches Wesen zur Reinheit sich emporläutern.

Auf den letzten Teil Deines Schreibens vermag ich nicht einzugehen. Ich würde ihn vernichten, wenn ich etwas vernichten könnte, was vor Dir herrüht. Widerrufe das, was da steht. Aber es steht einmal da, und die Buchstaben bohren sich mir brennend ins Auge. Dies zu sagen erschein mir als Frevel, die Anspielung als so ungeheurlich, daß ich mich frage, wie Du bei Deiner Liebe zu mir dazu überhaupt fähig sein konntest. Zeigt es doch, mit welchen Gedanken Du spielst, an welche Möglichkeiten Du denkst. Das stellt geradezu ein Angriff gegen meine Nervenkraft da. Mir ist, als sähe ich ein Schwert über meinem Haupt, das jederzeit auf mich herabstürzen könnte. Darauf – Du weßt! – auch nur von fern hinzudeuten, erfüllt mich mit unsäglichem Grauen. Fast glaube ich, Du hast – gewißermaßen aus Revanche – eine Marter für mich bezweckt.

Weißt Du, daß Du die Pflicht hast, mir gut und gesund zu bleiben, wie es auch die meine ist?

In Liebe und Treue, Dein, Dein, Dein Fritz.

Verzeih, die schlechte Schrift. Der Brief sollte mit der letzten Post noch fort.

*Orthographie, Interpunktion und Paragraphen wie im Original. Das Copyright an diesen Texten liegt bei dem aktuellen Besitzer (dem Autor dieses Blogs). Anm. des Transkribienten.


Apr 25 2009

Briefing (XXI)

Lieber Billy Corgan,

mir reicht es. Ich habe die Schnauze endgültig voll von Dir. In der Vergangenheit habe ich Dir immer und immer wieder verziehen, egal welchen verdammten Bockmist Du angestellt hattest. Und das war nicht wenig: Du hast nicht nur Deine eigenen Fans immer und immer wieder auf Konzerten angeblafft, wenn sie  alte Klassiker hören wollten, Du hast nicht nur die Band Zwan gegründet und ein paar tolle Songs geschrieben, auf das zugehörige und höchst mittelmäßige Album „Mary Star Of The Sea“ aber nur seichte Sunshine-Pop-Tracks gepackt und danach die Band kurzerhand wieder aufgelöst, sondern auch noch im Anschluss nach gerade einmal fünf Jahren die Smashing Pumpkins „wiedervereinigt“, die angeblich für immer ruhen sollten. Allerdings waren nur Du und der Drummer Jimmy Chamberlin dabei, der auch schon das Zwan-Projekt mit Dir veranstaltete, die Anderen hatten verständlicherweise keine Lust darauf, das Erbe einer so tollen Band zu beschmutzen oder auch nur noch einmal mit Dir zu arbeiten. Deswegen hast Du Dir einfach zwei namenlose Statisten für die Band geholt, die bei Interviews gar nicht erst mit auftauchen durften. In der Hinsicht warst Du schlimmer als Axl Rose, Billy Corgan. Der hat zwar Guns N’ Roses inzwischen auch unter seiner Alleinherrschaft, aber sagt wenigstens offen, dass die Band heute ein loses Kollektiv aus guten Musikern ist.

Du hingegen gabst den gnadenlosen Diktator einer angeblich immer noch in Geist der Vergangenheit verwurzelten Band und veröffentlichtest ein höchst durchschnittliches, überzogen gitarrenlastiges und pseudo-cooles Rockalbum namens „Zeitgeist“, auf dem Du so gut wie alles selbst eingespielt und gemacht hattest, sogar die Hintergrundvocals. In manchen Songs hört man Dich mehrstimmig mit Dir selbst im Chor singen. Das Ganze warfst Du in sechs unterschiedlichen Versionen auf den Markt, mit jeweils anderen Bonustracks, so dass sich richtige Fans die Platte sechs mal kaufen mussten. Und wer das wirklich getan hat, bekam am Ende noch eins übergebraten, denn ein Jahr später gab es selbstverständlich eine Deluxe-Edition, auf der alle Bonustracks enthalten waren.

Aber ich habe trotz all diesem Mist weiter an Dich geglaubt, Billy. Daran, dass Du irgendwann wieder tolle und einzigartige Musik schreiben wirst, wie Du es in den 90ern am laufenden Band getan hast. Ich habe es sogar zu dem Zeitpunkt noch getan, als auch Jimmy Chamberlin, der einzige Dir verbliebene Freund aus der Original-Band, der bis dahin immer treu an Deiner Seite geblieben war, die Nase voll von Dir hatte und die Band verließ. Das war kurz nachdem Du einen Deiner besten Songs, den zynisch-sarkastischen Hit ‘Today’ für eine Werbekampagne verscherbelt hast, in der seine Bedeutung um 180 Grad gedreht wurde. In der Werbung für eine Kreditkartenfirma klingt es so, als wäre die Textzeile „today is the greatest day I’ve ever known“ wirklich so gemeint. Das war einfach nur ekelerregend, Billy. Jeder andere hätte Dich an diesem Punkt alleine sitzen lassen. Nicht ich. Ich blieb da.

Dass Du dann in den letzten Monaten immer wieder auf irgendwelchen Parties in Begleitung von jungen Pornodarstellerinnen und billigen Myspace-Bitches aufgetaucht bist, dass Dein neuer Manager der CEO von Ticketmaster ist, dass Du Dir ein scheißteueres Anwesen mit eigenem Strandabschnitt gekauft hast: Das alles habe ich Dir noch locker als exzentrisch-dekadenten Rock’n'Roll-Lifestyle durchgehen lassen. Aber dass Du jetzt, kurz nachdem sogar Jimmy die Nase von Dir voll hatte, auf die Idee kommst, nicht nur die Band ganz alleine weiterzuführen, sondern den Fans auch noch ein paar Videostreams vom Songwriting einer vielleicht irgendwann kommenden Platte als Subscription-Modell für 40$, die immer wieder bezahlt werden müssen, verkaufen willst, das setzt deinem unfassbar dummen und geldgierigen Verhalten die Krone auf. Jede andere Band veröffentlicht solche Sachen kostenlos. Guck Dir mal bitte Trent Reznor an. Der stellt regelmäßig ganze neue Alben und EPs der Nine Inch Nails unter CC-Lizenz ins Internet und verdient dennoch sein Geld, weil die Fans ihm aufgrund dieser Aktionen gerne haben und ihm daher auch gerne seine Musik abkaufen, selbst wenn sie es nicht müssen. Du aber willst 40$ für einen zwölfwochigen Zugang zu einer Internetseite, auf der ich jeden Tag einen Videoschnipsel davon sehen kann, wie Du mit Deinen neuen Statisten ein paar neue Songs schreibst, die höchstwahrscheinlich auch noch ziemlich mittelmäßig sind? Lächerlicher geht es wirklich nicht mehr.

Ich kann das nicht mehr mittragen und will mich nicht dafür schämen müssen, ein Fan von einer „Band“ zu sein, die permanent nur absolut hirnrissen Bullshit fabriziert. Ich bin dann mal weg, Billy.

Dein
Sebastian

PS: Falls Du entgegen aller Erwartungen doch irgendwann wieder mit richtig guter Musik um die Ecke kommst, dann sag Bescheid. Dann reden wir in Ruhe noch einmal über die Sache.


Apr 24 2009

Ritual (2009)

Ritual

Self-Portrait.


Apr 24 2009

Instant Poetry (CLI)

Zur Rede setzen:
Chaos als Ideal
und Nacht zum Tag.

Die böse alte Zeit, sie drängt.


Apr 21 2009

Bloglichter (I)

Eine meiner Meinung nach sehr sinnige Aktion, ins Leben gerufen von Stylespion.de: „Ein Herz für Blogs“ (bzw.  „Ein ♥ für Blogs“) fordert dazu auf, unbekannte Weblogs kurz vorzustellen und weiterzuempfehlen. Dem schließt sich Die Irrlichterkette trotz eigener Unbekanntheit hiermit an, auch es normalerwiese nicht zu meinem Repertoire gehört, bei derartigen kurzlebigen Aktionen mitzumachen. Aus diesem Grunde denke ich auch darüber nach, die Sache zumindest hier zu einer regelmäßigen Kategorie werden zu lassen, wie von Whudat.de bereits vorgeschlagen wurde.

Hier sind drei Blogs, die ich regelmäßig lese und die meiner Meinung nach zu Unrecht vergleichsweise völlig unbekannt sind:

Hor.de

Ein Weblog, an dem man als literaturinteressierter Mensch nicht ohne Staunen vorbeikommen sollte. Manchmal komplex, manchmal seltsam minimalistisch und doch immer sehr prägnant bringt dort Dirk Schröder Gedanken, Kommentare und Gedichte. Und das alles auf eine Art und Weise, die man eigentlich nur liebenswert unkommerziell nennen kann.

Monkirebella

Dadaistische, hintergründige und einsichtige Poesie von Feinsten gibt es in schöner Regelmäßigkeit von der Autorin Elisa Theusner in einem Weblog zu lesen, das so andersartig und seltsam entrückt wirkt, dass man eigentlich nur noch staunen kann über den genial-eigensinnigen Umgang mit Worten und Gedanken, der bei Monkirebella gepflegt und gehegt wird.

ISO 800

Nicht wirklich häufig, aber doch mit beharrlicher Konsequenz und Kontinuität füllt Fabian Mohr sein Weblog ISO 800. Mit Bildern, Worten und neuerdings auch mit HD-Videos, die wie sich bewegende Photographien wirken. In seiner Gesamtheit bildet das Blog ein beeindruckendes Portfolio eines sehr auf stilvolle Ästhetik bedachten Autors.


Apr 19 2009

Hey, Johnny! (2009)

Hey, Johnny!

Model: Z.


Apr 19 2009

Instant Poetry (CL)

Jene Stelle, ganz verzaubert,
besteigst Du mit Licht und Erdenlust.

Mancher winkt an Deiner Stelle Lüften,
manche rufen donnernd nach den Kugelblitzen,
Du zerpflückst Dir Dinge innerlich.


Apr 17 2009

In eigener Sache: People-Portfolio Webseite online

Um der drohenden Verkommerzialisierung von raventhird.de und Die Irrlichterkette entgegenzuwirken habe ich unter r3litephotography.com ein natürlich dennoch relativ surreales Portfolio meiner Photographie im Bereich People & Portraits eingerichtet, auf das ich in Zukunft alle Leute verweisen werde, die in irgendeiner Form von mir abgelichtet werden wollen. Freunde, durchgeknallte Lebenskünstler, experimentierfreudige Menschen und Verwandte bekommen mich natürlich immer noch kostenlos oder zum Sonderpreis.

Damit sollte sichergestellt sein, dass ich hier und drüben auf der Hauptseite meine künstlerischen Ambitionen nicht mehr selbst zensiere, aus Angst, dass zu merkwürdige Bilder potentielle Models oder Auftraggeber abschrecken könnten. Ich werde die Seite zwar regelmäßig updaten, aber für den hiesigen Leser wird sie vermutlich irrelevant bleiben. Die wirklich spannenden Sachen gibt es weiterhin hier zu sehen ;) . So, und jetzt weiter im Text.


Apr 16 2009

The Oscillation (2009)

The Oscillation

Model: Z.


Apr 16 2009

Shortreviews (V)

Jeffrey Jacob Abrams – „Lost“ Season IV (TV-Serie; 2008)

Deutliche Schwächen zeigte die vorher annähernd perfekt komponierte Mystery-Serie „Lost“ von J. J. Abrams in ihrer vierten Staffel: Die Handlung treibt irgendwo zwischen zuviel Action, dem noch nicht richtig ausgespielten Zeitreise-Element und neu eingeführten Figuren im Nirgendwo, auch wenn einige einzelne Episoden zu den Highlights der gesamten Serie zählen. Sicherlich hatte der zu der Zeit der Produktion stattgefundene Streik der Hollywood-Drehbuchschreiber seinen Anteil daran, aber er allein kann nicht die Schuld dafür tragen, dass man zum ersten Mal das Gefühl hatte, Lost würde das Schicksal von X-Files (dt. „Akte X“) ereilen, das sich in seinen eigenen Rätsel auf Rätsel türmenden Geschichte irgendwann unauflösbar verstrickte. 4/10

Karel Smyczek„Lotrando a Zubejda“ (Film; 1997)

Denjenigen, auf die der inzwischen schwer aufzutreibende „Lotrando a Zubejda“ (dt. Titel „Lotrando und die schöne Zubejda“) von Karel Smyczek wie ein Kinderfilm wirkt, sei angeraten, genauer hinzusehen: Der tschechische Märchenfilm mit dem ganz unverholen klischeehaften wie gleichermaßen klassisch-literarischen Plot vom Sohn eines Räubers, der sich in die Tochter eines Sultans verliebt, überzeugt als kitschiges, quietschbuntes, fast psychdelisches Werk mit sehr naivem, und gerade deswegen liebenswerten Humor. Die tollen Musical-Passagen mit beinahe dadaistisch-minimalistischen Texten gehören genauso dazu wie die Slapstick-Einlagen, die irrwitzigen Dialoge und die tollen Bilder im Märchen-Look. Ein Film, den jung und alt lieben können, wenn sie sich darauf einlassen. 8/10

Wolves In The Throne Room – „Black Cascade“ (Musik:Album; 2009)

Die amerkanischen Shooting Stars des Black Metal (Spiegel-Lobpreisungen inklusive) zeigen auf ihrer dritten Platte, dass sie doch mehr in der Tradition des Genres verwurzelt sind, als man angesichts der Post-Rock-Experimente und mit Frauengesang ausgestatteten Songs der letzten Releases hätte vermuten können: „Black Cascade“ ist erdig, dreckig, rau, mit einer Lo-Fi-Produktion versehen, die alten Emperor-Platten gleicht. Die Songs sind dennoch von gewohnt epischer Länge, und das ist leider auch das Problem, denn hier und da stellt sich trotz der gewohnt hohen Qualität fast ein bisschen Monotonie ein. So bleibt am Ende fast das Gefühl einer kleinen Enttäuschung beim Hörer, denn leider ist „Black Cascade“ zwar ein außergewöhnlich gutes Album, nicht aber das durchaus erwartbare Meisterwerk geworden. 8/10


Apr 14 2009

Instant Poetry (CXLIX)

Ohne Zärtlichkeit und Hundeknurren:
Im verwunschenen Land spazieren gehen.

Ich trag’ mindestens drei Seelen, ach, in meiner Brust.


Apr 12 2009

Strange Encounters In Bunnyland (2009)

bunnyland

Model: Easter Bunny Z.


Apr 12 2009

Zündeln und Licht

Eine Überdosis Regenbogen,
Stachelbeerenschauer,
ich stehle Worte und entflamme sie,
die Funken werfen neue Schatten.


Apr 9 2009

At The Gate II (2009)

atthegate2_b

Model: Miss Monique


Apr 9 2009

At The Gate (2009)

atthegate_b
Model: Miss Monique


Apr 9 2009

Flohmarktbriefe (VIII)

Wilfried Hensel an Marianne Grimm, 13.November 1956

Meine liebe Kleene

Da ich jetzt gerade Zeit habe Dir einige Zeilen zu schreibe, habe ich die Gelegenheit wahrgenommen. Du musst aber noch wissen, dass ich jetzt auf Posten vor unserer Villa stehe. Es ist kurz nach 20 Uhr, den 13.11.56. Leider ist die Gelegenheit ungünstig, denn im Stehen schreibt es sich schlecht und ohne Unterlage noch schlechter. Bis 22.00 Uhr muss ich hier stehen, Fatzkerei! 2 Std. Ich hatte schon 2x vor außer der Besuchszeit zu Dir zu kommen, morgen versuche ich es aber endgültig zum 3x. Einen Brief schreiben möchte ich nicht, da ich nichts zu schreiben weiß. Vor einigen Tagen war Herbert bei mir mit Vergrößerungen seiner Bilder. Inzwischen habe ich von Bärbel, ich glaube das wußtest Du, und Bernhard Nachricht. Ebenfalls hat Wolfgang geschrieben. Schon vor einigen Tagen haben B+G. die Bilder an Wolfgang gesch. Geld von B+G. habe ich bereits 10,- DM. Ca. 40 Bild. von meinen und 16 von Herberts haben sie ausgewählt, leider kann ich an den Nummern noch nicht feststellen, welche Bilder sie ausgewählt haben. Mich interessiert es allerdings weniger, dennoch ist es spannend was sie ausgewählt haben. Ob sie nun von meinen mehr oder weniger nehmen ist ja egal, denn verdienen will ich nicht. Sicherlich reizen die großen Aufnahmen mehr. Im Durchschnitt nehmen sich nämlich unsere Bilder nicht viel, einige sind von Herbert sogar sehr schön, so daß ich gar nicht konkurrieren kann. Hoffentlich sind die Aufnahmen ende der Woche wieder hier, ich kann es gar nicht erwarten die schönen Bildchen wieder in Berlin zu haben. Gute Besserung von Bärbel und Wolfgang. Meiner Mutter habe ich es am gleichen Abend natürlich gesagt, sie hat es hingenommen.

Ich habe seit einigen Tagen viel Dienst, wenn ich nach Hause komme mache ich mir Mittag oder gehe essen (erst 1x). Das Essen machen dauert ganz schön lange, dann hänge ich ewig am Radio, um Nachrichten zu hören, sehr wichtig, und dann gehe ich um 11.00 schlafen. Zwischendurch versuche ich etwas Neues auf Tonband aufzunehmen, habe allerhand schöne Sachen auch oben. Mir fällt gerade ein, daß B+G kaum kommen werden, sie wollen es versuchen, den Grund haben sie heimlich angedeutet. Ich habe ihnen geantwortet, daß ich es bereits weiß, sie brauchen mir nicht mehr zu verraten, um was es sich handelt. Laut Brief von B., wollte er später noch schreiben worum es sich handelt. Im Kino war ich auch nicht, obwohl ich die Gelegenheit hatte, war zu faul. Vor einigen Tagen hätte ich im Bio „Carmen J.“ sehen können, ging nicht, ich konnte nicht aus dem Sessel aufstehen. Zu dem fehlt auch das Geld. Lotto hatte ich nichts, leider.

Gestern war ich in der neuen Lebensm. Abt. vom KDW in der 6. Straße. Das ist einfach genial mit dem Selbstbedienungsbuffet. Man nimmt ein Tablett muß durch einen Gang, sagt was man möchte und bezahlt hinten. Die ganze obere Etage (6.) Lebensmittel, alle schönen Sachen, die man sich denken kann gibt es dort.

II.Teil.

Auch die Bierwürstchen für -,.50 gibt es dort oben. Die Lebensmittelabteilung unten ist noch zu, dort wird sicherlich etwas anderes reinkommen.

Diese kleinen Briefe hier schreibe ich, falls ich morgen nicht reinkomme ins Krks [gemeint ist „Krankenhaus“, Anmerkung des Transkribienten]. Jetzt ist gerade die Zeit der Chipper, laufend kommen sie an aus München, Kölle, Hannover + Frankfurt. Schon von weitem hört man das Brummen und dann sieht man die Positionslichter. Kalt ist es jetzt, meine Finger sind ganz klamm, ich stelle hier gerade fest 2 Minus an unserem Thermometer. Ganz schön.

In der Lebensm. Abt. KDW war gestern auch gerade Eröffnung. Sehr viel Menschen, und auch viel gekauft also nicht nur Sehleute. Ich habe von meinen letzten paar Piepen eine kleine Flasche Enzian gekauft. Es ist der Zehlendorfer. Die Flasche sieht so aus: [kleines Piktogramm, Anm. des Transkribienten] und ist aus Stein. Schmeckt nicht so gut wie in Waging u.a. Orte. Aber brennt dafür wie Feuer, ich habe mir gerade gleich den Magen verbrannt. Für diese Jahreszeit ganz brauchbar.

Jetzt kommt innerhalb 1h das 6. Flugzeug, da müssen Militärmaschinen bei sein, denn soviel Passagierflugzeuge können unmöglich kommen.

Die Temperatur fällt immer noch ab, es wird immer kälter jetzt zur Nacht. Ich habe schon einige Male ganz aussetzen müssen mit Schreiben. Heute Nacht habe ich noch 2h Posten, dann ich werde ich weiterschreiben, jetzt erst mal gute Nacht mein kleiner Liebling, Kuss.

*Orthographie, Interpunktion und Paragraphen wie im Original. Das Copyright an diesen Texten liegt bei dem aktuellen Besitzer (dem Autor dieses Blogs). Anm. des Transkribienten.