Wolves In The Throne Room @ Hafenklang Hamburg II
Wolves In The Throne Room Live @ Hafenklang Hamburg, 29.06.2009
Wolves In The Throne Room Live @ Hafenklang Hamburg, 29.06.2009

Wolves In The Throne Room Live @ Hafenklang Hamburg, 29.06.2009
Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (X):
-„schreiben gute besserung nach einem schiunfall“
-„üble nachrede in studivz“
-„girlfriend is older than me“
-„schlampig gute gründe“
-„wie wird man musikjournalist?“
-„surrealistisch mensch aus uhren“
-„glücksanleitung“
-„nächtliches milchtrinken in filmen“
-„bier und rocknroll ostdeutschland“
-„marilyn manson welche musikrichtung“
Ein paar von diesen Menschen kann ich wie immer nachträglich helfen, selbst wenn sie sicherlich hier nicht gefunden haben, wonach sie gesucht haben und auch wenn ich leider nicht pauschal sagen kann, was man nach einem Schiunfall so schreibt oder was es mit nächtlichem Milchtrinken in Filmen auf sich hat (wtf?): Marilyn Manson macht jedenfalls Industrial-Rock (auf „Mechanical Animals“ aber mit einer Portion Glam), Musikjournalist wird man, indem man einfach ein paar Jahre vor sich hin schreibt und sich dann bei einem Online-Magazin bewirbt, dort wieder ein paar Jahre vor sich hin schreibt und irgendwann bei einer Zeitschrift landet, Salvador Dalí hat nie Menschen aus Uhren gemalt, dafür aber zerfließende Uhren und Gründe für Schlampigkeit gibt es wirklich gar keine, denke ich. Dafür aber verbinde ich Ostdeutschland auch mit Bier und Rock’n'Roll, hatte schon einmal eine wesentlich ältere Freundin und meine kleine Glücksanleitung lautet wie folgt: Mach das, was Du gerne machst, zu Deinem Beruf! So, alles geklärt. Oder?
Dieses Blog ist im Grunde überhaupt nicht politisch. Meine Kunst ist nicht politisch. Aber ich bin es. Und René als Vertreter eines der größten deutschen Weblogs fasst in recht deutliche, in sehr wütende und auch explizite Worte, was so ziemlich die gesamte Internetgemeinde am heutigen Abend in Hinsicht auf die uns regierende Politik denkt. Deswegen gibt es heute bei mir, ganz abseits von meinen geäußerten Bedenken gegenüber der Piratenpartei und anderen kleinen Meinungsverschiedenheiten mit der restlichen Netzgemeinde, einfach nur einen Link.
Jeffrey Jacob Abrams – „Star Trek“ (Film; 2009)
Ganze sieben Jahre Wartezeit für die vielen Trekkies bis zu diesem Film, der einen Neuanfang versprach und im Vorfeld euphorische Kritiken einheimste. Zum Teil sogar zu Recht: Die Darsteller sind großartig besetzt und zeigen deutlich mehr als nur Talent, die Spezialeffekte sind oberste Liga. Allerdings mag der Funke dann am Ende doch nicht ganz überspringen, was vor allem am Plot des 127-Minüters liegt, denn dieser ist so vorhersehbar wie die Farbe des nächsten Tempotaschentuchs in einer Standardpackung: Ein finsterer Oberbösewichtendgegner bedroht die Erde, Zeitreisen spielen eine Rolle, dazu ein bisschen Konflikt zwischen den Crew-Mitgliedern. Noch mehr Klischees hätte Abrams gar nicht verarbeiten können und noch langweiliger hätte die Handlung nicht geraten könnten. Dennoch: Ein solider Neuanfang ist er auf jeden Fall, dieser elfte Star Trek-Film. 6/10
Placebo – „Battle For The Sun“ (Musik:Album; 2009)
Auf ewig in den 90ern hängengeblieben: Der für immer androgyn-jugendliche Brian Molko imitiert sich auf „Battle For The Sun“ so gut selbst, dass man fast ein Best-Of vermutet: Man packe einmal die Wortkombinationen „you“ „me“ „feel“ und „bittersweet“ in einen Mixer, streue die typischen Placebo-Gitarren drüber, hebe ein paar simple Keyboard-Melodien unter und fertig ist ein neues Album nach Schema F, das die Band schon seit „Black Market Music“ praktiziert. Ob Placebo sich irgendwann mal wieder auch nur einen kleinen Schritt weiterentwickeln werden ist fraglich, auf dieser Platte jedenfalls dominiert gepflegte Langeweile auf mittlerem Niveau. Den Fahrstuhlrockern wird’s gefallen. 4/10
Sunn O))) – „Monoliths & Dimensions“ (Musik:Album; 2009)
Kurze Denksportaufgabe: Stellen Sie sich vor, Sie versuchen einem durchschnittlichen Musikkonsumenten zu erklären 1.) was für eine Art von Musik Sunn O))) machen und 2.) warum sich das viele Leute freiwillig anhören und sogar verdammt viel Spaß dabei haben. Die Faszination an dieser in jeder Hinsicht kompromisslosen wie grandiosen Musik ist eigentlich kaum zu vermitteln. Mit dem sechsten Album „Monoliths & Dimensions“ schaffen Stephen O’Malley, der erneut an Bord befindliche Mayhem-Vokalist Attlia Cishnar und mehr als 10 weitere Musiker dennoch den irrsinnigen Spagat, gleichzeitig die (freilich relativ gesehen) zugänglichste Platte von Sunn O))) wie auch das vielfältigste Werk der Band zu inszenieren. In jeder Hinsicht: Chapeu! 9/10
„So, jetzt muss ich mich mal ausführlich um meine Haare kümmern.“ – „Ja, das solltest Du. Ich hab die gestern gesehen.“ – „Wie meinst Du das, Du hast meine Haare gesehen? In welchem Zusammenhang?“ – „Zusammenhang stimmt schon. In einem, großen Zusammenhang.“
Arr, Ihr lustigen Freibeuter von der Piratenpartei Deutschland,
da habt Ihr doch glatt mal 0,9% bundesweit bei der Europawahl 2009 geholt. Das muss man sich mal vorstellen: Fast jeder hundertste Wähler hat sein Kreuz bei Euch gemacht. Respektable Sache, aber noch cooler wäre das Ganze natürlich, wenn Ihr nicht so einen bescheuerten Namen tragen, solche populistischen Maximalforderungen verbreiten würdet und nicht so ein unglaublich einseitiges Programm hättet.
Jaja, ich weiß schon, für den Namen könnt Ihr nichts, der ist angelehnt an Euere schwedischen Kollegen, die dort oben in dem kleinen Land sogar unglaubliche 7% der Wähler erreicht haben und nun einen doch hoffentlich mit rostigem Säbel und Augenklappe bewaffneten Burschen ins Parlament schicken dürfen. Aber Euer Wahlprogramm zeichnet die Welt doch schon arg schwarz-weiß, gut-böse und ihr übernehmt dabei natürlich immer die extreme Gegenposition zu den finsteren, konservativen Kräften: Ihr wollt Software- und Genpatente abschaffen, Privatkopien komplett erlauben, das Urheberrecht reformieren und solches Zeug, das besonders bei den jugendlichen Internetnerds, die sich meistens so gut wie Null für Politik interessieren, wenn es nicht darum geht, dass sie in Ruhe ihr Zeug aus den Tauschbörsen ziehen dürfen, auf große Gegenliebe stößt.
Natürlich geht Ihr mit Eueren Ideen in die richtige Richtung, daran gibt es keinen Zweifel, dabei scheint Ihr aber keine fünf Schritte voraus zu denken, denn dass all diese Geschichten auch ihre negativen Seiten haben können, kommt Euch offenbar gar nicht in den Sinn (und leider auch genausowenig der versammelten Netzgemeinde, die euch ganz toll findet, was insbesondere auch die sonst so wahnsinnig kritischen Bloggerkollegen betrifft): Wer hätte denn noch ein Interesse daran, eine (Mais- oder Irgendwas-)Sorte zu erfinden, die vielleicht irgendwann das Hungerproblem löst, weil sie auch in der Wüste wächst, wenn er daraus keinen Profil schlagen könnte? Welcher Musiker kann denn nur von den Konzerteinnahmen leben? Von Autoren, anderen Künstlern und Softwareschreibern fange ich gar nicht erst an, denn die geben in der Regel nicht so viele Liveshows, über die sie ihr Geld kriegen können, wenn jeder ihren Kram kopieren darf. Informationelle Selbstbestimmung und der finstere Überwachungsstaat Orwell’schen Ausmaßes ist auch so ein Thema von Euch, das Euere Wähler wahnsinnig gut finden, während sie auf Myspace und Facebook darüber berichten, was sie gerade zu Abend gegessen haben und neue Bilder von der letzten Lan-Party hochladen. Wenn ich dann aber, wie heute Morgen bei heise.de noch lesen muss, dass Ihr zu den anderen Themen (im Grunde all das, das nichts mit Internet zu tun hat) gar keine Meinung haben wollt, dann frage ich mich schon, was diese ganze Nummer soll und ob man Euch eigentlich in irgendeiner Art und Weise ernst nehmen kann.
Es ist auch angekommen, dass Ihr eine Interessenpartei seid und dass Ihr so laut tösen müsst, damit man euch überhaupt wahrnimmt. Versteht mich bloß nicht falsch: Ich bin der Netzfreak schlechthin, aber Ihr seht halt nicht nur auf den ersten, sondern auch noch auf den dritten Blick wie ein paar populistische Spinner aus, die eigentlich keiner wählen kann, der ein bisschen reflektierter über Dinge nachdenkt als nur bis „ich will, dass der mich in Ruhe meine Mucke runterladen lässt, der böse Schäuble“. Ich erkläre Euch (und Eueren Apologeten) mal ganz kurz, wie Demokratie wirklich funktioniert, und es ist wirklich traurig, dass ich das tun muss: Da geht es darum, die beste Lösung für jung, alt, progressiv, konservativ, kurzum für Alle zu finden, einen Kompromiss, nicht darum, möglichst viele Punkte zu erzielen und dann allen anderen seinen Lebensentwurf, der ausschließlich an der eigenen Lebensrealität orientiert ist, einfach aufzudrücken. Und wenn Ihr jetzt mit dem Argument kommen wollt, dass Ihr ja bloß Opposition sein wollt, die problematische Verhältnisse mit starken Gegenpositionen aufzeigen will: Eine Utopistenpartei gibt es schon. Die träumt auch vor sich hin vom Wunderland, aber wenigstens in Bezug auf Dinge, die wirklich von etwas allgemeinerem Interesse sind.
Mast- und Schotbruch wünscht:
Käptn Raven III.