Nov 30 2009

Instant Poetry (CLXI)

Ich fand mich sitzen, liegen, stehen
an des Felsens Quelle,
am letzten Abend des Novembers: Irgendwo im Nirgendland.

Jetzt wird alles wieder ganz gewöhnlich,
denn es ist endlich kein November mehr.

Zum Glück.


Nov 27 2009

On Feeling Empty Without A Reason (With Hat) (2009)

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Nov 27 2009

Traumsequenzen (VII)

Wir kommen von einer Abschlussparty, die auf einem Schloss stattfand und wollen auf den Weihnachtsmarkt. Wir, das sind meine Begleitung, eine junge Dame, die mir seltsam bekannt vorkommt und die ich vor dem Schloss minutenlang küsse, ein paar Freunde von ihr und so ein nerdiger, dicker Typ mit einer riesigen Brille, der mein eigener Doppelgänger aus einem parallelen Universum zu sein scheint. Er stand auf der Party plötzlich vor mir und grinste mich an, ohne zu reden. Er redet nie, erklärte man mir.

Der Weihnachtsmarkt ist etwa so grauenhaft wie die Halloween-Version eines Weihnachtsmarktes in einem Film von Tim Burton. Nur ohne den Humor. Es tummeln sich dicht an dicht als Monstren verkleidete Verrückte aller Art, dazwischen entstellte Menschen, die bizarre Dinge tun. Man quetscht sich durch die Menge und plötzlich sieht man eine offene Wunde mit Maden auf der Wange des Typen, der zwei Zentimeter neben einem steht und auch noch bedrohlich schwankt. Irgendwo sitzt ein einäugiger, bärtiger Mann und zwitschert permanent vor sich hin wie ein verendender Vogel, das ist sein Trick. Auf dem übergroßen Holzschild, das er mit einer Schnur um den Hals trägt, steht, dass man ihm folgen sollte. Zwei Menschen tragen das Kostüm einer siamesischen Giraffe, andere haben sich derart mit diversem Metall bekleidet, dass sie nur noch wie wandelnde Schrotthaufen aussehen, die absichtlich Passanten anrempeln. Das sei hier eben so, ich solle mich doch mal freuen, sagt jemand, den ich darauf anspreche, was hier eigentlich los sei. Wir gehen weiter durch den Markt und sehen unfassbar viele unvorstellbare Dinge. Auf einer kleinen Bühne wird ein Kunststück vorgeführt, das nur darin besteht, dass ein kleines Mädchen vortäuscht, bei einem anderen Kunststück in einer dieser alten Metallwannen zu ertrinken. Das Publikum johlt.

Ein Bekannter meiner Begleitung hat sich in einem verfallenen Haus unter einer Treppe sein eigenes kleines Domizil eingerichtet: Es werden psychedelische Kinderlieder auf einem alten Grammophon gespielt, dazu tanzen in den Regalen unzählige Gartenzwerge (er besteht darauf, dass es sieben wären, dabei sind es mindestens siebzig), die er mit einem Mechanismus ausgerüstet hat, der sie dazu bringt, sich hüpfend im Kreis zu drehen. Manchmal fällt einer runter und zerbricht. In der Ecke gibt es Besen und Schaufel für diesen Fall, daneben ein riesiger Müllsack voller Scherben, in den man besser nicht hineinsieht, denn es sieht dort aus wie in einem Zwergenmassengrab, erklärt man mir. Ich blicke dennoch hinein und muss mich direkt in die Tüte übergeben. Ich will nach Hause, aber die Fähre, die  die Leute an diesen Ort bringt, kommt erst in einigen Stunden wieder. Wir müssen zurück auf den Markt.

Eine der Attraktionen auf dem wohl finstersten Weihnachtsmarkt der Welt, die ich noch unbedingt ausprobieren soll: Man kann sich blutsaugende Marienkäfer auf den Arm setzen lassen. Das bringe Glück, erklärt meine Bekannte, die inzwischen eine Brille trägt und zu einer alten Frau geworden ist. Dann lacht sie verrückt, nimmt meinen Arm und steckt ihn bis zum Ellenbogen in dieses riesige Einmachglas voller bunter Marienkäfer. Ich bin ganz ruhig. Vielleicht bringt das ja wirklich Glück, denke ich, als ich spüre, wie sich die Insekten in mir verbeißen. Ich wache auf. Mein Arm ist eingeschlafen. Das Kribbeln kommt bestimmt von diesen verdammten Viechern, denke ich, noch ganz in der Traumwelt.


Nov 24 2009

Art. (2009)

“Heute Nacht hab ich’s endlich begriffen, Kunst: Du bist die Einzige für mich!”

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Self-Portrait.


Nov 24 2009

Instant Poetry (CLX)

Geständnis:
Ich habe Werther die Pistolen geliehen,
Shakespeare schlicht erfunden
und auch noch René Descartes vergiftet.


Nov 22 2009

Projekt: Zettelpoesie Reloaded.

“Die Welt muss romantisiert werden. So findet man ihren ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Das niedere Selbst wird mit einem besseren Selbst in dieser Operation identifiziert. So wie wir selbst eine solche qualitative Potenzenreihe sind.” – Novalis, Fragmente.

Der Plan:

Ich drucke mir ganz viele kleine Zettel aus. Mit meinen Gedichten drauf. Ich verteile diese Zettel in den nächsten Wochen in der Stadt, ich werfe sie nicht irgendwo hin, ich versuche, sie so zu platzieren, dass man sie finden kann. Und wird.

Die Frage:

Warum tut der Sebastian denn sowas?

Die Antwort für jedermann, ganz ohne Literaturgeschichte und Kunsttheorie:

DIE WELT MUSS RE-POETISIERT WERDEN!

Kunst und insbesondere Lyrik nehmen in unserem pragmatischen, verbachelorisierten und auf Effizienz ausgerichteten Alltag nicht nur keinerlei relevante Stellung mehr ein, sie haben überhaupt keinen Platz mehr. Kunst wurde in Museen verbannt, Lyrik in muffige Deutschstunden. Versuchen sie mal, mit einem Verlag ernsthaft über die Veröffentlichung eines Lyrikbandes zu reden. Die lachen sie aus. Das Wunderbare hat keinen Platz mehr in der Realität, Verwendung findet nur noch eben das Zweckmäßige in möglichst knackigen Schlagzeilen, die populäre fiktionale Literatur wird von dümmlich-kitschigen Historienthrillern dominiert, die inhaltlich und sprachlich auf 800 Pages zum turnen leerer sind als eine einzige Seite KafkaNietzscheMusilPynchonCelan und das nicht mal maßlos, sondern nur ein klein wenig übertrieben, die Lyrik ist zu einem Schimpfwort verkommen für Tagebuch-Emo-Kitschtextzeilen geschrieben von pubertierenden Mädchen, die Herz auf Schmerz reimen.

Das muss aufhören und das Wunderbare wird hiermit wieder Teil des Alltags. Die Leute kommen nicht zur Kunst, also kommt sie jetzt zu ihnen. Zumindest dort, wo ich mich aufhalte und weil eben sonst niemand anfängt, fange ich hiermit  erneut damit an und drucke mir hunderte winzige Zettel mit eigenen Gedichten, die ich zukünftig wieder überall dort hinterlasse, wo ich die Gelegenheit dazu habe: In Supermärkten zwischen Schokoladentafeln. Hinten, in der Kapuze von dem Typen, der in der Schlage vor mir steht. Drüben in der Parkzettelmaschine. Vorne, an der Bar von dem netten Irish Pub. Im Keller auf dem Zählerkasten. Unter dem Tisch. In den Ritzen der Winkel des Hauses, an dem ich vorbeigehe, auf dem Dach, in der U-Bahn gleich überall, im Aufzug und auch am Strand. Im Bienenkasten, drüben auf dem Erdtrabanten, hinter sieben Ecken, im Briefkasten der schlimmsten Winkeladvokaten, bei McDonalds auf dem Klo, an der Tanke beim Staubsauger, auf den fluffigsten Quellwolken, in den schlimmsten Yuppiebars, den schnieksten Ausstellungen von Dali und vielleicht gehe ich sogar extra mal ins Rathaus.

Eine Bitte:

Falls Sie einen der Zettel finden oder gefunden haben: Schreiben sie mir doch bitte in einer kurzen eMail an raventhird(at)gmx.net, welchen der Zettel sie wann und wo entdeckt haben und was sie sich dabei dachten, oder hinterlassen sie einen entsprechenden Kommentar unter diesem Artikel. Es würde mich sehr freuen, zu hören, was aus meinen Gedichten geworden ist. Danach können sie den Zettel auch gerne wieder aussetzen oder ihn abschreiben (bitte mit dem Link), hundertfach ausdrucken, kopieren und die Zettelgedichtaktion so fortsetzen.


Nov 19 2009

Faces Of Berlin V (2009)

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Nov 19 2009

Faces Of Berlin IV (2009)

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Nov 19 2009

Faces Of Berlin III (2009)

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Nov 16 2009

Faces of Berlin II (2009)

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Nov 16 2009

Faces of Berlin I (2009)

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Nov 12 2009

Traumsequenzen (VI)

Ich bin angeklagt, bei meiner Magisterprüfung geschummelt zu haben, der Titel soll mir aberkannt werden. Mein damaliger Professor H. ruft mich an und zu sich, sein Assistent legt eine Videokassette in einen uralten Fernseher ein, der mitten im Büro einfach auf den Boden gestellt wurde. Auf dem Video sei der eindeutige Beweis für meinen Betrug. Im ersten Teil des Videos sieht man eine große, schicke Wohnung, in der halbnackte Frauen herum albern. Irgendwann bin ich auch im Bild. Ich erinnere mich nicht an die Wohnung, aber ich weiß intuitiv, dass ich dort gewohnt habe und ich weiß, dass mein Professor selbst dieses Video gedreht hat. „Wer sind diese Frauen?“, fragt er mich, als ob er nicht wüsste, dass er selbst hinter der Kamera stand. „Freunde von meiner Ex-Freundin!“, antworte ich etwas unbeholfen, etwas schuldbewusst, aber aus meiner Sicht doch überzeugend und füge hinzu: „Was spielt das für eine Rolle?“ Er schweigt und wir gucken weiter das Video, das immer pornographischere Züge annimmt. „Das wirst Du schon noch erfahren“, sagt er. Er stelle hier die Fragen.

Im zweiten Teil des Videos steigt eine alte Frau mit einem blauen Kapuzenpulli, die Mütze über den Kopf gezogen, aus einem dieser roten Londoner Busse aus. Sie soll der Schlüssel zu meinem angeblichen Betrug sein, so wird mit erklärt. Ich erkenne sie sofort wieder, obwohl sie viel zu stark gealtert ist: Es ist meine ehemalige Linguistikprofessorin K., aber sie erinnert sich leider nicht an mich, sie ist nämlich nicht nur in dem Video, sondern im selben Moment real vor dem Haus aus dem Bus gestiegen und steht plötzlich neben uns, blickt auf sich selbst auf dem Fernsehschirm und spricht die Worte synchron mit ihrer Aufnahme, die nun ebenfalls auf meine Fragen antwortet. Ich schaffe es nicht, sie zu überzeugen, sich an mich zu erinnern. Um meine Unschuld zu beweisen, trete ich mit ihr, Professor H., seinem Assistenten und einer kleinen Gruppe von gesichtslosen Menschen in roten Hemden die Reise zum Gipfel eines surrealen Berges irgendwo in Asien an. Ich weiß nicht, was ich dort zu finden glaube, aber es wird mich entlasten, das glaube ich zu wissen. Im Laufe der Reise, die wir in einer Kutsche beginnen, wird meine Linguistikprofessorin K. immer jünger und ich erinnere mich an eine zweite Begegnung mit ihr, als sie derart verjüngt ist, dass sie in meinem Alter ist: Sie war eine Ex-Freundin von mir, mit ihr habe ich in dieser Wohnung gewohnt, die zu Beginn des Videos gezeigt wurde. Und ich verliebe mich noch einmal in sie.

Je weiter wir nach oben steigen, desto seltsamer werden die Verhältnisse auf dem Berg. Dichter Nebel macht es bald unmöglich, zu erkennen, wo eigentlich oben und unten ist und wenn man auf die Bäume klettert, dann endet man nicht in Baumkronen, sondern wieder auf auf einem Boden und man steht Kopf an einer Decke, die es auf einem Berg gar nicht geben sollte. Immer mehr Vegetation tritt auf, wir sind nach einigen Tagen mitten auf einem Dschungelberg, auf dem es kein Oben und Unten (im doppelten Sinne) gibt. Der Assistent von Professors H. verliert derweilen die Videokamera, die er mitgebracht hat, um die Reise zu meinen Ungunsten zu dokumentieren. Irgendwann erscheint in der weiten Ferne auf dem Gipfel (der sinnigerweise in einem Tal liegt) ein futuristischer Turm, der an der Spitze eine kugelförmige Kuppel hat, umgeben von kleineren Bauten, die in verschiedenen Farben beleuchtet werden. Dort müssen wir hin, dort ist die Bibliothek, denke ich.


Nov 8 2009

Instant Poetry (CLIX)

Um sehnsuchtsleere Träume
weht ein ganz besondrer Wind.
Eingehüllt in Gitterstäbe des Verlangens
kommst Du nämlich niemals nirgends an.


Nov 6 2009

Aurora (2009)

Aurora

Model: Ann-Mary


Nov 2 2009

Protokoll eines nie stattgefundenen Gesprächs vom 31.10.2009

„Kennst Du das Gefühl, dass Du bereit wärst für etwas zu sterben, aber Du findest trotz angestrengter Suche nichts, für dass es sich zu sterben lohnt? Oder zu leben? Ich kenne dieses Gefühl. Zu gut.“ – „Ich nicht.“ – „Ich hasse es, wenn Du das sagst.“ – „Warum?“ – „Es zwingt mich zu weiteren Überlegungen, die gänzlich anderswo enden, als dort, wo ich hin will. Oder lässt mich wie einen Idioten aussehen, wenn ich mich diesem Zwang verweigere.“ – „Es lässt Dich nicht wie einen Idioten aussehen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind und Dir das nicht gefällt. Nur wie jemanden, der Harmonie sucht.“ – „Harmonie ist vielleicht noch das Einzige, das ich auf meiner komischen Reise durch die Menschenwelt in den letzten Wochen finde.“ – „Nein. Du findest sie nicht. Du stellst sie zwanghaft her, indem Du Dich verdrehst. Deswegen bist Du auch unglücklich.“ – „Aber wie verdreht man sich denn nicht? Woher weiß ich, wer ich bin, was mein ‘echtes’ Ich ausmacht? Doch nur, indem ich etwas finde, für das es sich zu sterben lohnen würde. Und da sind wir wieder am Anfang. Ich finde den Gedanken logisch.“ – „Ich nicht.“ – „…“ – „Überlege weiter. Geh mal von dem Ego-Ding weg. Du bist unwichtig.“