Feb 28 2010

Klassentreffen: Twitterhude Zwanzigzehn.

Ich hatte gestern beim Twittern einige merkwürdige Visionen. Mir war, als stünde meine halbe Timeline in Person vor mir.

Und die Visionen gingen so:

Mein grandioser Plan, gänzlich unerkannt zu bleiben: Zerstört durch das Duo Infernale aus @Epitymbidia und @Herr Twiggs, die mir zwei ganze Kilometer vom Verantstaltungsort entfernt mit der unvollendeten Frage: „Entschuldigen Sie, wissen sie, wo das stilwerk, ach, der Herr Baumer, der will doch auch dort hin“ jegliche Illusionen nahmen, dass mein Profilphoto und ich einander nicht so einfach zuordenbar wären und sogar meinen Zweitaccount benennen konnten.

Meine undurchdachte Idee, eine Halb-#Offlinerin und gute Freundin mit in die Veranstaltung zu bringen: Zerschmettert in nur 15 Minuten mit den Twitterianern und ihren permanenten Inside-Jokes ([irgendwas über @haekelschwein] – „Du, ich glaub, geh dann mal.“ – „Würde ich ihr folgen, wäre aber bald damit Schluss!“).

Meine schlimme Befürchtung, selbst niemanden erkennen zu können: Makulatur, nachdem der Bursche mit den zweitgefärbten Haaren (@moeffju) schon am Eingang ganz selbstverständlich vor mir stand.

Mein pathetischer Hilferuf nach Aufmerksamkeit über die Twitter-Wall („Sitze allein auf der Heizung und twittere. Passend.“): Innerhalb von Millisekunden („So, jetzt bist Du nicht mehr allein“) reallifeartig beantwortet von den mich plötzlich umringenden @Weiszklee und @Mlle_Amandier.

Mein dringender Vorsatz, nicht vor Ehrfurcht oder Erstaunen über die wahren Persönlichkeiten der vielen virtuellen Menschen zu erstarren: Einfach kaputt geschlagen durch @cemb, dem im Anzug erschienenen @germanpsycho und @diktator.

Mein Geistesblitz, irgendwann einfach wieder zu verschwinden: Torpediert von @elbpoet und @silenttiffy, in deren Taxi ich unter widrigen Umständen geriet, um in Saschas Wohnung bei Rotwein bedeutenden Fragen wie der Motivation, die Menschen zum Schreiben bringt, ausführlich nachzugehen.

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Ein langer Abend unter Gleichgesinnten. Es hatten sich sogar ein paar Spamfollower unter die Anwesenden gemischt. Und ich hab überall noch Analogtweets (vulgo: Zettelgedichte) ausgestreut (die zum Teil gefunden und in einem Fall auch getwitpict wurden [edit: In zwei]) und mein Bild in echt gesehen, Twitterhimmel.

Tausend Favs und Dank @frauenfuss.


Feb 25 2010

Disease (2009)

disease


Feb 25 2010

Briefing (XXIII)

Hey StudiVZ!

Meine absolute Hochachtung: Du schaffst doch tatsächlich das, was sonst niemand bei mir hinbekommt und bringst mich dazu, mal wieder in Die Irrlichterkette über ein Social Media-Thema zu bloggen. Versteh mich bloß nicht falsch: Ich beschäftige mich beruflich und privat jeden Tag mit Dir und Deinen schöneren Geschwistern, aber eigentlich wollte ich euch hier ja raus lassen, denn einerseits gibt es schon genug armselige Netzkreaturen ohne andere Talente, die über diesen ganzen Kram bloggen, andererseits hat das immer gleich so was unzeitloses, wenn man über flüchtigen Müll schreibt, der morgen schon wieder ganz anders ist. Chatroulette, Gowalla, Foursquare, Buzz, Pip.io, Google Wave und Co., so spannend und unterhaltsam sie zum Teil sind, waren deswegen hier nie wirklich ein Thema.

Dein neuester Coup, StudiVZ, lässt mir allerdings einfach keine Wahl: Deine Entwickler, die hinter den Kulissen wieder monatelang gebrainstormt und konzeptet haben, sind nämlich auf eine Superidee gekommen, die Du heute der Öffentlichkeit präsentiert hast: Man kann jetzt seinen Beziehungsstatus auf dem eigenen Userprofil mit der zweiten in der Beziehung befindlichen Person verlinken. Manche mögen dabei vielleicht auf den Gedanken kommen, dass Facebook selbige Option schon seit Jahrhunderten offeriert, aber diese Unkenrufer haben nicht mit der Originalität Deiner Ideenfinder gerechnet: Als ganz eigenes und innovatives Feature bietest Du nämlich tatsächlich an, dass man seinen Status auf „offene Beziehung“ stellen und sich dann mit mehreren Partnern  gleichzeitig in eine Beziehung hineinlinken kann. Die Anleitung dazu schreibst Du dick in die „Klartext“-Mitteilung zur neuen Funktion: „Du willst Dich nicht auf eine einzelne Person festlegen? Auch gut: Wähle den Status ‘offene Beziehung’ aus und verlinke Dich mit bis zu fünf Partnern“, steht da doch tatsächlich (Hervorhebung auf dem Screenshot von mir).

Eine absolut grandiose Funktion, dieses neue Promiskuitäts-Feature: So kann Ronny in Zukunft öffentlich kundtun, dass er mit Mandy, Jenny und mit Sandy schläft, und sich so gleichzeitig zum Affen wie zum großen Macker machen, Mareike, die gerade in einer schlimmen Beziehungkrise ist, linkt sich direkt zwischen die beiden von ihrer Verwirrung betroffenen Herzbuben, die sie ja irgendwie beide toll findet und Petra, das olle Emogirl, phantasiert sich, um ihre Zuneigung zu ihren Freundinnen zu präsentieren, gleich in offene Beziehungen mit ihrer kompletten Clique, denn irgendwie ist ja nur zwischen Mädchen echte Liebe, nicht?

Interessant ist übrigens auch, dass Du bei Deiner Schwesterseite SchuelerVZ die Beziehungsfunktion auch eingebaut hast, dort aber die Mehrfachverlinkung weglässt. Was sagt das eigentlich über Dich aus, StudiVZ? Was für ein Bild hast Du von Deinen Kernnutzern, den Studenten? Oder willst Du nur knallhart die Realität abbilden, die Schüler aber noch davor bewahren, bis sie alt genug sind, um auch mit mehreren Leuten gleichzeitig was am Laufen zu haben? Selbiges wäre natürlich ein höchst lobenswertes Anliegen, das ich hiermit voll und ganz unterstütze.

Aber jetzt mal im Ernst, StudiVZ: Ist Dir das eigentlich nicht selbst ein bisschen peinlich, wie Du Dich immer benimmst?

Ein bisschen um Deinen sonst so tadellosen Ruf besorgt:
Dein Sebastian.


Feb 23 2010

Lose rote Fäden.

An diesem Dienstag war alles anders.

„Ich hätte Dich viel früher kennen lernen sollen“, schrieb Herr K. Dann schrieb er lange Zeit nichts. Irgendwann stand er auf, ging nach unten, vor das Backsteinhaus, wo noch immer der Herbst Einzug hielt, und drehte sich eine Zigarette. Ein Einzug mit Kampf, dachte Herr K. Der alte Mieter, der Sommer, dieser räudige, lebenslustige alte Mann mit der sonnengegerbten, ledrigen Haut, der wollte einfach nicht gehen. Herr K. dachte immer noch in Metaphern und seltenen Adjektiven, er konnte gar nicht anders. Aber er schrieb keine Metaphern und seltenen Adjektive mehr, vorbei war vorerst die Zeit der „schwarzlodernden, opiumgeschwängerten Abende am Kaminfeuer“, die in Wahrheit nur ihn, eine Flasche billigen Whiskey und Open Office beinhalten. „Der Autor hat doch sowieso einen Dreck damit zu tun“, dachte Herr K. wie zum Trotz gegen diese Feststellung, weil er ein Fan von Roland Barthes war und sich selbst gerne aus seinen Texten ausradiert hätte.

„Aber dann kamen so viele andere Erzählstränge dazwischen“, schrieb Herr K., als er wieder oben war, an seiner Schreibmaschine, früher nannten sie die Leute Laptop, heute Notebook. Er nannte sie immer nur Schreibmaschine und die Ereignisse nannte er Erzählstränge. Und da war er wieder an dem Punkt, an dem er immer gelangte, weil sein Leben eher Kreisen als Linien verlief: Der Punkt, an dem er sich nicht mehr sicher war, ob er nicht alles, was geschah, einfach herbeischrieb. Es gab kein Schicksal in dieser Überlegung. Es gab nur Herrn K. und seine alte Schreibmaschine.

An diesem Dienstag war alles anders. Herr K. hatte sich nach langem Zögern, Verheddern und Verzweifeln und einer langen Blockade in etwas hineingeschrieben, das ihn wirklich betraf. Er hatte das unbewusst getan, écriture automatique. Er war sich nur noch nicht sicher, wie er diese Geschichte weiterführen sollte. Aber er dachte permanent über die Geschichte und über die Protagonistin nach. Nach langer Zeit hatte er endlich wieder eine Figur erfunden, die er nicht im Verlauf des Roman das Zeitliche segnen lassen wollte und die ihn nicht in den Irrsinn trieb. In den Ohren des Lesers mag sein Verhältnis zu dem, was er dort schrieb, gänzlich unleidenschaftlich klingen, aber in Herrn K.s Welt, der grundsätzlich allen Dingen mit größter Skepsis gegenüberstand (seine Mutter hatte einmal über ihn gesagt, dass das höchste Lob, dass man von ihm bekommen könnte, die Aussage „naja, das kann man sich gerade noch antun“ wäre, und das, so fand Herr K., war das treffendste, was seine Mutter jemals über ihn gesagt hatte), war das ziemlich gut für den Anfang.

Und dann schrieb Herr K. einfach immer weiter. Ohne nachzudenken.


Feb 22 2010

Instant Poetry (CLXV)

Reib Dich wund mit Muschelschalen,
wickel Kopf in Stacheldraht:
Am Ende kommst Du nicht umhin,
heraus, hinfort oder gar gänzlich weg.


Feb 14 2010

Die Fratze des Nichts & Lebensliebe (2010)

Die Fratze des Nichts & Lebensliebe


Feb 14 2010

Hirnstrom (II): Selbstgespräch

Social Media mit spießbürgerlicher Hingabe: Einkaufen, Staubsaugen, Twittern steht auf dem To-Do-Zettel in meiner Hosentasche. Randgänger: Ich kam jeden Tag wieder und holte mir blaue Augen und blutige Lippen beim Faustkampf mit Dir, Leben.

Aber jetzt nicht mehr. Ich habe das Kämpfen mit dem Leben aufgegeben.

Mein Lieblingszitat aus den letzten Monaten (und ich deklariere meine Zitate im Gegensatz zu manchen, die daraus Bücher puzzlen, als solche) lautet sinngemäß wie folgt: „Sie liebte nur zwei Dinge: Das erste war ihr langes, schwarzes Haar. Das zweite war, wie einfach sie es abschneiden konnte, ohne dabei auch nur das Geringste zu empfinden.“ Ich hab den Film, aus dem dieses Zitat stammt, leider nie gesehen, habe diese Worte nur flüchtig aufgeschnappt im Zeitstrom der Zwitschermaschine, aber sie blieben in meinem Kopf kleben wie Kaugummi in den Haaren, denn es ist eine sehr poetische Formulierung dessen, was man Freiheit nennt, die hier gemeint ist. Auch wenn es manchen Menschen, die mich nur zu kennen glauben, nicht so scheint: Ich lebe inzwischen diese Form der Freiheit, aber es war ein steiniger Weg hierher. Man gelangt, wenn man diesen Weg geht, sehr schnell an den Punkt, an dem es Probleme gibt, zuallererst mit den einen umgebenden Menschen: Freunde werden agressiv, weil man sie scheinbar nicht genug beachtet, wenn man sich den Regeln des wochenendlichen Ausgehens nicht mehr unterwirft oder sich mehr als sieben Tage nicht meldet. Sie verstehen nicht, dass Zuneigung rein gar nichts mit Quantität zu tun hat, deswegen muss man sie ziehen lassen und darauf hoffen, dass sie irgendwann begreifen, dass man sie eben doch verdammt gerne hatte. Andere Menschen sind irritiert, wenn man ihnen tatsächliche, ehrliche Beachtung und Aufmerksamkeit schenkt (ich glaube, das liegt daran, dass es da draußen, im richtigen Leben, nur wenige Menschen gibt, die wirklich das Gefühl kennen, Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen, die nicht-egoistischer Natur oder auf dem Wunsch nach einer Beziehung [prosaischer sollte man: „auf einem Fickwunsch“ schreiben] basiert ist).

Wie ich an den Punkt gelangt bin, an dem ich die Entscheidung fällte, diesen Weg gehen zu wollen? Es war eine sehr einschneidende Lektion durch eine Person, die nie so etwas wie eine Lehrerin in Bezug auf mich sein wollte, die mich endgültig zu dieser Haltung, mit der ich schon seit Jahren geliebäugelt hatte, führte: Die Art und Weise, wie der Mensch, von dem ich spreche, im Verlauf einiger Monate des letzten Jahres mein Leben im Sturm erobert und dann abrupt wieder verlassen hat (ohne dass es eine Liebesbeziehung in irgendeiner Form gewesen wäre, auch wenn ich mich stellenweise verliebt wähnte), ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, würden die meisten Menschen als brutale, gefühlskalte Tat einer Wahnsinnigen beschreiben (was ich zunächst ebenfalls tat), aber schlussendlich steckte in diesem nur scheinbar paradoxen Verhalten in meiner Lesart genau jener Rat, der auch in dem erwähnten Zitat enthalten ist.

Nicht abhängig von Suchtmitteln irgendwelcher Art, von Menschen, von Meinungen, von Verhaltensweisen oder auch nur von Samstagabenden zu sein: Es fühlt sich auf eine Art richtig an, die zu beschreiben Worte nicht in der Lage sein dürfen, zumindest nicht unter Berücksichtigung des gebotenen kompakten Umfangs eines Blogeintrags. Das Paradoxe an der ganzen Sache ist nur, dass ich in all dieser scheinbaren Unabhängigkeit und in der durch sie eröffneten Möglichkeit, mehr und mehr Kunst zu schaffen, nicht erkennen will, dass es genau die Kunst ist, die ich ganz am Ende ebenfalls absäbeln müsste, wenn ich die inhärente Handlungsanweisung wirklich befolgen wollte. Und so säge ich fröhlich weiter an meinem Ast, mit der Präzision eines über Jahre geschulten, manischen Workaholics und hoffe insgeheim vielleicht doch auf das Erscheinen einer Person, die mich wieder abhängig von anderen Dingen macht oder zumindest vom Sägen abhält.


Feb 10 2010

Nano (I)

Verzaustes Niemandslicht inmitten Stadtgebrodel.


Feb 7 2010

My Life In June (2009)

My Life In June


Feb 7 2010

Instant Poetry (CLXIV)

Aus dem Leben losgebunden:
Deine Augen wie die Schlangen, die verschweigen.

Auf den Knien neben Felsen:
Weißes Chaos und allerorten.

Ein böses Gut in letzten Zügen:
Schreit! und Lacht! und Ohnmacht ob verlorner Ideale.

Mein Taktstock zählt die übrigen Sekunden.


Feb 6 2010

Irrlichter & Schönheit (I)

Ein Tweet.Ein Bild.Ein Stück.Ein Buch.Ein Lichtspielfilm.


Feb 1 2010

Brotkrumen.

„Ich verstehe dieses Mädchen nicht“,  sagt er. „Was an ihr willst Du denn verstehen?“, frage ich.

„Was ihr Handeln antreibt. Warum sie die Dinge tut, die sie tut und schlussendlich doch auch, warum ich in diesen, ihren Gedanken keine Rolle spielen darf, obwohl es eine Rolle wäre, wie auf meinen Leib geschneidert“, sagt er. „Du missverstehst alles. Wegen ihr trägst Du immer diese Brotkrumen in Deinem Kopf mit Dir rum, wenn Du raus gehst. Du denkst, Du kannst sie ihr hinwerfen und sie würde davon schon satt. Diese Rolle, die Du da spielen willst: Die steht vielleicht gar nicht drin, vorne in dem Stück“, sage ich.

„Dann weiß ich nicht, was zu tun ist“, sagt er. „Mehr als Rollenspiel habe ich nie erlernt!“


Feb 1 2010

Thirteen Days of Faithlessness (2009)

Thirteen Days of Faithlessness

Model: LD