Nanoskop (XI)

Ich bin derart optimistisch und pessimistisch zugleich, dass ich schon erahnen kann, wie das Glas beim Überlaufen umkippt. / Gutes tun: Das betonenswerte Unbetonte laut betonen. / (Ich missbrauche mein Leben eigentlich nur als eine Art Feed, an den ich mein Blog und meinen Twitteraccount anschließen kann.) / „Was machen wir hier?“ – „Was nicht? Das ist die Frage.“ / To Do: Den Rahmen sprengen. / Meine geheime Superkraft ist es, mein Privatleben zugunsten von keiner Karriere zu vernachlässigen. / Gute Musik wird niemals alt. / Postprivacy-Vorreiter: Der Nachbar von gegenüber, der immer fast nackt am Fenster seiner Wohnung steht. / Die Kombination von Ehrlichkeit, Humor und Intelligenz wird heute oft als Zynismus verunglimpft. / Auf Dogmen ins Verderben reitend. / „Wirfst Du mir noch einen Kuss zu?“ – „Das ist eine Fangfrage.“ / Blicke über den Tellerrand. Sehe Besteck.


Being Forgotten (2008)

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Narzissmus und Kakteen.

Eins.

„Mein Verstand greift gierig nach allem, das er dort findet, meine Finger umklammern alle existierenden Eventualitäten und die Dinge, die sonst noch erreichbar sind. Es ist wenig bis nichts, es passt in eine einzelne Hand, aber man muss sich eingestehen, dass es schön glitzert, das kannst selbst Du sehen. Zumindest hofft das ein Teil von mir, dieser Teil, der sich im Kreis um mich selbst dreht und der dieses Selbst noch immer als ein Wir liest, in dem das Du bereits gar nicht mehr existiert, weil es wie selbstverständlich absorbiert wurde und sich absorbieren hat lassen. Menschen sprechen manchmal mit Pflanzen. Sie murmeln Hauptsätze, in seltenen Fällen sogar mit besonderer Mühe angefertigte parataktische Konstruktionen in ihre Kakteen, während sie Gießkannen in der Hand halten. Ich kann diese Menschen verstehen, ich bin in gewisser Hinsicht noch schlimmer.“ – „Glaubst Du, dass Du verstehst, was Du da sagst?“ – „Ja.“ – „Du bist ein Betrüger. Du liest kein Wir, Du liest ein erweitertes Ich.“

Zwei.

Die Leute gucken mir in die Augen, das ist revierverletzend. In dem vom Regen ganz silbrigen Kreis, den ich um mich gezogen habe, koche ich Erinnerungen auf und versuche weiterhin, Deine Gegenwart und Körperlichkeit zu ignorieren. Ich kann meine Sätze einfach nicht bändigen, ich bin kein Dompteur wie die Anderen und ich schere mich nicht um mich selbst oder die Zukunft. Ziellose Vogelspuren im Schnee und meine neurotische Art. Du bist nicht meine Muse, denn das hier ist keine Kunst. Menschen sprechen manchmal mit Pflanzen. Sie murmeln Hauptsätze, in seltenen Fällen sogar mit besondere Mühe angefertigte parataktische Konstruktionen in ihre Kakteen, während sie Gießkannen in der Hand halten. Ich kann diese Menschen verstehen, ich bin in gewisser Hinsicht noch schlimmer.


Kaskade 3-3

Nichtstun, das ist es. Mein Regenschirm hat sich im heftigen Wind umgestülpt, ein Außenskellett aus Metall brach plötzlich hervor. Du kommst klar, es wird alles super, ich weiß das. Dann kann ich das nicht mehr, dann muss ich was anderes machen. Dann flog er weg, wie eine Fledermaus aus der Hölle. Kannst Du mir sagen, was Liebe meint, Vater? Ich kann das nicht, ich kann nicht einfach nur so Worte hinschreiben. Wenn ich Ferien habe, dann weiß ich nie wirklich, was ich mit mir anfangen soll. Für Dich mag das zutreffen, aber die Wahrheit sieht anders aus! Träum Du von Deiner inneren Mongolei, sie reist jetzt in die Wirklichkeit. Literarische Figuren machen einfach, was sie wollen, sogar die, die man selbst erfindet, das fasziniert mich an denen. Schufauskunft Karma-Konto: Arschloch. Was mach ich denn, wenn die Leute anfangen sollten, das zu mögen? Was mache ich dann eigentlich? Die Sonne scheint rein, mein Rolladen ist kaputt. Du siehst aus, als hättest Du ein Gespenst photographiert, Junge. Magischer Realismus, das ist doch alles so scheißsubjektiv, wenn man ein bisschen Phantasie hat, dann ist der Begriff nur noch was für die Pragmatiker. Ich stehe immer noch im Regen und tue einfach nichts dagegen. Und das ist nur subjektiv betrachtet die beste Idee, ich sehe es ein. Vierhundert Meter weiter landet der Regenschirm auf dem Asphalt, zuckt noch zweimal mit seinen Metallgelenken und bleibt dann regungslos liegen. Der Entschluss, neben Dir zu gehen, steht.


Travel (2010)

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