Instant Poetry (LXVII)

Mittagsnacht

Also, ihr teure Wahrheit, helle!
Glück bekunden, Wald!
Wandelt der farnlose Nixenreigen!

Mord, im Ätherblau,
im glitzerglitzer Reif
des geweihten Orts – nur! heut!

Aber jetzo alles Ruhe;
da flohen wir zu andern Toten ab!


Instant Poetry (LXVI)

Unter blühenden Rosenbaum
streckte leise, herzlich Er sein Hemd.


Instant Poetry (LXV)

Options

Mirakelwald, abstraktes Ding,
ich verirrte mich in deinem Dickicht:
Der neunzehnhundertvierundfünfzigfach
verzwurbelt-labyrinth’ne Weg
zweigt ab, zweigt ab und schweigt.


Instant Poetry (LXIV)

Vier Sekunden – von keinem Riesen zu fühlen.


Instant Poetry (LXIII)

Kleines Manifest am dritten November

Tänze, Masken, Trommeln,
Voodoo, Wut und Fisch.

Es ist wieder Krieg
und der Feind ist die Kunst selbst:
Stürz alles zurück nach Neunzehnsiebzehn,
nimm die Natur
und werde endlich richtig primitiv-


Instant Poetry (LXII)

Die Niederwerfung (Eigenschaft II)

Durch Dunkel,
horch, Du Kaiser,
wimmert, Stirne,
Natur und Denkorgane,
bis ihr die Gischt der blanken Speere spürt
und bis der Blütenrausch erstarrt.

Es girrt so hell,
ins Lager schmuggelnd,
welcher liegt und welchem fügen?

Und in allem anderen: Wild der König, allezeit.


Instant Poetry (LXI)

Ohne Farbe (Eigenschaft I)

Schaut, oh Wasserlilienkelche:
Alle Lichter, alle fernen Orte!
Kleinteil, im Menschenmunde
größstes Wunder.

Um die versunkenen Tempel
stehen Cypressen,
und sofort und kamerabewert
schweift er zu Aug um Aug!


Instant Poetry (LX)

Von hinten und von vorne

Im zerbrochenen Milchwald
verschwinden urplötzlich die Kinder,
in wildwuchernden Hinterzimmern
verschachtert das Nichts seine Welt.


Instant Poetry (LIX)

Am Rand tanzen

Welchen Mund mein Fieber,
Den Rosen meinem Glas,
Ein Spiegel ihr Bildnis,
Der Liebe ihren Leckersinn,
Des Westen sein Lohn,
Die Rehe ihre Kehle,
Das Stück mein Pokal,
Das Windspiel sein Brot,
Den Arm sein Samen,
Kein Reichtum seines Lichts,
Das Glück ihr Wasser,
Der Wälder meiner Toten,
Den Lieben dein Angst,
Den Wolken ihren Wimpern:
Das endliche Frühlingsjauchzen.


Instant Poetry (LVII)

Tagwerk

Wenn nichts klafft wacht ein grünes,
manche Blume glaubt an Eden:

Streu Sterne auf das Himmelszelt
und mach Dich dann mal wieder
übern Acker, Söhnchen.


Instant Poetry (LVI)

Das Fensterloch

Shawt doch: Ein Wüstenein,
Mantel, eine Taube ist stumpf!
Bette ich Größeres? Herein ich Hüte?
Ah, sie pflückt sie gut, nicht herab,
bahnt sich seltsam am Thron,
ist und lüstern oft,
wenn selbst gewährt zum beeisten Fenster:
Schätze!

Sehr liebt Dich nur ein Teilchen:
Der Dinge, die da sind!


Instant Poetry (LV)

Magic Revealed

Das allverwandelnde hörend
schritt ich schmerzfüßig vorran.

Ich blickte hinüber,
sprach es dreimal aus,
sprach wie zu mir selbst
und dann war’s vorbei,
als trüg ich nichts bei mir,
nur mohnbesprenkeltes
Milchbrötchenzeugs.

Und es war mir,
als wäre im Gestern
ich nun endgültig fremd.


Instant Poetry (LIV)

Im Weinbergwerk

Und Du warst wortarm,
dennoch tatenreich,
sinnstumm und restwertend,
tatenträchtig, schicksalsschwanger,
rehäugig, todesmutig, zornentgeistert,
geistesgegenwärtig, grellwach, neonkühn,
und schwanensinnig.

Ich war dort mit Dir.
Und nichts von alledem.