The girl called Swan (2007)

supermodel-raventhird.de

New zupermodel girlfriend. Her name is Swan, but I prefer to call her Z.


Vor-Sätze (III)

Ich setz’ mich hin und zwing’ mich, zuzuhören,
werde nicht wegdriften
(I’ve been drifting for a long long time),
mich nicht an die Glimmstengel klammern,
und auch nicht in den Wolkenrändern deuten,
sondern auf der Stimme Wellen reiten;

Und wenns nur Kauderwelsch ist, dann werde ich diese Sprache lernen und wie ein wie ein Truthahn zurückkollern. Auf jeden Fall drück ich Dir am Ende auch noch nen Kuss auf die Nase drauf.


NeuRosen (XIV)

Wenn man fast drei Monate lang seinen Lieblingssupermarkt meidet, aus der irrationalen und statistisch gesehen völlig unbegründbaren Angst heraus, dort jemanden zu treffen, den man sicher nicht zufällig beim Einkaufen treffen will, endlich eines Tages seinen ganzen Mut zusammennimmt, es schafft, sich davon zu überzeugen, dass die Angst schwachsinnig ist, dass es nicht passieren wird, dorthin fährt und schließlich feststellen muss, dass doch genau das wieder eintritt, was man fürchtet, darf man dann anfangen, zu glauben, dass man verflucht ist?

Sag mal, wohnst Du eigentlich in dieser R…-Filliale?


Traumsequenz (I)

An die Rückenflossen von Delphinen geklammert jagen wir durch die stürmische und verregnete See an einem pazifischen Traumort, einen mitten im Ozean wachsenden, bräunlichen Sandkegelberg nach und nach immer enger umkreisend, ich weiß nicht, nach was wir suchen oder wer die anderen drei Personen sind, bis sich einer von ihnen als Jared Leeto vorstellt (wer ist Jared Leeto? – Ich kenne den Namen) und behauptet, er hätte sein Leben lang nichts Anderes als das hier gemacht. Ich habe so ein diffuses Gefühl, dass diese Suche schwierig wird, dass wir Experten sind in dem, was wir tun, dass hier Experten gebraucht werden und dass hier etwas gesucht wird, das böse ist. Tote Seesterne, gelbe und rote, treiben in den Wellen, die wir in der Geschwindigkeit der Delphine durchkämmen, man muss aufpassen, dass einen die Seesterne, die sich aussen wie Schmirgelpapier anfühlen, nicht ins Gesicht treffen, denn selbiges ist sehr schmerzhaft. Jared will mit seinen Fähigkeiten glänzen, verbeisst sich in die Schwanzflosse seines Delphins und lässt sich so weiterziehen.

Und vor meinem inneren Auge sehe ich plötzlich eine animierte Grafik, die den nicht entzifferbaren Namen einer Frau in gelber, verschwommener und sich bewegender Jahrmarktschrift zeigt, einen bedrohlich langen Namen. Das Ganze ist der Vorspann einer Fehrnsehsendung, in der es darum geht, dass das Wetter manipuliert wird. Eine Wetterhexe, eine dicke, schluchzend schreiende Frau, soll gutes Wetter machen, es war ihr Name im Vorspann. Mir wird sofort klar, wie das mit meiner aktuellen Situation zusammenhängt: Der Tropensturm, in dem wir uns befinden, ist die negative Auswirkung davon, dass die Wetterhexe irgendwo in Europa Sonnenschein erzeugt hat, denn nichts funktioniert ohne einen Ausgleich.

Vielleicht bin ich deswegen hier bei der Gruppe, vielleicht ist diese Art von Hellsicht die Fähigkeit, die mich auszeichnet, die Gabe, die mich berechtigt, mit ihnen auf den Delphinrücken zu reiten, denn ich habe längst bemerkt, dass ich der schlechteste der vier Delphinreiter bin. “Das wird nicht einfach, gar nicht einfach” rufe ich den Anderen zu und sitze plötzlich wach in meinem Bett, weil der Hausmeister anfangen musste, den Rasen zu mähen. Verdammt, ich hätte zu gerne gewusst, wer die zwei Namenlosen waren und nach was wir dort, an diesem skurrilen Ort, eigentlich suchten.


NeuRosen (XIII)

Ich habe heute versucht, das Buch vom Träumen der Zettel loszuwerden. Wie eine Leiche hab ich es im Kofferraum rumgefahren und wollte es irgendwo einfach aussetzen. Das hat aber nicht funktioniert. Es will niemandem in die Hände fallen, der es nicht zu schätzen weiß, rief es mir hinterher, als ich grade am weggehen war. Und ich war leider nicht kaltblütig genug, um das zu ignorieren.


NeuRosen (XII)

Sinnkrisenalarm, jaja, klar. Ich komm’ von der Z. und dann treff’ ich auf einmal die 1,1415usf. Z., das ist ein Buchstabe, so wie Omega und 1,1415usf., das ist ne Zahl. Auf jeden Fall HB-VNusw. direkt vor meinem Haus und krass, da hab’ ich mal monatelang überall nach dem schwarzen Auto bewusst gesucht und musste gar nicht suchen; nicht hier erwartet und vor allem nicht jetz’ und vor zwei Tagen schreib ich noch auf, für ‘nen Brief (naja, eMail), dass ich nicht schreiben sollte, dass Sie unter-getaucht ist, weil Sie sonst auf-taucht und schwupp, schon passiert genau das, warum folgt meine Realität eigentlich so brav meinen Texten, das ist doch bizarr, oder?

Das Buch ist jetzt auch wieder da, bevor ich es zum drittenmal erwähnen konnte, steht es einfach hier neben mir rum in der Plus-Tüte und schweigt mir ins Gesicht, es gehört ja einfach nicht mir, was soll ich damit, außer es aufheben? Lesen, würde jemand vorschlagen und ich hab auch mal kurz reingeblättert, endlich, das konnte ich nicht lassen, hab solange drauf G.-wartet, das mal zu tun und habs schnell (und schnell sind fast vier Stunden) wieder zu-G.-macht., weil ich plötzlich G.-merkt hab, dass es mein Lieblingsbuch sein könnte, aber dass es nicht hier sein sollte; es gehört mir ja einfach nicht. Am liebsten würd’ ich jetzt 001 wählen und jemanden verhaften lassen.

“Komplettes Vertrauen”? Welches komplette Vertrauen? Man kann nichts verlieren, was man nie hatte und wenn, dann war das nur ein alter Traum, ausgehandelt mit dem Teufel wie bei Faust. “Komplett” ist an der Stelle überhaupt ein (theoretische Grammatik war noch nie meine größte Stärke) und das schreibt man klein, so wie “schneeweiß”, oder?

Merkzettel: Liste mit Dingen schreiben, die nicht sein sollten.


NeuRosen (XI)

Ein ziemlich B.merk=würdiger Tag, der erst=mal ver>daut werden will, heute. Aber zu/erst noch muss er zu/ende ver>bracht werden.


Wort für Wort (XXII)

Was Google über meine Mama sagt:

“Ulla Baumer, aus Triebendorf bei Wiesau, geb. im März 1958, Journalistin und Redakteurin, verheiratet, 3 Kinder ist seit etwa 1993 schriftstellerisch tätig. – Sie hat 1993 das Buch „Amrito“ und 1996 „Aus den Wolken lesen“ geschrieben. Ihre Bücher sind in Deutschland, Österreich und Tschechien (dort sogar in Gefängnisbüchereien) verbreitet. – Ulla Baumer schreibt Lyrik und Kurzgeschichten und hält im gesamten Raum der Oberpfalz Lesungen und Dichterworkshops in Schulen bei Vereinen usw.”


Gedanken und Worte am Bratwurststand (2007)

“Ein paar Bratwürste, bitte.”

[Na endlich nochmal jemand, bei dem ich versuchen kann, diese beiden Teile hier loszuwerden, die schon am verbrennen sind und die sonst niemand haben will...] “Dürfen es die dunklen sein?”

[Ob es die dunklen sein dürfen? Soll das ein Witz sein, es MÜSSEN die dunklen sein, ich nehme doch überhaupt nur Bratwürste, weil ich die dunklen schon gesehen habe, als ich hier ankam, sonst hätte ich was ganz anderes gegessen, also UNDEDINGT...] “Ja, mir macht das nicht soviel aus.”

[Wahnsinn, dieser Trottel nimmt tatsächlich diese total verkohlten Würstchen, die ich in fünf Minuten wegwerfen hätte müssen. Ich geb sie ihm besser billiger, sonst denkt er nachher, er wurde übers Ohr gehauen...] “Dann mache ich ihnen dafür den halben Preis”

[Den halben Preis? Oh Lady, ich könnte sie knutschen, den halben Preis, ich würde glatt den DOPPELTEN Preis bezahlen für diese richtig durchgebratenen Dinger, ich wünschte, sowas würde mir öfter passieren...] “Oh. Okay.”


Dings im Auto.

Eine ziemlich eindrucksvolle Darstellung der nie explizit geäußerten These, dass es keine Frage des Platzes, sondern der Gelenkigkeit ist. Ich werde es mir merken und nie wieder soetwas mit völliger Sicherheit behaupten, versprochen.


Einladung.

Möchtest Du Dein Zelt in meinem Burghof aufschlagen? Ich würde mich sehr freuen, denn hier kommt so selten richtiger Besuch vorbei. Die Menschengruppen auf der Durchreise, die vorbeikommen, bestehen meistens nur aus strohdummen, oberflächlichen Touristen, die nur blöd alles anglotzen, mit billigen Digitalkameras photographieren (obwohl dieses Wort hier nicht angebracht ist) und anfassen wollen, sich aber eigentlich ‘nen Dreck dafür interessieren. Und wenn es Dir da draußen zu kalt wird, komm zu mir ans Feuer, ins Bibliothekszimmer, ich lese Dir aus ‘Zettel’s Traum’ vor, falls ich mir bis dahin selbst eine Ausgabe davon leisten konnte. Und wenn es Dir nicht zu kalt werden sollte, dann komme ich bestimmt irgendwann rüber zu Dir und bringe meinen akkubetriebenen CD-Player und ein neues Mixtape mit.


NeuRosen (X)

Wenn “nostalgisch” das Wort für jemanden ist, der sich gerne an die Vergangenheit erinnert, was ist dann das passende Wort für jemanden, der gerne von möglichen Zukünften träumt?


Wenn das eine Halluzination ist, warum…

…kann ich dann diesen Strafzettel einscannen, den ich von dem Herrn K. bekommen habe, Watson?