iDaDa (V)
Pluplasch (Baum)
für S.W.
Wuwuischnfgäwn
t-t-huu-uu
Wuwuischnfgäwn
t-t-huu
d-d-d-jäää
ge-hoouuu
d-d-d-jäää
ge-hoouuu
göhuuu-n
gehu
göhuuu-n
gahu
göhuuu-n
Wuwuischnfgäwn
t-t-huu
Pluplasch (Baum)
für S.W.
Wuwuischnfgäwn
t-t-huu-uu
Wuwuischnfgäwn
t-t-huu
d-d-d-jäää
ge-hoouuu
d-d-d-jäää
ge-hoouuu
göhuuu-n
gehu
göhuuu-n
gahu
göhuuu-n
Wuwuischnfgäwn
t-t-huu
Das Fensterloch
Shawt doch: Ein Wüstenein,
Mantel, eine Taube ist stumpf!
Bette ich Größeres? Herein ich Hüte?
Ah, sie pflückt sie gut, nicht herab,
bahnt sich seltsam am Thron,
ist und lüstern oft,
wenn selbst gewährt zum beeisten Fenster:
Schätze!
Sehr liebt Dich nur ein Teilchen:
Der Dinge, die da sind!
“Ich glaub, ich bin manisch depressiv, aber zu schüchtern, um es zu zeigen.” – “Woraus zitierst Du gerade?” – “Nirgendworaus. Das habe ich mir eben über mich selbst gedacht, auf dem Weg nach Hause.”

Model: Z.

Model: Z.
Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (IV):
-”art ist name”
-”bumsen”
-”Dekonstruktivität”
-”zettelgedichte”
-”formular antrag auf abschlusshilfe”
-”foto de jared leeto”
-”Fotos von violetten lilien”
-”helmut newton+kochtöpfe”
-”liebesbriefe eines hasen”
-”männer escort prag”
Zu schade, dass ich nicht alles davon wirklich leisten kann… der Männerescortservice in Prag muss noch warten, bis ich das Startkapital auftreiben kann, Fotos von Jared Leeto gibts vorraussichtlich auch nicht in naher Zukunft und für Formulare zum Download ist eher das Bafögamt zuständig, aber der Rest passt schon, insbesondere, was die Liebesbriefe von Hasen betrifft ;).
Im Keller, man musste einen langen, neonfarbenen Gang durchschreiten, der an frühe Computerspiele in First-Person-Perspektive erinnerte1, fand sich ein Schwimmbecken, in dem eine Frau unablässig ihre Bahnen zog. Ich weiß nicht, wie lange ich insgesamt dort stand und das Geschehen beobachtete2. Es roch stark nach Chlor3 und die mechanischen Bewegungen mit denen die Mitdreißigerin durch das in Relation zur Größe des ganzen Gebäudes geradezu wahnwitzig klein wirkende Becken schwamm, während die alte Dame, die meine potentielle Vermieterin war, unablässig mit ihrer krächzenden, aber nicht unangenehmen Stimme auf mich einredete4, wirken nach einiger Zeit fast hypnotisch, so dass mir plötzlich dunkel vor Augen wurde.
Als ich wieder zu mir kam, stand ich oben, ganz oben, wieder in dieser leeren, erst kürzlich blütenweiß gestrichenen Wohnung im 29. Stock5 des Y-Hauses, einem Bauwerk, dass Schichten um Schichten von Menschen aufeinanderstapelt, in insgesamt drei sternförmig angeordneten Gebäudekomplexen6. Die alte Frau war verschwunden, meine Begleiterin konnte ich ebenfalls nicht ausmachen und als ich, gänzlich ohne irgendeinen rationalen Grund dafür zu haben, durch die immer noch geöffnete Balkontür an die zugige Luft trat, schien mir völlig klar, dass das, was ich im Anschluss tat, die einzig denkbare Möglichkeit war, die ich zu diesem Zeitpunkt noch hatte, um dem schon seit Wochen im Verborgenen anschwellenden Wahnsinn7 zu entkommen. Ich sprang von dem Gebäude, das jeder in Bayreuth irgendwie, und sei es nur am nebelverhangenen Horizont, schon einmal unbewusst wahrgenommen hat, das aber nur wenige wirklich betreten haben8. Sieben Sekunden später durchschlug mein Kopf zuerst den kleinen, grünen Kaktus, dann den Blumentopf, den die Mieterin in Appartement Nummer 046 im dritten Stock auf dem Rand ihres Balkons stehen hatte9, und wurde schließlich von dem dazugehörigen Massivbeton abrupt gebremst. Es dürfte witzig ausgesehen haben, wie sich mein Körper beim Fall über die restlichen acht Meter in der Folge dieses recht einseitigen Abgebremstwerdens mehrmals um seinen Mittelpunkt drehte10, aber dummerweise war niemand dort, um es zu beobachten, zumindest stand es so später in den Zeitungen11. Ich bin mir relativ sicher, dass in Wahrheit mindestens zehn bis zwanzig der hier so zahlreich versammelten Menschen irgendetwas von meinem Sprung mitbekommen haben mussten, aber, wie es an einem solchen Ort durchaus Sitte ist, schlicht und einfach stumm blieben, als die Polizei nach Zeugen suchte. Ich selbst konnte dazu keine Auskunft mehr geben, denn der heftige Aufschlag mit der Stirn im dritten Stock hatte mich in wenigen Sekundenbruchteilen von einem denkenden, atmenden, extrem komplex konstruierten biologischen Wesen zu einem Stück Fleisch ohne jegliche kognitive Fähigkeiten gemacht, d.h. getötet12.
Währenddessen beendete die Mittdreißigerin mit der blauen Badekappe ihre siebenundfünfzigste Bahn, hielt kurz an und schnappte ein paar Sekunden nach Luft.
1 vgl. zb. die Mitte des vierten Levels in ‘Doom II’ von Id Software.
2 in jedem Fall handelte es sich um eine Zeitdehnung, d.h. die empfundene Zeit war deutlich länger als die tatsächlich erlebte
3 Tatsächlich roch es, meiner heutigen subjektiven Erinnerung zufolge, nach Schwefel, es muss sich allerdings wohl um Chlor gehandelt haben, da meinen Nachforschungen zufolge Schwefel nicht in Hallenbädern genutzt wird.
4 ‘krächzend’ hier also eher im Sinne von ‘typisch für alte Menschen’.
5 Ich habe inzwischen vergessen, wie viele Stockwerke das Gebäude wirklich hat, die 29 ist an dieser Stelle also lediglich eine (wohl annähernd zutreffende) Schätzung, die lediglich die Größe dieses für eine Kleinstadt wie Bayreuth sehr hohen und massiven Hauses verdeutlichen soll.
6 eigentlich Y-förmig, daher auch der Name, ‘sternförmig’ soll an dieser Stelle die Wiederholung vermeiden, da der Buchstabe kurz davor bereits genannt wird.
7 Wahnsinn in innerer, wie äußerer Bedeutung, d.h. dem Wahnsinn wie in “der Wahnsinn hat Methode” und gleichermaßen dem Wahnsinn im individualpathologischen Sinne.
8 Wer an dieser Stelle noch nicht erkennt, worauf hier permanent Bezug genommen wird, obwohl er es mal gelernt hat, dem ist dringend empfohlen, sich mit seiner eigenen Psyche ebenfalls näher auseinanderzusetzen.
9 Inversion: “Ich fiel mit dem Gesicht auf den kleinen grünen Kaktus draußen am Balkon, was halten sie davon? Holla Ho Holla Hi“ usf.
10 Ein Physiker mag in der Lage zu sein, den Effekt zu benennen oder ihn zu erklären. Ich hoffe, dass Ihre Phantasie an der Stelle ausreicht, um meine mangelnde Ausdrucksfähigkeit zu kompensieren. Wenn nicht, dann lassen Sie einfach mal ein Legomännchen fallen, so dass es den Rand Ihres Schreibtisches streift und gucken Sie zu, was passiert. Falls Sie kein Legomännchen zur Hand haben, tut es auch ein Feuerzeug, sofern Sie in der Lage sind, sich darunter einen Menschen vorzustellen.
11 Der Plural an dieser Stelle ist natürlich eine Übertreibung des dramatischen Effekts wegen. Bayreuth hat nur eine einzige, auch nur partiell ernstnehmbare Zeitung.
12 Die aus dieser Beschreibung der Umstände in erster Person Singular natürlich resultierende Frage ist viel zu offensichtlich, um sie in einer Fußnote eindeutig zu beantworten. Denken Sie sich ihre Antwort gefälligst selbst aus.

Model: Z.
Magic Revealed
Das allverwandelnde hörend
schritt ich schmerzfüßig vorran.
Ich blickte hinüber,
sprach es dreimal aus,
sprach wie zu mir selbst
und dann war’s vorbei,
als trüg ich nichts bei mir,
nur mohnbesprenkeltes
Milchbrötchenzeugs.
Und es war mir,
als wäre im Gestern
ich nun endgültig fremd.
Im Weinbergwerk
Und Du warst wortarm,
dennoch tatenreich,
sinnstumm und restwertend,
tatenträchtig, schicksalsschwanger,
rehäugig, todesmutig, zornentgeistert,
geistesgegenwärtig, grellwach, neonkühn,
und schwanensinnig.
Ich war dort mit Dir.
Und nichts von alledem.
Sie meinen allgemein? Es scheint eine Art von menschlichem Bedürfnis zu geben, die Zeit anzuhalten. Und zwar bei glücklichen Momenten. Erinnerungen müssen greifbar gemacht werden. Es ist heute schwer, auf eine Geburtstagsparty zu gehen und nicht auf irgendeinem der dort zu hunderten gemachten Photos im Hintergrund zu sehen zu sein, selbst wenn man das vermeiden will, weil man sich für nicht photogen hält. Niemand käme dagegen auf die Idee, Bilder von jemandem zu machen, der gerade weint, weil ein Familienmitglied gestorben ist. Man will an Erinnerungen festhalten, aber nur an den guten. Darum geht es.
Natürlich unterscheidet sich meine Arbeit davon. Nun ja, ich will gar nicht bestreiten, dass es sich zu einem gewissen Teil genau um dasselbe dreht, ich habe schließlich dieselben elementaren Bedürfnisse, aber das ist in meinen Bildern längst nicht so vordergründig oder plakativ der Fall. Bei mir sind es eher die Orte, die meist nur ich selbst kenne und die Models, zu denen ich einen persönlichen Bezug in welcher Form auch immer habe, oder generell die Erinnerungen, die ich mit Motiven verbinde, die die Ebene der Zeitanhaltung bedienen und auch das nur, quasi fast exklusiv, für mich selbst oder einige wenige Mitwisser. Es ist gewissermaßen um einige Levels introvertierter als irgendwelche Partyschnappschüsse.
Obendrauf kommen meiner Meinung nach bei ernsthafter Photographie zwei weitere Ebenen, nämlich die des technischen Aspekts und die des Konzepts. Der technische Aspekt meint prinzipiell nichts anderes als dass man ein Photo in Sinne der Bildqualität so perfekt wie möglich machen will. Das heisst in allererster Linie (und das Folgende gilt beispielhaft jetzt nur für mich persönlich, da es natürlich im gleichen Zug auch eine Stilfrage ist): Vermeidung von Blitzlicht, Mischlicht, unvorteilhaftem Schattenwurf, Vermeidung von direktem Sonnenlicht und unnatürlichen oder zu monotonen Farben. Vermeidung von Bildrauschen, niedrige ISO-Werte, kurze Belichtungszeiten, falls das spezielle Bild nicht dem künstlerischen Aspekt entsprechend etwas anderes fordert. Knackige Schärfe an den passenden Stellen, schöne Übergange zum unscharfen Hintergrund, perfekt sitzender Fokus, gute Bildkomposition nach dem klassischen goldenen Dreieck und solche Dinge mehr. Das Konzept ist hingegen das, was das Foto im Kern ausmacht. Es ist der künstlerische Teil an der ganzen Arbeit. Ich setze nicht einfach jemanden hin und drücke auf den Knopf, zumindest nicht in der Regel. Das erscheint mir zu wenig, es sei denn natürlich, die Person ist selbst schon eine Art von Kunstwerk. Aber selbst dann kann man noch Einiges obendrauf satteln. Ich denke mir Ideen aus, kleine Geschichten, die ich dann perspektivisch und mimisch umsetzen will, ich verkleide die Menschen, ich suche aus, was sie auf den Fotos tragen, wie sie gucken, welches Make-Up sie anhaben, welche Accessoires mit auf dem Bild sind. Ich beschließe, wo ich das Ganze von wo aus fotografieren will und mit welcher Brennweite. Das ist alles extrem wichtig für meine Bilder. Sie zeigen nicht einfach jemanden, wie er ist, sondern sie zeigen eher eine Person, wie ich sie mir vorstelle. Ich fotografiere gewissermaßen auch das mit, was ich empfinde, und an der Stelle kommt ins Spiel, dass meine Bilder nicht nur introvertierter, sondern auch gleichzeitig persönlicher sind als Schnappschüsse, obwohl das zunächst ein Widerspruch zu sein scheint. Die digitale Nachbearbeitung ist selbstverständlich ein großer Teil davon, deswegen könnte ich auch nie wieder zur analogen Photographie zurück. Ich kann ewig darüber nachdenken, wie ein einzelnes Muttermal ein Bild verändert und ob es dazugehören soll oder ob ich es wegretuschiere. Welche Farben geeignet sind. Wie kräftig sie sein sollen. Ob das Bild ein Schwarzweißbild wird oder nicht, oder irgendwas dazwischen. Das sind die Fragen des Konzepts, der Idee von einem Bild, von dem Teil, den derjenige, der es am Ende betrachtet, letztendlich als einziges bewusst wahrnehmen wird, denn niemand hat einen Anteil an meine persönlichen Erinnerungen an den Ort der Aufnahme oder das Model (der Fehler von allen Leuten, die ihre kleinen Kinder oder Haustiere fotografieren und diese an sich sinnlosen Fotos im Netz ausstellen ist der, dass sie exakt das vergessen), niemand sieht die Arbeit, die hinter einem technisch guten Bild steckt, wenn er es gewohnt ist, von Dir fast ausschließlich technisch gute Bilder zu sehen (weil Du als ambitionierte Fotograf die anderen weit hinten auf Deiner Festplatte versteckst oder gleich löschst). Das Konzept, das entscheidet alles. Es ist das ausschlaggebende Element, sobald Du die Technik im Griff hast.
Es ist also eine Mischung aus Erinnerungskonservierung, Beherrschung der vorhandenen Technik und solidem künstlerischem Konzept. Ist es das, was Sie wissen wollten? Und? Wie bringt Sie das jetzt weiter? Ich verrate es Ihnen: Es wird Sie keinen einzigen Schritt weiterbringen. Weil es zugleich eine individuelle Sache ist. Wenn Sie genau das umzusetzen versuchen, was ich gerade beschrieben habe, werden Sie keine besseren Bilder machen. Weil das nicht Ihre Antwort ist, sondern meine. Und weil der einzige Weg zu guten Photos der ist, Ihre eigenen Antworten auf die Fragen zu finden, die hier gar nicht gestellt wurden. Und weil die Fragen aus einem bestimmten Grund gar nicht gestellt wurden, nämlich dem, dass die Reflexion über das, was man gut machen will, so tief in einem selbst verankert sein sollte, dass man keine expliziten Fragen braucht, um sie hervorzurufen.

Model: Z.