Das Morgen-Grauen (2007)

Schneeblind und tollwütend,
weggehobelt von Dir, Reflektion,
traf ich die Eine, die da meinte:
“Nimm doch den Bus”

Und später dann
fuhr ich entlang mir selbst -
sie weiß wie man entscheidet!


Just A Tribute (2006)

Du hast Charles Bukowski abblitzen lassen
und Franz Kafka komplett verwirrt?

Du hast William Burroughs Biokost serviert
und danach Storm die Vorzüge von Bayern erklärt?

Du hast Lovecraft Liebesgedichte vorgelesen und
dem alten Edgar Allan auch so’n Schnulz?

Hesse hast du Philosophie mal so richtig komplex vermittelt
und Nietzsche auf ‘nen Standpunkt festgenagelt?

Du hast Thomas Pynchon ins Gesicht geblickt,
noch nicht mal Angst vor Virginia Woolf,
Paul Celan war neologismuslos bei Dir
und Elfriede J. hat nicht an Sex gedacht?

Dann haben wir schon zwölf Gemeinsamkeiten.


Zwitterzwang (2007)

Es sprach der alternde Poet:
“Ich will Celan mit Trakl mischen:
Zischelwind und Blutgetrief und
Wortsonnen malen;
vor allem Nachts und
dann auch noch die Popkultur!”

“Regelposie?
- Ist überholt.”
meint lapidar
der Rezensent.


Un-naiv

Kunst ist Rhythmus und Form in die Dinge zu geben (metabeispielhaft: hineinzuzwuppeln), die da sind. Und zwar völlig un-naiv, naiv ist schon das Da-Sein, mehr als nur genug.


Mimikry (I)

Ich habe da auch so ‘ne Anzeige:

Suche Nachmieter für meine bisherige Wohnung, die ich sehr gern verlasse, um mit Z. irgendwo zusammen zu sein. Die Wohnung liegt völlig beknackt im Industriegebiet (wurde von meiner Ex-Freundin für mich ausgesucht) in einem kleineren Wohnkomplex und verfügt über eine kleine Küche (inkl. Schränke, Kühlschrank und Herd), ein Badezimmer ohne Badwanne, einen Flur und ein großes Zimmer. Bushaltestelle zur Uni liegt drei Straßen weiter vor der JVA. Die Wohnung hat Teppichboden und einige Fenster, ist also ziemlich hell, auch wenn der Teppichboden nichts mit der Helligkeit zu tun hat. Von den Nachbarn (hauptsächlich irgendwelche Asoziale) hört man manchmal dümmliche Technomusik, muss also auch die Musik laut aufdrehen. Bei Interesse ruft einfach meine Managerin an oder mailt ihr.


Notizzettel für Geschenke, die ich schon bekam, gerne bekommen würde, verschenkt habe und verschenken will (II)

- Plüsch-Handschellen
- Ein Totenschädel von einem Marder
- Holzklotz
- getragener Slip vom ersten Date
- Jonglierbälle
- Schlafmaske
- “The Man Who” von Travis
- Lomo-Kamera
- Ein alter VW-Käfer
- 80cm großes Marsupilami-Stofftier


Freistil (XLIX)

Unzitat (III)

Ich kann Dir nichts sagen, was ich nicht schon vorher gedacht habe.


Turubu…

„Turubu rribudo uluw rröködö. Jolafanti bumba ô falli bambla.” – Erste Chance verstammelt, mit dem Sommerloch gereicht.


Ohne Worte

Da ist die Anglistin;
Sie studiert Englisch!

Vom Bordsteinliegen
und Fussmassieren
zum Kochen mit Maggi
und Herzvergessen
in 30 Tagen
in meine Welt.


Traumsequenz (I)

An die Rückenflossen von Delphinen geklammert jagen wir durch die stürmische und verregnete See an einem pazifischen Traumort, einen mitten im Ozean wachsenden, bräunlichen Sandkegelberg nach und nach immer enger umkreisend, ich weiß nicht, nach was wir suchen oder wer die anderen drei Personen sind, bis sich einer von ihnen als Jared Leeto vorstellt (wer ist Jared Leeto? – Ich kenne den Namen) und behauptet, er hätte sein Leben lang nichts Anderes als das hier gemacht. Ich habe so ein diffuses Gefühl, dass diese Suche schwierig wird, dass wir Experten sind in dem, was wir tun, dass hier Experten gebraucht werden und dass hier etwas gesucht wird, das böse ist. Tote Seesterne, gelbe und rote, treiben in den Wellen, die wir in der Geschwindigkeit der Delphine durchkämmen, man muss aufpassen, dass einen die Seesterne, die sich aussen wie Schmirgelpapier anfühlen, nicht ins Gesicht treffen, denn selbiges ist sehr schmerzhaft. Jared will mit seinen Fähigkeiten glänzen, verbeisst sich in die Schwanzflosse seines Delphins und lässt sich so weiterziehen.

Und vor meinem inneren Auge sehe ich plötzlich eine animierte Grafik, die den nicht entzifferbaren Namen einer Frau in gelber, verschwommener und sich bewegender Jahrmarktschrift zeigt, einen bedrohlich langen Namen. Das Ganze ist der Vorspann einer Fehrnsehsendung, in der es darum geht, dass das Wetter manipuliert wird. Eine Wetterhexe, eine dicke, schluchzend schreiende Frau, soll gutes Wetter machen, es war ihr Name im Vorspann. Mir wird sofort klar, wie das mit meiner aktuellen Situation zusammenhängt: Der Tropensturm, in dem wir uns befinden, ist die negative Auswirkung davon, dass die Wetterhexe irgendwo in Europa Sonnenschein erzeugt hat, denn nichts funktioniert ohne einen Ausgleich.

Vielleicht bin ich deswegen hier bei der Gruppe, vielleicht ist diese Art von Hellsicht die Fähigkeit, die mich auszeichnet, die Gabe, die mich berechtigt, mit ihnen auf den Delphinrücken zu reiten, denn ich habe längst bemerkt, dass ich der schlechteste der vier Delphinreiter bin. “Das wird nicht einfach, gar nicht einfach” rufe ich den Anderen zu und sitze plötzlich wach in meinem Bett, weil der Hausmeister anfangen musste, den Rasen zu mähen. Verdammt, ich hätte zu gerne gewusst, wer die zwei Namenlosen waren und nach was wir dort, an diesem skurrilen Ort, eigentlich suchten.


Feststellung.

Es gibt außer Katzenmenschen und Hundemenschen auch noch Buchstabenmenschen und Zahlenmenschen, Kreismenschen und Quadratmenschen, Piraten und Cowboys. Und nichts dazwischen.


Vorsätze:

Lass mich brennen wie Feuer und mich freuen wie ein Schneekönig, heulen wie ein Schlosshund, lügen wie gedruckt, rauchen wie ein Schlot und reden wie ein Buch und danach saufen wie ein Loch und schimpfen wie ein Rohrspatz, aber vor allem lieben wie ein Klotz.


Analyse

Was er augenblicklich erlebt, liegt aus Sicht des Textes Jahre zurück!