Dada, Dada, Neodada (2007)

Opening Soon: Coma Cabaret Neodada Art Collective (CCNAC)
“Wenn ich das so lese, dann bin ich auch dada.” – “Und die da? Ist die da dada?” – “Dada ist für alle da.”
Ich glaube fest daran, dass das Talent zu einer künstlerischen Tätigkeit, welcher Form auch immer diese sein mag, die unvermeidbare Verpflichtung mit sich bringt, die Tätigkeit auszuüben, ihr Raum im eigenen Leben einzuräumen und sie, wenn es nötig sein sollte, auch vor die privaten Interessen zu stellen. Das ganze hat etwas religiöses, wenn man will, in dem Sinne, dass man sein Leben an etwas widmet. Wenn man nicht will, hat es nichts religiöses, sondern ist einfach nur Arbeitswut (neudeutsch Workaholism) und Disziplin. Es ist meiner Meinung nach genau das, was den echten Künstler von demjenigen unterscheidet, der lediglich talentiert ist, dieses Talent aber seinen eigenen, im größeren Kontext völlig unbedeutenden Interessen unterordnet. Und wenn das jetzt zu pragmatisch klingt, dann sei hinzugefügt, dass eine, im Idealfall gigantisch brennende Leidenschaft sehr hilfreich dabei ist, die Disziplin für die Ausübung der entsprechenden Tätigkeit aufzubringen. Notwendig ist sie aber nicht zwingend.
Jedesmal dann, wenn ich Dich ins Bett bringe und Du mich fragst, ob ich nicht doch gleich mit unter die Decke schlüpfen will, verfluche ich diesen Glauben. Wenn ich einige Stunden später mein eigenes, kleines Zimmer verlasse, um zu Dir zu kommen und sehe, was ich in dieser Zeit aus dem Nichts heraus einfach geschaffen habe, dann nicht mehr.
Wenn ich Dir einen Rat geben sollte, der Dein Leben verändert, dann würde ich folgendes sagen: Sei einfach Dein eigener Maskenbildner.
Mein freischwebendes Hirn erkennt:
Mit hundertausend Schönen hast Du gehändelt
und doch keinen Erfolg für Dich erzielt,
und doch glaubst Du, es liegt nicht an Dir selbst,
das nennt man Glauben ohne Augenlicht.
Man möchte manchmal nur noch driften -
nicht mal weg-, einfach herum-:
Blanke Ritter, schwarze Schilde, morgen Leben,
Echo drauf (und evtl. sogar Wort).
Pfeil und Messer, kühle Träume, gestern Worte,
heute Trommeln.
Die Niederwerfung (Eigenschaft II)
Durch Dunkel,
horch, Du Kaiser,
wimmert, Stirne,
Natur und Denkorgane,
bis ihr die Gischt der blanken Speere spürt
und bis der Blütenrausch erstarrt.
Es girrt so hell,
ins Lager schmuggelnd,
welcher liegt und welchem fügen?
Und in allem anderen: Wild der König, allezeit.
Ohne Farbe (Eigenschaft I)
Schaut, oh Wasserlilienkelche:
Alle Lichter, alle fernen Orte!
Kleinteil, im Menschenmunde
größstes Wunder.
Um die versunkenen Tempel
stehen Cypressen,
und sofort und kamerabewert
schweift er zu Aug um Aug!
Von hinten und von vorne
Im zerbrochenen Milchwald
verschwinden urplötzlich die Kinder,
in wildwuchernden Hinterzimmern
verschachtert das Nichts seine Welt.
“Hey, würdest Du vielleicht ein gutes Profilbild fürs StudiVZ von mir machen?” – “Nein.” – “Nein? Aber für den Dings hast Du doch…” – “Nein. Habe ich nicht. Ich habe den Dings photographiert und er hat mich im Anschluss gefragt, ob er eins der Photos dort verwenden darf, was ich mit einigem Widerwillen erlaubt habe. Photographiere ich etwa neuerdings für irgendwelche billigen Web2.0-Absteigen?” – “Aber..” – “Jetzt komm mir bloss nicht mit dem Argument, dass ich da doch selbst Photos hochgeladen hätte. Ja, habe ich. Genauso wie bei Facebook, Myspace und allen sonstigen an sich zweckfreien Plauderportalen. Und zwar um meine Arbeit zu promoten, die an sich nichts, aber auch gar nichts mit diesen Seiten zu tun hat.”