Décadence (2009)

Model: Miss Monique

Model: Miss Monique
Das Konzept einer Photosession ist so einfach wie seltsam: Man trifft sich mit völlig fremden oder befreundeten Menschen an unbekannten oder vertrauten Orten und macht ein paar Stunden lang ganz spontane oder im Detail geplante Kunst. Photographie ist mein großes Abenteuer. Und ich habe auch nach Jahren immer wieder Lampenfieber.
Dass heute jeder, der im Zweifel gar kein Interesse und nur ein bisschen Geld zur Verfügung habe, Zugang zu professionellen Werkzeugen habe, mindere den Wert der Arbeit derjenigen, die viel Zeit und Mühe in ihre Kunst / ihr Handwerk investieren, so las ich in mehreren spannenden Diskussionen diese Woche, die sich nicht nur um Photographie drehten. Das Gegenteil ist der Fall: Wenn endlich jeder den Zugang zum Werkzeugkasten hat, wird der elitäre Kreis der Eingeweihten durchbrochen und nur noch Qualität kann als Messlatte gelten. Flutet alle Webseiten mit schlechten Photos, es lässt meine eigene Arbeit mehr glänzen.
Trauerspiel beim Herzzweiklang:
Versich’re Dich nicht meiner,
ich existier’ nur dort
wo Du verweilst.
Diese Fakten sind bekannt.
Hey Christian von der Firma B.,
ich sollte ja heute wieder zu euch kommen zum Game-Testing. Ich habe es mir spotan anders überlegt, als ich schon auf dem Weg in den Stadtteil war, in dem Euere Firma residiert.
Lass mich das erklären: Als ich das erste Mal bei Euch war, war ich “nur” Student, nicht besonders selbstbewusst, neu in der Stadt, meine eigene Arbeit lief nicht zu meiner Zufriedenheit. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert: Ich bin zwar immer noch Student, bin aber in künstlerischer Hinsicht für meine Verhältnisse recht erfolgreich, blogge regelmäßig, schreibe für zwei Magazine und arbeite nebenbei für eine Werbeagentur. Es klingt sogar in meinen eigenen Ohren zu großkotzig, aber ich habe dennoch das Gefühl, dass meine Meinung mehr wert ist als den Apple und das Ei, dass ich heute von Euch dafür bekommen hätte, um ein oder zwei Stunden meine (und soviel Selbstbewusstsein habe ich, das zu sagen) zweifellos guten Ideen abzugeben für ein Game, mit dem Ihr Tausende von Euros verdienen werdet. Du kennst mich nicht und kannst das daher wohl nicht verstehen, aber als ich zu dieser Erkenntnis kam, habe ich mich unweigerlich gefreut und bin mit einem Grinsen im Gesicht wieder nach Hause gefahren, denn ich habe in dem Moment festgestellt, dass ich mich nicht unter Wert verkaufe und das ist doch etwas gutes, oder? Ich tue Dinge entweder kostenlos und aus Leidenschaft oder gegen richtige Bezahlung. Dazwischen ist nur in Ausnahmefällen und bei Menschen, die ich persönlich kenne oder schätze Platz. Und das herauszufinden war es doch schon irgendwie wert, die halbe Strecke zu Euch zu fahren, oder?
Wenn ihr mal längerfristig einen Spieletester sucht oder das Ganze besser vergütet wird, dann können wir gerne wieder darüber reden.
Bis dahin: Danke für die obige Einsicht.
Dein
Sebastian

Model: Z.
Ich habe das ganze Wochenende damit verbracht, meine neue Kamera ausgiebig zu testen und viele Bilder zu machen, aber vor allem auch damit, mir Bildbearbeitung von Grund auf neu beizubringen. Die Techniken und Wege zum erreichen meiner fertigen Photos sind in den letzten zwei Jahren komplett veraltet. Längst haben andere Menschen neue Ideen entwickelt, neue Kombinationen aus Werkzeugen entdeckt, die ich bisher noch nicht kannte. Und im Zuge dieser persönlichen Weiterbildung habe ich auch viele Bilder in meinen Archiven wiederentdeckt, die ich zu dem Zeitpunkt, zu dem sie entstanden sind, für langweilig und aussortierbar, heute aber zum Teil für richtig gelungen halte. Es fühlt sich aufregend neu an, alles. Als ob ich gerade erst begonnen hätte.