Let’s Talk About (2008)

Ich bin Schriftsteller. Aber ich schreibe nicht. Es hat keinen Sinn. Ich verbringe mehr Zeit damit, mich zu betrinken als damit, zu schreiben. Ich wünschte, ich könnte diesen verdammten Roman schreiben, den ich schon schreiben will, seit ich irgendwie aus meiner Pubertät wieder herausgekommen bin (unbeschadet könnte man es kaum nennen) und damit einen Hit landen, der dafür sorgt, dass ich für den Rest meines Lebens keine finanziellen Probleme mehr habe. Aber ich kann es nicht. Und das liegt nicht daran, dass ich der Meinung bin, dass heute sowieso keine Sau mehr Romane liest oder das ich vermute, dass ich nicht das Talent dazu hätte, sondern eher daran, dass meine Figuren billige Klischees sind.
Sie sind keine Klischees im eigentlichen Sinn, nicht so wie XY (setz einen beliebigen Namen hier ein, der Dir in den Sinn kommt) ein Klischee ist, sondern Klischees in einem ganz persönlichen, eher ideolektischen Sinn. Ich schreibe nur über mich und über Menschen, die ich kenne und obwohl ich weiß, dass die meisten Schriftsteller auf der ganzen verdammten Welt genau dasselbe tun, weigere ich mich irgendwie, das als Kunstform anzuerkennen. Ich meine: Was soll diese Scheiße? Kunst sollte Fiktion sein. Sie sollte alleine aus dem Hirn entspringen, nicht aus profaner Erfahrung. Sie mögen vielleicht einwerfen, dass das niemand merken würde, genau wie es bei allen anderen Schriftstellern vermeintlich niemand merkt, aber das ist eine verdammt egoistische Sichtweise von Ihnen, ja genau Ihnen.
Um das Argument zu Ende zu führen: Ich schreibe den Roman nicht, weil jeder aus meinem näheren Umfeld es sofort merken würde. Jeder von diesen Leuten würde sofort wissen, worüber ich da schreibe und welche Figur Charakterzüge von wem hat. Und das ist sicherlich nichts, was man unbedingt erklären oder vor irgendwem rechtfertigen will, noch dazu, wenn man den Anspruch hat, Fiktion zu produzieren. Und wissen Sie: Ich kann sogar beweisen, dass diese Sache mit der Assoziation auf richtige Menschen eine Tatsache und nicht nur eine Theorie ist. Ich habe das sogar schonmal bewiesen, in einem älteren Text von mir, der ähnlich endet wie dieser hier enden wird. Oder dachten Sie etwa nicht, dass die Person, die hier spricht, der reale Mensch hinter diesem Blog ist?

Part of the ‘Ghosts‘-Project.
Eigentlich ist es kein Wunder, dass ich den Ruf habe, etwas kauzig zu sein (“Waldschrat”): Die Gegend, in der ich geboren wurde und in der ich ganze 18 Jahre meines Lebens verbracht habe, zählt nicht nur zu den dünnbesiedeltsten Regionen von ganz Deutschland, sondern ist auch fast zu 50% von Wald bedeckt. Das zumindest behauptet Wikipedia. Ich hätte intuitiv auf 90% getippt.
Es ist interessant, zu beobachten, wie die Medien funktionieren: Da wiederholt die Titanic ihren ‘Maddie’-Scherz strukturell quasi eins zu eins und überträgt ihn auf den immer noch aktuellen Kriminalfall von Amstetten und schon ist ein neuer ‘Skandal’ geboren.
Was ist da genau passiert? Die ‘seriösen’ Medien gieren seit Wochen nach Bildern von den bedauernswerten Opfern von Josef Fritzl, die Titanic macht sich in satirischer Weise genau darüber lustig. Selbiges wiederum finden die sogenannten ‘seriösen’ Medien völlig geschmacklos, während sie weiter versuchen, mit zum Teil illegalen Methoden in das Krankenhaus einzudringen, in dem sich die Opfer befinden, um ihnen eine Kamera in die Fresse zu halten. Die Titanic selbst greift die Empörung über ihren Witz natürlich sofort wieder auf und nutzt sie für weitere Promo in eigener Sache, wie sie das eigentlich schon immer getan hat.
Ein halbes Jahr liegt zwischen der ‘Maddie’-Satire und dieser aktuellen Sache. Und man darf feststellen: Eigentlich hat niemand von den Beteiligten in der Zwischenzeit irgendwas dazugelernt. Außer vielleicht der Titanic, die damals wohl gemerkt hat, dass eine solche vermeintliche Grenzüberschreitungsnummer ziemlich gut zieht. Und in einem halben Jahr, beim nächsten Fall der irgendwie ins Schema passt, drehen wir die Runde dann erneut.

Christine of The Waitress (Band)

Model: Rob of The Waitess (Band)
Dieses Land steuert auf Abgründe zu.
Zwitscherkalt und zwischen Worten;
Wir flüstern uns die eigenen Gedanken
aus einem Grunde nicht ins Ohr:
Wir denken, dass wir Telepathen sind.
Inversion
Ich hätte heute keine Welt bestellt:
Dieser Morgen wurde, einfach so
und unbedacht ans Land gespuckt.
Leg Dein Ohr auf die Schienen
und lausche dem Zug.

Model: Der Draf
Die Stille durchstochen;
Sei böse, Echo!
Na großartig. Da wird mein neues Blog ein richtiger Instant-Erfolg (180 Besucher am zweiten Tag), aber dann wird es von den automatischen Google- (oder Blogger-)Robots erstmal zur Weiterbearbeitung gesperrt, weil es “möglicherweise ein Spam-Blog” ist. Dabei war ich heute extra unterwegs und habe neue Bilder dafür gemacht.
Und da ein langes Wochenende ansteht, wird die Wiederfreischaltung vermutlich mehr als nur ein paar Tage dauern, was ziemlich effektiv dafür sorgen dürfe, dass keiner von den Leuten mehr wiederkommt, denn nichts ist kurzlebiger als ein junges Weblog, das nicht regelmäßig upgedated wird.
Update: Das Blog ist wieder online! Ging doch schneller als erwartet :).