Metareflexion, yeah! (XXVIII)

Audienz (II)

„Ich drehte mich nach links, nach rechts, das letzte bisschen Bodenhaftung verschwand mit der übriggebliebenen Suppe von vorgestern, die ich im Klo hinunterspülte. Immer müssen, das ist so schlimm wie nie dürfen, steht auf einer Postkarte, die neben eben jenem Abort an der Wand befestigt ist. Und das heißt: Das Schicksal, oder noch besser: Der Glaube an das Schicksal ist ein zweischneidiges Schwert. An manchen Tagen ist der Zwang, zu erschaffen, etwas geradezu grausames, etwas, das genauso schlimm ist wie „nie dürfen“. Noch bevor der Gedanke zuende gesponnen war, verechote er sich, drehte dabei einen Kreis und verschlang sich selbst von hinten. Ein Schutzmechanismus meines Kopfes. Dann packte ich meine Sachen und kam hierher. Es sind Dinge zu tun, heute. Dinge, die scheinbar völlig zwecklos sind, aber dennoch von uns getan werden müssen, nicht nur deswegen weil wir sie tun können“, sagte er und grinste mich an.

„Ich sehe, was Du meinst“, antwortete ich. „Aber glaubst Du nicht, dass die Dinge, die wir tun müssen, auch von anderen getan werden können? Glaubst Du nicht, dass Du es alles irgendwie hochstilisierst mit Deinem Glauben an ein Schicksal?“

„Nein“, sagte er. „Das glaube ich nicht. Wenn wir die Dinge nicht selbst tun, tut sie früher oder später jemand anderes, jemand, der es eben nicht kann und dann, ganz tief in uns drin, ärgern wir uns darüber, dass wir sie nicht vorher getan haben. Dass wir sie nicht besser getan haben. Ich habe das zu oft erlebt, um auch nur einen einzigen Gedanken, eine einzige Idee wieder im Nirgendwo verschwinden zu lassen. Es wäre sicher der einfachste Weg, die Ideen einfach wieder entwischen zu lassen, ihnen nicht zu folgen und sich einen Dreck darum zu kümmern, ob es jemand anders tut. Aber irgendwas in meinem Kopf, das auch in Deinem ist, soweit ich das sehe, glaubt nicht an einfache Wege. Nicht auf lange Sicht. Irgendwann kommt eine Idee, der Du folgst und die Dich zu etwas führen wird, dass auch Dich als Person an sich betrifft und nicht nur die Kunst. Die Suche ist nicht immer nur eine Suche, von Zeit zu Zeit findet man auch Dinge, auch wenn die Suche an sich natürlich das eigentliche Ziel bleibt. Unter den gefundenen Dingen kann finanzieller Erfolg sein, kann tiefe persönliche Befriedigung sein, ein großartiges Werk, Unsterblichkeit, was auch immer. Irgendwann kommt ein Weg, der zu soetwas führt. Und wenn er kommt, dann folge ihm bis zu seinem Ziel, aber bleibe dort nicht stehen, sondern folge danach wieder den anderen Funken. Sonst wirst Du leer werden.“


Don’t Let It Slip Away (2008)

dontletitslip

Model: Z.


Freistil (CLIV)

Das Nichtschreiben spricht Bände:
Ich zitt’re durch Tage
und halte stehts Ausblick
nach Bergen aus Wolle.


In eigener Sache: Handyphotographie

Wer sagt hier, es sei ja kein Wunder, dass meine Bilder gut wären, weil ich so eine gute Kamera benutze?


Unzitat (VII)

Ich liebe das süße Leben und ich liebe die Stille. Aber ich glaube an den Sturm.


Silent Insurrection (2008)

silentinsurrection-raventhird.de

Model: Z.


Instant Poetry (XCVI)

Bäume blühen bis Dinge verstummen,
schwere Lungen atmen Teer.

Im Kreis der Mäuse verschlief ich diesen Tag.


NeuRosen (XLIV)

Frag doch lieber nach der Zukunft.


Untitled (2008)

untitled

Model: Z.


Instant Poetry (XCV)

Und unheiliges Blinken im heiligen Sinn
in unendlichen Wonnen
sinken ganze Städte hin
zum wildbewucherten Grab des Autors!


Pan (2008)

Eine abstrakte Aufnahme einer toten Pflanze


Dialog

“Sprich einfach in meinen Mund”, sagte er, selbigen wie zur Möglichkeit der Eingabe von Worten weit öffnend und verdrehte dabei die Pupillen nach innen. Zwei Schmetterlinge flogen zu meiner eigenen Überraschung aus eben jener Mundhöhle, formten kurz eine flatternde Doppelhelix und stürzten dann während des Aufstiegs zu Boden, wo sie sich entzündeten und zu kleinen schwarzen Klumpen zusammenschmorten. Es wirkte wie Sarkasmus.


Kopfstimme

Wie sang der Winter?

“Irgendwann bist Du gänzlich verglimmt.”

In den Winkeln des Schädels
bleiben dann klebrige Schatten
von Nichts.