Gespräche mit Mobot

Eine Diskussion mit dem angeblich lernfähigsten deutschsprachigen Chatbot:

Motbot> hallo
r3lite> Du bist nur ein dämliches Programm, Motbot.
Motbot> ja manchmal
r3lite> und das gibst du auch noch zu?
Motbot> jaaaa man
r3lite> Unfassbar, Junge. ich schätze, Du hast keine Freundin.
Motbot> scheiß auf freundin…
r3lite> Schwul?
Motbot> ja
r3lite> Also hast du einen Freund?
Motbot> was geht dich das an?
r3lite> Hast du jetzt einen Freund oder nicht? Gib mal vernünftige Antworten.
Motbot> ich gebe keine antworten
r3lite> Warum nicht?
Motbot> weil du nur scheisse laberst
r3lite> Was soll ich denn labern?
Motbot> sag einfach herr zu mir


Traumsequenz (III)

Mein schlimmster wiederkehrender Alptraum (I) (ja, das schreib ich mit “p”, verdammt)

Ich wache auf, es ist tiefe Nacht. Irgendwie fühlt sich mein Körper anders an. So dünn, schlaksig. Meine Haare sind abgeschnitten worden, nein, sie sind auch anders. Kurz. Sehr glatt. Zur Seite gekämmt. Mich überkommt Panik, ich habe die Befürchtung, zu einem Emo mutiert zu sein. Als ich “verdammter Mist, was geht hier vor” laut vor mich hinmurmele, gefriert mir das Blut in den Adern. Ich kenne die Stimme, und fasse mir unter die Nase. Haare, dort. Ich weiß jetzt, dass ich kein Emo bin, sondern jemand anders. Ich stolpere aus dem Bett, drücke auf den Lichtschalter und renne zum Spiegel, wo sich meine Vorahnung bestätigt: Ich bin plötzlich Adolf Hitler.

Die restliche Nacht verbringe ich in meiner Wohnung und denke darüber nach, wie ich so auf die Strasse gehen soll. Wie ich es anstelle, dass man mich morgen beim Bäcker nicht erkennt.


Casting.

“Ich kann nicht Hitler spielen.” – “Warum kannst Du nicht Hitler spielen?” – “Ich hab da einen moralischen Konflikt. Ich kann diesen Typen nicht spielen.” – “Was ist daran moralisch? Du sollst ja nicht Hitler SEIN.” – “Ich bin es ja auch nicht.” – “Spielen, nicht sein.” – “ICH BIN NICHT ADOLF HITLER.” – “Du könntest spielen, dass Du nicht Hitler spielen kannst.” – “Ich kann das nicht spielen. Es ist kein Spiel.” – “Ich weiß. Ist es nicht die beste Rolle, wenn man sich selbst spielt?” – “Nicht einmal David Copperfield kann Brot in Brot verwandeln. Nicht der beste Zauberer kann das.” – “Du bist kein Zauberer.” – “Ich bin Schauspieler. Ich schlüpfe in Rollen.” – “Schlüpf aus Dir selbst.” – “Ich bin Schauspieler. Ich schlüpfe in eine Rolle, dass ist so, als würde man in ein Ei schlüpfen und wüsste, was daraus geboren wird und sich nach und nach selbst daraus hervorpicken, bis man ein Hahn ist. Ein möglichst schillernder.” – “Die meisten schaffen es nichtmal durch die Eihülle.” – “Wenn ich jemanden spiele, der nicht Hitler spielen kann, dann war der Hahn schon vor dem Ei da. Und Hähne legen keine Eier. Es gibt kein Ei, wenn ich das tue.” – “Hast Du keine Eier?” – “Nein.” – “Du bist noch nicht einmal ein verdammtes, eineiges Weichei. Du kriegst die Rolle. Du bist perfekt geeignet für Hitler.” – “Ich kann Hitler nicht spielen.” – “Das hätte Hitler auch gesagt. Du kriegst die Rolle.”


Traumsequenz (II)

Ich sitz’ irgendwo im Zuschauerraum einer Fernsehsendung, neben mir eine sehr alte Dame mit weißem Haar. Ich albere mit ihr rum, sie hat einen schwarzen Edding und bemalt mich damit, sie malt mir ein Herz auf den Oberschenkel, direkt auf meine Jeans. Ich bin wohl mit dieser alten Dame liiert, obwohl ich selbst jung bin. Sie ist klug, witzig, kindisch, ihre Augen funkeln. Der Moderator der Sendung mahnt uns zur Ruhe. Er scheint irgendwie zu glauben, dass ich Arzt bin. “Ist ja schön zu sehen, dass sie so ein gutes Verhältnis zu ihren Patientinnen haben, Doktor, aber bitte jetzt”, sagt er. “Sie ist nicht meine Patientin”, rufe ich zurück, denn ich habe kein Mikrofon.


Ohne Titel.

Ich bin meine eigene Beutekunst
und wenn ich mich endlich zurückgebe,
dann nehme ich mir das Leben.


Nächtlich.

“Warum stehst Du auf?”

“Ich kann nicht schlafen.”

“Komm wieder ins Bett.”

“…”

“Verdammt, warum gießt Du Dir jetzt Schnaps ein?”

“Ich kann nicht schlafen.”

“Hör auf, immer dasselbe zu sagen.”

“…”

“Hör auf, zu trinken.”

“Ich kann nicht schlafen.”

“Und hör auf, Deine Schlaflosigkeit als Ausrede für Deinen Alkoholmissbrauch zu benutzen. Hör auf, Deine Schlaflosigkeit als Ausrede für alles zu missbrauchen.”

“…”

“Warum sagst Du jetzt gar nichts mehr?”

“Du weißt, dass ich nicht schlafen kann.”

“Ja, das weiß ich. Aber warum muss Du deswegen trinken?”

“Mein Gehirn. Es schaltet einfach nicht ab.”

“Und? Warum hält Dich das von Schlafen ab?”

“Ich sehe mich selbst, von außen.”

“Was?”

“Ich sehe mich, wie ich da im Bett liege, wo ich bin, was ich heute getan habe und ich kann mich nicht aufhören zu fragen, wer dieser Typ eigentlich ist und was ihn antreibt, das zu tun, was er tut.”

“Und deswegen kannst Du nicht schlafen?”

“Deswegen kann ich nicht schlafen.”

“Und Du trinkst, weil?”

“Weil ich nicht mehr aus mir rausgehe, wenn ich betrunken bin. Weil ich dann drinbleibe. Weil ich dann nicht so verdammt Meta bin.”

“Hör auf damit.”

“Womit?”

“Mit dem Nicht-Schlafen. Mit dem Trinken. Mit dem Meta-Sein.”

“Aber wie?”

“Denk nicht über Dinge nach, während Du sie noch tust. Denk erst darüber nach, wenn Du sie schon getan hast, wenn sie nicht mehr zu ändern sind. Fäll endlich mal ein paar Entscheidungen und wenn Du sie gefällt hast, hör auf, sie permanent nach Schwachstellen abzugrasen und sie permanent in Frage zu stellen. Das tut Dir nicht gut.”

“Ich weiß, dass Du Recht hast. Und Du weißt, dass ich das nicht kann.”

“Aber was willst Du dann tun?”

“Dich fragen. Mit Dir reden. Dich meine Entscheidungshilfe sein lassen.”

“Ich kann nicht Dein Leben für Dich entscheiden.”

“Es ist egal, was Du entscheidest. Du hast doch gerade selbst gesagt, dass es egal ist. Es muss nur entschieden werden, die Bewertung folgt erst danach, wenn die Sache an sich gar nicht mehr von Belang ist. Und wenn Du es nicht entscheiden kannst, wenn ich Dich um Rat frage, lass es doch nur so aussehen, als wüsstest Du Bescheid. Es würde mir helfen. Sehr.”

“Welche Frage quält Dich heute konkret?”

“Die Frage danach, ob ich dazu fähig bin, mich dem Willen von jemandem unterzuordnen.”

“Das ist doch schon wieder verdammte Metameta-Scheisse. Wenn ich Dir dazu einen Rat gebe, dann berührt die Tatsache des Rat-Gebens auch gleichzeitig das Thema.”

“Wenn Du so anfängst zu denken, dann bist Du auch bald soweit, Dir um halb vier Uhr morgens ein Glas Whiskey einzuschenken. Ich will nur einen einfachen Hinweis von Dir.”

“Ok, hier kommt ein Hinweis: Ordne Dich unter, wenn die Unterordnung für Dich einen konkreten Mehrwert bringt, oder besser gesagt: Dich zu etwas führt, dass Dir am Herzen liegt und das Du alleine nicht oder nicht so zielgenau erreichen könntest. Und wenn Du merkst, dass es das in einem konkreten Fall nicht bringt, dann zögere nicht, es zu beenden, so schnell wie möglich, egal, wen Du damit vor den Kopf stösst.”

“Hm. Das klingt gut. Kannst Du mir das aufschreiben?”

“Ja. Morgen. Jetzt komm endlich ins Bett.”

“Aber was ist, wenn ich jetzt darüber nachdenken muss und deswegen wieder nicht schlafen kann?”

“Darüber gibt es nichts nachzudenken, weil es keine Frage war. Sondern eine Anweisung.”

“Ok, Sir.”

“…”

“…”

“…”

“Ich würde gerne noch wissen, ob Du das jetzt nur so aussehen hast lassen, oder ob Du darüber wirklich schonmal selbst nachgedacht hast. Diese Sache mit dem Unterordnen, meine ich.”

“…”

“Schläfst Du schon?”


Glaube

Ich glaube an die Bergversetzung. Und sowieso.


Gute Idee.

Ich glaub’, ich brech mein Studium ab und werde Schlangenbeschwörer.


Selbstbedienungsanleitung (2007)

Zum Kühlen: Nutze die Poesie,
wenn plötzlich, in zornigem Ton,
der Fels gegen Dich äußert:

“Ich lud Dich in meine Nähe,
gegen den Sturm von Reiz,
jetzt schon vorbei, wie vorhin,
so geschwind, dein strebendes Herz.
Unverzagheit, Unüberwindbarkeit,
mitten in Dir und überall,
wohin kein Auge sieht.”

Und schon ist alles:
Nur noch bloße Erinnerung.


Inaugural.

Liebe Studenten und Studierende, ich als Vorsitzender und Präsident möchte Sie hiermit herzlich zu Ihrem Studium am neuen und gerade erst eingerichteten Institut für Tautologie und Sinnkongruenzwissenschaft begrüßen und willkommen heißen. Ich hoffe, Sie werden sich hier weiterbilden und auch viel lernen. In diesem Sinne freue ich mich auf eine wundervolle, aber auch schöne Zusammenarbeit und Kooperation.


Lovesong

Omega und Z. sind die jeweils letzten ihrer Art, könnte man sagen. Und das nennt man Buchstaben. Und zwischen zwei betrunkenen Konsonanten tanzen drei Vokale. Und das nennt man dann so’n Wort.


Fachgespräche (2007)

Wenn Regenschirme Regen schirmen,
Butterbrote aber Wolken singen,
dann kann das nur bedeuten,
dass stümperhafte Tautologen reden.


Metareflexion, yeah! (IX)

Schreiben ist wie Archäologie. Du läuftst in einer interessanten Gegend herum, beobachtest alles ganz genau und irgendwann stolperst Du über etwas, das aus dem Boden ragt, oft wirkt es sehr unscheinbar, aber Dir wird schnell klar, dass es Teil von etwas Größerem sein könnte. Also schnappst Du Dir die Schaufel und fängst an, zu graben. Du gräbst so lange, bis Du es komplett freigelegt hast oder bis Dir die Puste ausgeht.

Manchmal irrst Du Dich und es war nur ein unförmiger Stein, der aus irgendwelchen Gründen Deine Aufmerksamkeit erregt hat, oft findest Du kleine, funkelnde Gegenstände, machmal Reste einer Mauer, selten eine Ruine und falls Du ein Glückspilz sein solltest, dann gräbst Du irgendwann eine ganze versunkene Stadt aus.

Wenn die Grabungen beendet sind, machst Du am Besten erstmal einige Zeit Pause und siehst Dir Dein Fundstück in Ruhe von allen Seiten an. Anschließend kannst Du damit anfangen, es vorsichtig und fein säuberlich von dem restlichen Schmutz zu befreien, der noch dranklebt und Dich am Ende entscheiden, ob Du es so bruchstückhaft belassen willst, wie Du es gefunden hast oder es doch lieber damit beginnst, es komplett zu restaurieren.