Exorcize (2008)

Model: Vren & Z.

Model: Vren & Z.
• Portrait Of An American Family (1994) – comicartiges, drogeninspiriertes Debüt, das auch in Bezug auf die Musik ziemlich beachtenswert ist. 6/10
• Smells Like Children (EP / 1995) – irre psychedelisches Hörspiel inklusive einer genialen ‚Sweet Dreams’-Coverversion und ein paar wirrer Akustiktracks. 5/10
• Antichrist Superstar (1996) – in gewisser Weise das düsterste, pychotischste und aggressivste Album der Nine Inch Nails. 10/10
• Mechanical Animals (1998) – die perfekte Symbiose aus Industrial und GlamRock und eine beeidruckende Neuerfindung der Band. 10/10
• Holy Wood (2000) – stilistisch eine Mischung aus den beiden großartigen Vorgängerwerken, songwriterisch werden leichten Tendenzen zum Rückschritt auf bereits ausgetretene Pfade sichbar. 8/10
• The Golden Age Of Grotesque (2003) – nach dem Weggang des Bassisten und Hauptsongwriters Twiggy Ramirez kommen nur noch Rammstein-Riffs und simpelste Songs zum Vorschein. 3/10
• Eat Me, Drink Me (2007) – der einst gefährlichste Mann des Rock ist vollends zum Emo geworden, der kitschige Liebeslieder intoniert und sich musikalisch wieder etwas glamrockiger gibt. 4/10
Mein naives Gemüth
denkt zuviel naive Gedanken
ich hasse mich für meine
einfache Natur.
“Eine Frage: Spielst Du Gitarre?” – “Ja, manchmal. Ein bisschen.” – “Dann aber bitte in Zukunft nicht mehr stundenlang mitten in der Nacht, wenns geht.”
“Lass uns woanders hingehen. Die Band ist scheiße.” – “Woher willst Du das den wissen? Die haben doch noch nicht mal angefangen zu spielen.” – “Guck Dir mal die Leute hier an. Wenn die Mehrheit der Fans einer Band Hosen anhat, die mehr als einen Reißverschluss haben, muss die Band einfach scheiße sein.”
[der Selbstzensur zum Opfer gefallen.]
In einer manchmal etwas reißerischen, manchmal gruseligen, manchmal etwas langweiligen und oft unfreiwillig komischen Dokumentation versucht der Internetsender VBS.tv in seiner Musikdokumentationsreihe dem norwegischen Black Metal auf die Spur zu kommen. Es ist vielleicht auch nicht die beste Idee, das Ganze an Gaahl, Frontmann der etwas platten und eher zur qualitativen Mittelschicht des Genres gehörenden Band Gorgoroth aufzuhängen, die mit ihren theatralischen und provokative Auftritten oft die Grenzen des guten Geschmacks weit überschreitet, sehenswert ist das Ganz aber allemal. Nicht nur weil Ghaal, der ironischerweise im echten Leben den Vornamen Kristian trägt, sich im Laufe der fünfteiligen Dokumentation als alternder, Nietzsche-vereinfacht-wiedergebender, teueren Wein trinkender Waldschrat entpuppt, der eigentlich Pantheist und gar nicht mal so unsympathisch ist, sondern auch wegen der eindrucksvollen Landschaftbilder von Norwegen. Ansehen kann man sich den ersten Teil hier, der Rest findet sich hier auf der Webseite von VBS. Wem das alles zu finster ist, der darf sich hier einen Black-Metal-Sänger beim österreichischen Star Search-Casting oder hier zwei Black Metaller beim Plätzchenbacken angucken.
Johnny Greenwood und Thom Yorke, besser bekannt als die wichtigere Hälfte von Radiohead covern den bisher besten Song des Jahres 2008, Portisheads ‘The Rip’ backstage mit zwei akustischen Gitarren. Zu finden hier.
Es tobt der Chor der Beter:
Gelbe Bäume, alte Lieder.
Ein bisschen was von Motörhead haben sie inzwischen schon, die Jungs um den brasilianischen Metal-Gott Max Cavalera, die unter dem Namen Soulfly ihr bereits sechstes Album veröffentlichen: In schöner Regelmäßigkeit von etwa zwei Jahren kommt die Band mit einem neuen Output um die Ecke und schlecht ist das nie, was Soulfly machen. Im Gegenteil: Wenn man das grandios-klassische letzte Album “Dark Ages” und das in der Zwischenzeit von Max gestartete Projekt Cavalera Conspiracy betrachtet, dann könnte man sogar vermuten, dass der dreadgelockte Bandkopf derzeit ein richtiges kreatives Hoch hat. Die neue Platte “Conquer” erlaubt sich ihre Eigenheiten: Sie ist einerseits nicht nur das vielleicht härteste Album der Band (es liegt nicht allein an Gastsänger David Vincent von Morbid Angel, dass schon der ironisch-platt betitelte Opener ‘Blood Fire War Hate’ in Death-Metal-Regionen vorstößt), andererseits auch stellenweise höchst experimentell, freilich im relativen Sinne, denn der typische Soulfly-Sound zwischen Thrash-Metal, groovenden Rhythmen und World-Musik-Elementen bleibt natürlich zu jeder Zeit dominant. Wobei die exotischen Instrumente und Strukturen dieses mal gar nicht so viel ‘World’ sind, sondern sich ausschließlich auf in Ägypten aufgenommene Sounds konzentrieren, was aber lediglich für das Protokoll interessant ist, denn soundtechnisch macht es keinen wesentlichen Unterschied. Dennoch haben Soulfly mit “Conquer” konzeptuell fast eine Kehrtwende gemacht: Versuchte die Band auf der letzten Platte noch, die ultimative Essenz ihres Sounds zu finden und auf Platte zu bannen, scheint es hier eher so, als würden die einzelnen Elemente konsequent zuende gedacht und eher ausgebaut als auf den Kern reduziert, was in Tracks wie dem schizoiden ‘Unleash’ (mit Dave Peters von Throwdown), dem slayeresken ‘Warmaggeddon’ sowie in diversen, sehr psychedelischen Interludes und Outros resultiert. “Conquer” ist insgesamt ein herausragendes Metal-Album geworden, mit dem Soulfly ihre Ausnahmestellung betonen. Sepultura können hier schon lange nicht mehr mithalten.
8 von 10 Punkten.