Instant Poetry (CIV)

Puste

Selbst herzlos ohne seine Zweige schien:
Der kahle Baum.

Desselben große Blätter sprachen:
“Hin und her getrieben!
Niemand schlief!”

Den Hauch Tod empfand nicht nur die Regenflut
und sie tanzten nieder vor diesen Erdentagen.


Flowerchild (2008)

flowerchild-raventhird.de

Model: Z.


Der Musikjournalist (III)

Für die kommende Ausgabe des Stardust habe ich die finnische Band Lodger zu ihrem Album “How Vulgar” befragt. Meiner Meinung nach ist das Ganze ein viel zu seichter Mix aus anbiederndem Pop mit ein paar belanglosen Gitarrenakkorden. Selbiges brachte ich auch in einer Frage des Interviews vorsichtig zum Ausdruck. Nach vielen negativen Erfahrungen mit Bands, die mit Kritik gar nicht umgehen können, die auch schon mal Interviews spontan abbrechen oder Fragen einfach nicht beantworten, überraschte mich die Antwort in diesem Falle doch sehr:

“[Our] second album “How Vulgar” was made with bigger budget and we also did that by ourselves which turned out to be a big mistake: We fucked it up completely. Good songs were turned into a dickless overproduced whistling. Our chemistry didn’t work and we would have needed an outside producer to put it right. We didn’t have much fun doing it and you can hear it in an outcome: It’s very steril and boring. Shame, cause we think that there are many good songs in it. If done right it could be a good album.”

Die Plattenfirma wird den Jungs nach dem Artikel vermutlich einen Zwangs-Nachhilfekurs in Promotion und Pressearbeit verordnen, aber ich find’s toll: Endlich mal eine ehrliche Band. Und ihr erstes Album ist übrigens gar nicht mal so übel.


Review: The Verve – ‘Love Is Noise’ (Song)

Mehr als zehn Jahre sind vergangen seit dem vielleicht besten britischen Album der Neunziger nach Radioheads “OK Computer”. Richard Ashcroft hat in der Zwischenzeit drei Soloalben aufgenommen und während das erste davon, betitelt “Alone With Everybody” qualitativ fast an The Verve heranreichte, verlor er sich mit “Human Conditions” und “Keys To The World” zunehmend in pathetischem Soul mit zuviel Geigen, Klavieren und elektronischen Sounds. An seiner Stimme lag es nie, denn die blieb, im Gegensatz zu so manch alterndem Rocksänger, immer großartig und als es dann irgendwann im letzten Jahr hieß, dass The Verve wieder zusammengefunden hätten, war die Freude bei den immer noch vorhandenen Fans groß. Die wenig später exklusiv über die Webseite des NME veröffentlichte Jam-Aufnahme ‘The Thaw Sessions’ versprach eine Mischung aus dem psychedelischen Rock der Anfangsphase und dem grandiosen, zeitlosen Pop-Songwriting von “Urban Hymns”. Dieses Versprechen kann die Comeback-Single ‘Love Is Noise’, die seit gestern auf der Myspace-Seite der Band zu hören ist, nicht ganz erfüllen: Zwar ist Ashcrofts Stimme weiterhin über jeden Zweifel erhaben und der Song versucht auch, eben jenes trippige Element, das die Band zuletzt abgelegt hatte, mittels verzerrter Backgroundvocals zu reintegrieren, der Refrain des Songs, so oft er wiederholt wird, bleibt aber nicht wirklich kleben. ‘Love Is Noise’ ist zwar ein ohne Zweifel guter Song, aber nicht der erwartete Volltreffer.

6 von 10 Punkten.


Metareflexion, yeah! (XXX)

Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (VII):

-”fotzen abgreifen”
-”schlangenlederhose für frauen”
-”titanic fritzl”
-”dendrophile”
-”bilder von schwanzlutschern”
-”das verarschte schneewittchen märchen”
-”billstedt und horn erschuf gott im zorn”
-”kriminalfall amstetten”
-”haarlose fotzen de”
-”ignaz denner: rezension”

Ich bin wieder einmal erstaunt und stelle fest, dass die Laufkundschaft dieses Blogs (d.h. die Leute, die über Suchmaschinen zu mir finden) zum Großteil aus mehr und weniger perversen Pornofreaks, ein paar durschschnittlichen Verrückten und einigen wenigen Literaturinteressierten besteht. Vielleicht sollte ich das Vokabular meiner literarischen Ejakulationen (ups) in Zukunft zensieren, dann findet zumindest die erste Kategorie gar nicht erst hierhin. Hier gibt’s nämlich keine Fotzen. Nur Kunst.


re_Connect (2008)

re_connect


re_Build (2008)

Eine grüne Distel


Briefing (XIII)

Ach ja, bei Ihnen, Herr W.,

wollte ich mich noch einmal explizit bedanken. Dafür, dass sie uns über 600 Kilometer weit fahren haben lassen in dem Glauben, dass wir die Wohnung schon so gut wie sicher hätten, die sie zu vermieten hatten und die uns ganz gut gefiel. Wir hatten uns sehr gefreut, als sich herausstellte, dass wir die allerersten Bewerber waren und waren bester Dinge, als wir auch gleich einen Besichtigungstermin bekamen. Es kam uns zwar etwas spanisch vor, dass Sie wollten, dass wir ihnen eine e-Mail schicken, in der wir ausführlich etwas über uns erzählen, aber was tut man nicht alles für einen schrulligen alten Mann, der das Glück hat, in einem guten Viertel in Hamburg eine Wohnung zu besitzen. Ein bisschen schockiert waren wir dann allerdings, als wir zu unserer Besichtigung ankamen und feststellen musste, dass Sie plötzlich, ohne ein Wort davon zu sagen, eine öffentliche Besichtigung daraus gemacht hatten. Mehr als zwanzig Parteien waren dort auf einmal anwesend. Nein, Herr W., das war nicht wirklich schön, vor allem nicht, weil Sie am Telefon großspurige Versprechungen wie „wer zuerst kommt, malt zuerst und sie waren ja die Ersten“ gemacht hatten.

Da saßen sie dann mit ihrer Brille wie ein Stasi-Offizier in der Küche ihrer etwas abgeranzten Wohnung im fünften Stock, die trotz ihrer Mängel immer noch zu dem Besten gehörte, dass wir an diesem Wochenende besichtigt hatten und baten selbstherrlich in der Reihenfolge des Erscheinens zur Besichtigung alle Parteien zum jeweils viertelstündigen Verhör am Küchentisch, während der Rest draußen im Flur warten musste. Schon äußerlich erschienen Sie mir wie der Prototyp des kafka’schen Bürokraten und ihre ganze Art zu reden und die Leute von oben herab zu behandeln war mir derart zuwider, dass ich am liebsten schon in dieser Situation, obwohl wir ja noch gar nicht „an der Reihe waren“, reingekommen wäre, Ihnen eine runtergehauen und Ihnen gesagt hätte, wo sie Ihre Wohnung hinstecken können. Aber wir waren ja verzweifelt. Es ist so verdammt schwierig, eine gute Wohnung in Hamburg zu finden. Am Besten gefiel mir das Vorzeigepaar, dass vor uns zu Ihnen musste. Die beiden, (Sie: Vollblutblondine, Er: Schwiegermutter’s Liebling), machten riesiges Grinsen zum bösen Spiel. Was ich vom Flur aus mitbekommen hatte, war, wie Sie erklärte: „Wir werden heiraten“ und er kurz darauf eine Kopie seines Arbeitsvertrages hervorzog, um sein regelmäßiges Einkommen zu beweisen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und sie hätte mit „Ich bin schwanger!“ ein weiteres Ass aus dem Ärmel gezogen und er wäre auf die Knie gefallen und hätte angefangen, Sie oral zu befriedigen, Herr W. Aber vermutlich stehen sie genau auf den Typ Mensch. Klar, dass wir beiden Studenten, erste Kandidaten für die Wohnung und Bürgschaft beider Elternteile hin oder her, dagegen keine Chance mehr hatten. Die Mail, die ich Ihnen über uns beide geschrieben hatte, hatten sie ausgedruckt dabei, mit selbsteingefügten Anmerkungen in roter Farbe. Viele Fragen hatten sie dann an uns im Gegensatz zu allen anderen keine mehr, vermutlich hatten sie uns schon im Kopf fett durchgestrichen.

Irgendwie, Herr W., bin ich ja doch, wie am Anfang der Mail schon angedeutet, ganz dankbar, dass sie nicht angerufen haben. Denn Sie sind mit Abstand einer der unsympathischsten Menschen, denen ich seit langer, langer Zeit begegnet bin, und das liegt wirklich nicht daran, dass sie uns eine Wohnung nicht gegeben haben (wir haben an dem Wochenende so viele nette Leute kennengelernt und nette Absagen kassiert). Jemanden wie Sie als Vermieter zu haben, wäre auch nicht wirklich witzig. Aber die Wohnung hätte uns echt gefallen und wenn ich an die riesige Enttäuschung zurückdenke, die ich und meine Freundin direkt nach der Besichtigung empfanden, dann glaube ich, dass ich doch noch in irgendeiner persönlicheren Form meinen Dank zum Ausdruck bringen muss. Ich werde gleich mal nachsehen, ob ich Ihre Adresse noch gespeichert habe…

Auf diesem Weg beste Wünsche aus Bayreuth,
Ihr Sebastian B.


Instant Poetry (CIII)

Versplittert, zum Teil ganz zermalen
zu einfarbigen Staub, der nie wieder Stein wird
hängt quirlig herum mein Verstand.


Der Musikjournalist (II)

Das aktuelle Death Cab For Cutie-Album “Narrow Stairs” von Atlantic erhielt ich in einer scheußlichen, nur mit schwarzer Tracklist bedruckten Promo-Version ohne Hülle, die zudem mit Warnhinweisen darüber zugepflastert ist, dass diese CD ein Wasserzeichen enthält, das mich im Falle einer illegalen Verbreitung der Musik über das Internet ausfindig machen lässt. Das Ganze ist ziemlich ärgerlich, denn wenn ich schon für zwei Magazine über eine Band schreibe und damit in jedem Falle Werbung für ein neue Platte mache, dann will ich wenigstens einen Gegenwert in Form einer richtigen Version des Albums inklusive Artwork und Booklet haben. Noch ärgerlicher ist allerdings, dass man die CD gar nicht erst am PC abspielen kann, was dazu führt, dass ich das Notebook mit zu meiner Stereoanlage schleppen muss um dort das Album zu rezensieren. Nochmal mache ich das nicht. Die nächste Atlantic-Veröffentlichung, die in dieser Form hier ankommt, wird von mir schlicht und einfach nicht besprochen.


Review: Slipknot – ‘All Hope Is Gone’ (Song)

Nachdem Corey Taylor zuletzt zum zweiten Mal seine melodische Seite bei Stone Sour ausleben durfte, kehrt in Kürze die Band zurück, die eben dieses Zweitprojekt mit ihrem riesigen Erfolg erst möglich machte. Vorab kann man sich schon einmal den ersten neuen Song der neunköpfigen Ami-Band namens Slipknot auf roadrunnerrecords.com kostenlos herunterladen: ‘All Hope Is Gone’ heißt das Stück, das ausdrücklich nicht die offizielle Single des gleichnamigen Albums, sondern eher ein Appetizer sein soll. Zu selbigem taugt es ganz gut: Slipknot hauen auf die Kacke als wären sie eine überdrehte Trash-Groove-Metal-Band und haben sogar ein ganz passables Gitarrensolo in den Track integriert. Vom New Metal der Anfangstage ist hier jedenfalls kaum noch etwas zu finden. Insgesamt bleibt der Song aber dennoch mächtig belanglos: Melodische, grunge-artige Alice-In-Chains-Gesangslinien, die das letzte Album deutlich prägten und veredelten oder subtile Elemente sucht man bei vergebens, dafür wird ein platter Chorus hundertmal wiederholt, mächtig auf die Instrumente eingedroschen und laut gebolzt, was zum Glück durch die recht passable Produktion nicht zu einem totalen Soundbrei führt, auch wenn die Gitarren etwas zu weit nach hinten gemischt scheinen. Die Fans werden es wohl mögen, musikalisch gesehen ist ‘All Hope Is Gone’ leider ziemlich belanglos.

4 von 10 Punkten.


NeuRosen (XLVI)

Mit der zunehmenden Arbeit an Aufträgen und an Projekten fremder Menschen und der damit einhergehenden, immer mehr mangelnden Zeit zum Freistil verliere ich langsam die Fähigkeit und die Leidenschaft, eigene Dinge zu (er)finden. Meine Photographie begeistert mich nicht mehr selbst, meine Worte sind leere Hülsen von etwas, das einmal von Bedeutung war. Ich hoffe, dass das nur eine gewöhnliche Blockade ist und mache einfach weiter wie bisher.


Zwei

Ein alter Mann auf dem Gehsteig
schläft endgültig ein und ist fort.
Zwei Häuserblocks weiter, neben Dir liegend,
vermute ich Dinge und liege nicht falsch.