Ungstellum

Zeiten ändern sich: In einer halben Stunde ist es vor einer halben Stunde.


Tiefenstrukturanalyse (XXVII)

Ich habe mir gerade die komplette “Debatte” von Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk über die Qualität des Fernsehens auf youtube angesehen. Das Hauptproblem dieser Diskussion (die eigentlich keine war, weil beide beständig aneinander vorbeiredeten) bestand meines Erachtens in einer Gemeinsamkeit dieser beiden so unterschiedlichen Personen, nämlich der, dass es sich bei beiden um alte Männer handelt, die geistig aus reiner Gewohnheit in U- und E-Kultur trennen und von daher nicht sehen können, dass es den Kompromiss, den Reich-Ranicki vorschlägt, längst gibt: Die gehobene Populärkultur. Wenn in der Diskussion nämlich tatsächlich unwidersprochen Helge Schneider und Atze Schröder auf einem gleichen Niveau angesiedelt werden, dann kommt man zu dem Schluss, dass die Herren auch einen David Lynch-Thriller und den ZDF-Sonntagskrimi als gleichwertig betrachten würden. Dabei ist jeweils ersteres genau eine solche Art von Kultur, die die geforderte Verbindung von Unterhaltung und Kunst leistet. Ich komme also zu dem Schluss, dass Leute, die bei aktueller Unterhaltungskunst genauer differenzieren können, dringend gebraucht werden und melde mich hiermit für diesen Job.


Sailin’ On (2008)

sailinon-raventhird.de


Musikalische Fundstücke (XIII) – ‘Chinese Democracy’ (Single)

Es ist Realität geworden: Seite heute Mittag rotiert im amerikanischen Radio die erste Single des kommenden Guns N’ Roses-Albums “Chinese Democracy” (VÖ: 23.11.2008), dem ersten Album mit neuer Musik der Band seit “Use Your Illusion II” aus dem Jahr 1991. Der Titelsong der Platte ist zwar eine recht ungewöhnliche Wahl für die erste offizielle Veröffentlichung, weil der Song deutlich auf dem auf etwa einem Drittel der Platte vorherrschenden, neueren Gunners-Sound beruht (Axl singt mit einer tiefen Stimme, etwa wie bei ‘Mr. Brownstone’ und der Track braucht seine Zeit, um zu zünden), sollte aber dennoch die Vorfreude schüren. Die meisten der wirklich exzellenten Gitarren auf dem Song stammen im Übrigen von einem der herausragendsten und vielseitigsten lebenden Gitarristen, den so gut wie niemand kennt (und der einer meiner ganz persönlichen Helden ist): Buckethead.

Anzuhören auf der heute überarbeiteten, offizellen Webseite.


Metareflexion, yeah! (XXXII)

Wenn man nicht gerade aus einem seltsamen Winkel in den Rückspiegel blickt, dann wird man feststellen, dass man darin ausschließlich sich selbst sieht.


Instant Poetry (CXXIV)

Dickfellig & turbulenzgewohnt
schleiche ich zurück in meine Welt;
Welcher Held?
Was er verspricht.


Dr. O

fischkopp1


Musikalische Fundstücke (XII) – Gnarls Barkley & ‘Reckoner’

Gnarls Barkley covern den Radiohead-Song ‘Reckoner’ (vom 2007er Album “In Rainbows”) live in einer wirklichen Gänsehautversion.

Anzuhören hier.


Rückspiegel (XVI)

Erinnerst Du Dich an den Tag, an dem wir in diesen kleinen Ort gefahren sind und dort in einem komischen Restaurant über der Stadt, in dem außer uns nur Rentner waren, Kuchen gegessen haben? Wir waren zu dem Zeitpunkt schon Wochen getrennt, aber diesen einen Tag hatten wir noch zusammen, auch wenn ich nicht mehr genau weiß, wie er eigentlich zustande kam. Wir fuhren auf einer Sommerrodelbahn (mitten im Winter) in einem gelben Gefährt den Hügel wieder hinunter und ich drückte auf das Gas, als ob es keinen Morgen gegeben hätte. Für mich gab es zu diesem Zeitpunkt wirklich keinen. Als wir anschließend auf dem Weg waren, Klaus einen wirklich merkwürdigen Spontanbesuch abzustatten, der nur den Zweck hatte, den Tag nicht schon zu beenden, sagtest Du im Auto: “Hey, jetzt sind wir genau wie Julia und Nicki”, und ich antwortete: “Nein. Wir werden nie sein wie Julia und Nicki”, und dann weinten wir beide.

Die Frage, ob Du Dich erinnerst, ist eigentlich (fast) keine rhetorische, denn nach Begegnungen wie der heutigen fragte ich mich immer, ob Du an genau dem Tag nach Hause gekommen bist, diesen futuristischen Weinöffner an einer teuflisch genau berechneten Stelle an Deinem Kopf angesetzt und die komplette Erinnerung an mich einfach rausgeholt hast. Immer wenn wir uns danach trafen, benahmst Du Dich nämlich so, als ob wir uns nie gekannt hätten und irgendwann hätte ich fast angefangen, Dir das abzukaufen. Es wäre zutiefst verstörend, wenn man sich tatsächlich so fremd werden könnte, wenn man sich einmal so nah war.


The Hollow (2008)

hollow-raventhird.de


Instant Poetry (CXXIII)

Im Zeltskelett und unter tausenden Ideen:

Dem breiten Griff des weichen Landes
entkommst Du nicht.


Glück.

Als ich heute morgen erwachte und erst nach einer kurzen Phase der Orientierungslosigkeit den Lichtschalter fand, wunderte ich mich über zwei Dinge: Einerseits kam es mir etwas seltsam vor, dass anscheinend erneut die Glühbirne defekt war, denn das Zimmer blieb trotz meines mehrfachen Versuches, die Deckenlampe in Betrieb zu nehmen, stockdunkel, andererseits fragte ich mich, warum mein Schädel so brummte, hatte ich am Abend zuvor doch keinerlei Alkohol zu mir genommen. Ich wankte leicht verwirrt ins Badezimmer und bemerkte erst dort, dass mein ganzer Kopf von Tausenden von Marienkäfern bedeckt war.


The Shape Of Things To Come (2008)

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