Musikalische Fundstücke (XI) – “Chinese Democracy”

Der Realeasetermin für den längsten Running-Gag der Musikgeschichte, namentlich das kommende Guns N’ Roses-Album “Chinese Democracy”, das seit mehr als 14 Jahren in se making ist, scheint, wenn man verschiedenen Quellen glauben schenken darf, endlich festzustehen: Billboard.com, die Webseite der offiziellen amerikanischen Charts, berichtet heute, fast übereinstimmend mit Berichten der letzten Wochen durch MTV, Rolling Stone und Anderen, dass die Veröffentlichung für den 23. November geplant sei.

Man sollte zwar auch angesichts dieser scheinbar fast offiziellen Meldungen skeptisch bleiben, da in diesem Jahrzehnt noch kein Jahr verging, in dem nicht ein vermeintliches Releasedatum für das Album kursierte, aber die überdurchschnittlich hohen Aktivitäten der Band um Axl Rose in den letzten Monaten sprechen doch deutlich dafür, dass tatsächlich eine Veröffentlichung in diesem Jahr angestrebt wird: So erscheint nach dem stark industrial-lastigen ‘Shackler’s Revenge’, das auf den Soundtrack des Videospiels “Rock Band 2″ erstmals zu hören war, in einigen Tagen mit ‘If The World’ ein zweiter neuer Guns N’ Roses-Track, dieses mal im Rahmen des Abspanns des neuen Ridley Scott-Films Body Of Lies”. Auf dem Soundtrack wird der Song, der mehr nach dem klassischen Stil der Band klingt, allerdings genauso wenig enthalten sein wie man ‘Shacklers Revenge’ auf legalem Wege außerhalb des Videospiels hören konnte, was dafür spricht, dass es sich bei beiden Veröffentlichungen um kleine Testballons für die anstehende Promotion des richtigen Albums handeln könnte, das im übrigen, wenn man den Gerüchten glauben darf, in den USA exklusiv von Best Buy vertrieben werden wird. Welcome To The Jungle, Baby.


Speedsketch III (2008)

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15 Minutes.


Speedsketch II (2008)

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17 Minutes.


Instant Poetry (CXXIII)

Ewig tanzt zwischen meinen Zehen,
bis es dann junge Wale strandet:
Das biedere Nichtvorhandensein.


Speedsketch I (2008)

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23 Minutes.


Vergessene Perlen (I)

New Radicals – “Maybe You’ve Been Brainwashed, Too”
(1998/Pop/Rock)

Gregg Alexander, normalerweise primär als Songwriter hinter den Kulissen für verschiedenste große Chart-Acts aktiv (unter anderem Ronan Keating, Sophie Ellis-Bextor, Enrique Iglesias, Hanson, Geri Halliwell oder Melanie C) nam 1998 für ein Album selbst das Mikro in die Hand: “Maybe You’ve Been Brainwashed, Too” von den New Radicals, die sich direkt nach der Veröffentlichung der ersten Single aus dem Album wieder auflösten, ist bis heute ein Meisterstück des zeitlosen Pop. 8/10

Anspieltipp: ‘Someday We’ll Know’ (hier).

Daemonarch – “Hermeticum”
(1998/BlackMetal)

Die Portugiesen der Dark-Metal-Gruppe Moonspell hatten Ende der Neunziger kurzzeitig selbst die Nase voll davon, dass sie inzwischen von einer extremen Metalband zu einer ausgewaschenen Gothic-Rock-Gruppe mutiert waren und namen sich eine Auszeit, um unter dem Namen Daemonarch nochmal richtig den Teufel rauszulassen. Das Ergebnis war ein einzigartig-seltsames, hypnotisches Black Metal-Album, das tatsächlich, wie der Albumtitel versprach, hermetisch in sich abgeschlossen und kaum mit einer anderen Band vergleichbar war. 8/10

Anspieltipp: ‘Lex Talionis’ (hier)

Deltron 3030 – “Deltron 3030″
(2000/Hip-Hop)

Eine futuristische Supergruppe aus so illustren und kreativen Underground-Stars wie Kid Koala, Dan The Automator und Del tha Funkee Homosapien. Zwischendurch singt auch mal Damon Albarn von Blur, weswegen Deltron 3030 nicht zu Unrecht auch als Vorläufer der Gorillaz gelten, obwohl sie viel mehr sind als nur das. Ihr bisher einziges Album, das ebenfalls den Namen “Deltron 3030″ trägt und eine Konzeptplatte über eine düstere Zukunftsdystopie ist, bleibt bis heute ein übersehener Klassiker des Hip-Hops abseits des Mainstream. 10/10

Anspieltipp: ‘Time Keeps On Slipping’ (hier)


Instant Poetry (CXXII)

Oder Leben (Elbe Tod)

Hit them with your paar Kakteen,
ich fand dort Lochkarten noch und nöcher:
Kennst Du meine, dann bist Du,
sowas nennt man Alptraum,
das wird nicht D Tee, das, das macht mir Spass
und ich weiß, es ist der Rhythmus, der mich packt.

Du sollst Wahrheit reden, keiner weiß so gut wie ich,
an einem Baum komm her und mach die Türen von Dir
dann erwacht die alte Zeit in meiner Hand.


What You Leave Behind (2008)

leave - raventhird.de

Model: The Wheel


Review: One Day As A Lion – “One Day As A Lion” (EP)

Kurz bevor er nur noch als fernes Echo in den Köpfen seiner hunderttausenden ehemaligen Fans vorhanden ist, meldet sich der ehemalige Rage Against The Machine-Frontmann Zack de la Rocha mit einem Paukenschlag zurück. Und auf die Pauke hauen darf dabei niemand Geringeres als der ehemalige The Mars Volta-Drummer Jon Theodore, ohne Zweifel einer der begabtesten lebenden Schlagzeuger im Rockbusiness. Erzählen wir die Geschichte von vorne: Seit ganzen acht Jahren kündigt de la Rocha immer mal wieder an, musikalisch immer noch aktiv zu sein und ein Soloalbum zu planen, irgendetwas davon zu hören bekam man aber nie wirklich. Seine ehemaligen Rage-Kollegen durchlebten in der Zwischenzeit eine neue Band namens Audioslave von der Gründung bis zur Auflösung, drei Alben inklusive. Jetzt, im Fahrwasser der kürzlichen Live-Reunion der alten Crossover-Helden kommt de la Rocha endlich auch in die Gänge: One Day As A Lion heißt die nur aus ihm und Theodore bestehende Band und die leider nur fünf Songs umfassende EP mit dem gleichen Titel ist mehr als nur bemerkenswert geworden: Auf den ersten Blick wirkt alles sehr old school, fast 80er: Zacks messerscharfer Sprechgesang, John Theodores grandioses Drumming, ein paar elektronisch anmutende, flirrende Gitarren dazwischen und recht offene, originelle Strukturen. One Day As A Lion wirken gleichzeitig extrem retro und total futuristisch, man scheint beim Anhören geradezu mit Händen greifen zu können, wo die kreativen Differenzen lagen, die ihn dazu führten, diese damals so große Band zu verlassen: Das hier hätte niemals unter dem Bandnamen Rage Against The Machine veröffentlicht werden können, dazu ist es viel zu verspult und experimentell. Man mag über die quantitative Unproduktivität (fünf Songs in acht Jahren) des früheren Superstars denken, was man will: Mit One Day As A Lion macht er im Gegensatz zu Tom Morello und Co, die sich zum Schluss bei Audioslave bei gemächlichem Altherren-Stadionrock ausruhten, sehr originelle, progressive, fast avantgardistische Musik, die von Bedeutung ist. Wenn man mit offenen Ohren die diese EP hört, dann wünscht man sich fast, dass die Rage Against The Machine-Reunion erst mal auf Eis gelegt wird, damit die beiden kreativen Köpfe, die hier am Werke sind, noch die Zeit haben, ein ganzes Album einzuspielen. Es könnte eine kleine Revolution werden.

9 von 10 Punkten.


Metareflexion, yeah! (XXXI)

Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (VIII):

-”nebel schelmenzünftich. 1 erster dianenschlag”
-”videokassetten verschenken an jva 2008″
-”affenhirn essen bericht”
-”kiwiland foto sex”
-”versaute textaufgaben”
-”getragener slip benutzen”
-”milchwald blogspot download”
-”die beeindruckendsten photomanipulationen”
-”geisterschwül”
-”unter künstlerischem aspekt könnte man weinen”

Die erste Suchanfrage kann ich erklären: Es handelt sich um den Anfang des Mammutwerkes “Zettels Traum” von Arno Schmidt. Über die restlichen Sucher, die hier eintrudelten, schüttle ich zum großen Teil wieder einmal den Kopf. Unter künstlerischem Aspekt könnte man weinen. Das zumindest passt.


The R II (2008)

radisson-raventhird.de


Briefing (XVI)

Dear Laura,

ich habe noch nie eine Arbeit gekündigt. Nein, wirklich: Alle meine Jobs habe ich bisher entweder so lange gemacht, bis die jeweilige Arbeit erledigt war, die Firma pleite ging oder ich aus sonstigen Gründen nicht mehr gebraucht wurde.

Warum erzähle ich Dir das? Nun, ich hatte mich vor ein paar Wochen auf eine Anzeige von Dir gemeldet, in der Du explizit eine “Schreibkraft” suchtest. Ich traf mich ein paar Tage später mit Dir am Bahnhof, traf eine etwas schrullige, aber doch zunächst sympathische alte Dame, die mir von ihrem Leben erzählte und von einem Sonderauftrag, der noch vor der Schreibsache zu erledigen wäre. Ich sollte Dich zu einem Gerichtstermin begleiten. Du wurdest angeblich um viele Tausend Euro betrogen und hattest den Verdacht, dass Dein Anwalt von der Gegenseite geschmiert würde, deswegen sollte ich als Zeuge mitkommen. Ich war zwar ein klein wenig irritiert, kam dann aber doch zu dem Termin. Noch mehr irritierte mich, dass Du dort eine zweite Person, ebenfalls Studentin, hinbestellt hattest, damit die Sache “noch genauer dokumentiert würde” und dass der Prozess eigentlich gar nicht öffentlich war, weshalb nicht nur die Richterin genervt davon war, dass Du uns dorthin hingeschleppt hattest. Darüber, wie Du vor Gericht ausgeflippt bist und Sachen gesagt hast, die gar nichts mit dem Prozess zu tun haben, will ich gar nicht anfangen, es begreift einfach nicht jeder eine juristisch komplizierte Verhandlung, die auch noch mit Insolvenzrecht zu tun hat. Dass Du mich aber anschließend mit zu Dir nahmst, um weitere Tätigkeiten zu erledigen, die im Grunde nur aus Einkaufen und Staubsaugen bestanden, machte mich ein bisschen ärgerlich, denn als Haushälterin hatte ich mich ja nun nicht beworben. In Deiner großzügigen Art gabst Du mir dann am Ende 30 Euro für die 5 Stunden, die ich ohne An- und Abfahrt für Dich unterwegs gewesen war, obwohl wir einen Stundenlohn von 10 Euro vereinbart hatten.

Nun, eigentlich kam ich schon an diesem Tage zu dem Schluss, dass die ganze Sache ein Fehler wäre, aber wie der Mensch so ist, vergaß ich in der Folge die negativen Dinge und ging daher, nach einer Woche, wieder ans Telefon als Du anriefst. Dieses Mal warst Du Dir ganz sicher, dass inzwischen auch die Richterin in die Verschwörung gegen Dich involviert wäre, Du lachtest ziemlich irre, als ich meinte, dass ich mir das nicht vorstellen könne und wolltest mich nicht nur erneut zu dem Prozess schicken, diesesmal gar alleine, sondern hattest außerdem die Idee, dass ich ja Deinen Prozessgegner beobachten oder per Internet ausspionieren könnte, “wie ein Privatdetektiv”. Anschließend könne ich ja noch Deine Wohnung putzen. Du musst verstehen, dass ich weder in die kleine Welt Deiner Wahnvorstellungen hineingezogen werden will noch irgendetwas putzen, und dass es mich außerdem wirklich rasend macht, wenn ich bemerken muss, dass Du bereits eine neue Anzeige aufgegeben hast, in der Du, wer hätte es gedacht, wieder eine “Schreibkraft” suchst, diesesmal aber für 8 Euro pro Stunde (natürlich bezahlst Du in Wahrheit noch weniger), weil Du offenbar schon gemerkt hattest, dass mir manche (alle) der Aufgaben unangenehm sind. Ich frage mich, der wievielte Mensch ich bereits bin, der sich auf diese Anzeige gemeldet hat.

Wie dem auch sei: Ich muss leider zu dem Schluss kommen, dass mich der Job bei Dir psychisch belastet (man weiß leider nie, auf welche verrückten Ideen Du als nächstes kommst), dass er mir in Zuge meiner beruflichen Weiterentwicklung gar nichts bringt (“Einkaufen für eine paranoide alte Frau” passt nicht wirklich in meinen Lebenslauf) und noch nicht einmal finanziell lohnenswert ist. Nimm daher bitte hiermit meine Kündigung zur Kenntnis.

Sebastian

PS: Ich bin mir eigentlich fast sicher, dass Du jetzt zu dem Schluss kommen wirst, auch ich würde auch von der Gegenseite Deines Prozess bezahlt, denn dass ich nicht für Dich für Dich arbeiten will wegen Dir als Person: Das kann ja gar nicht sein. Oder?


Zeitlos

Arbeiten & irrlichtern. Mehr ist kaum, derzeit.