Do You Close Your Eyes When You Kiss Me? (2008)

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Traumsequenzen (V)

Ich bin einer von denen, die rübergehen, einer von den neun Männern. Aber vorher müssen wir acht Tage in einer roten, geleeartigen Flüssigkeit verbringen, nackt, am neunten Tag können wir erst das Paralleluniversum betreten, das ich unbedingt sehen will. Was denkt man, wenn man acht Tage mit seinem ganzen Körper in einer glibberigen Masse eingeschlossen ist, die Bewegungen nur wie in Zeitlupe erlaubt? Nackt an nackt, die anderen sehen alle gleich aus, das ist fast homoerotisch, sie sehen aus wie ich ohne jegliche Haare am Körper, sie sind glatzköpfige, haarlose Klone von mir. Sie haben die Augen geschlossen, sie kommen mir irgendwie wie schneeweiße Statuen vor, ab und zu zuckt einer oder bewegt verträumt den Arm. Was wollen diese Typen in dem anderen Universum? Oder kommen sie ursprünglich von dort? Gibt es mich dort acht Mal? Fragen wurden mir nicht erlaubt. Am neunten Tag weckt mich ein Geräusch, ich bemerke eine Bewegung und wie durch einen Abfluss im Geleebecken werden wir rübergesaugt, dorthin. Ich komme nicht an, irgendetwas läuft schief, ich hänge zwischen den Welten und habe das Gefühl, dass das geplant war, von irgendjemandem.


NeuRosen (XXXVI)

Das Bildgewitter, das über mich hereinbrach.


In eigener Sache: Coma Cabaret

Das Coma Cabaret Neodada Art Collective ziept nicht an den Haaren! Treten sie noch heute bei!


Come To Me (2008)

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Model: Z.


Ballade vom zweiten Treffen

(gewidmet allen Cowboys)

Du lachst um Dich und siehst mich nicht;
Ich hab Dich genau im Blick,
Du Hurensohn.

Du trinkst und trinkst und merkst gar nicht
dass ich die ganze Zeit, zwei Tische weiter,
nur warte, bis der Nebel dichter ist.

Du reißt die Klappe immer weiter auf;
ich sitz ganz still und auch alleine,
konzentriere mich auf das, was kommt,
wovon Du noch nichts ahnst, als Du,
so völlig trunken, ohne Rhythmus,
schließlich das Lokal verlässt.

Du bleibst kurz stehen, wankst;
Du lehnst Dich an die Wand;
Du sinkst halb nieder, fast am Ende;
“Steh auf, mein Freund”, sag ich
und reiche Dir die Hände.

Du nimmst die Hände, dankbar fast;
Du drehst Dich um und siehst mich dann,
blickst fassungslos in mein Gesicht;
Du weißt, dass es Dein Ende ist.


Æther

Meine Hände in den Wipfeln,
viele Tage fern.
Deine nackte Landschaft überm Felde,
300 Küsse und ein Abend.

Ich schicks dann halt über den…


Immortal (2008)

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Bang! Bang!


Traumsequenz (IV)

Mum schubste die überdimensionierte Hauskatze in den extrem überdimensionierten Rachen des roten Goldfischs als wäre es die normalste Sache der Welt. Timmy, der sich, wie auch schon beim erste Mal nur mit Widerwillen dort hineinbegab (es musste wohl eine Art angeborener Instinkt bei ihm sein, der ihm sagte, dass irgendwas nicht stimmte, wenn ein Fisch ihn verschluckte und nicht umgekehrt) knurrte und stellte die Nackenhaare auf, ließ sich aber schließlich doch nocheinmal auf die Sache ein. Mum folgte ihm. Ich wartete, bis beide sicher verstaut waren. In den Moment als ich gerade dabei war, es ihnen nachzutun, bewegte der Fisch seinen Körper nach rechts und trank einen Schluck Wasser, der mich seitlich am Magen vorbeispülte.

„Hihi, das kitzelt“, rief ich unwillkürlich. „David, wo bist Du?“, rief Mum. „Schon ok, ich glaube, der Fisch hat in dem Moment geatmet, als ich rein wollte. Ich bin wohl irgendwo im Kiemenkanal. Wenn er losschwimmt, werde ich wieder rausgespült und dann versuche ich mich, irgendwo festzuhalten“, antwortete ich. „Und wenn Du es nicht schaffst?“ „Keine Angst, ich werde es schon schaffen“, rief ich, und fügte hinzu „Ist interessant hier.“ „Aber wenn Du es nicht schaffst, wie willst Du dann nach Hause finden?“ Mum klang besorgt. „Mum, ich finde schon nach Hause. Ich kann doch einfach irgendwen fragen. Du vergißt, wo wir sind.“ „Nun, wo sind wir denn, David?“ „Es muss irgendein Märchenland sein, soviel ist sicher.“


NeuRosen (XXXV)

Ich kann nicht gut mit Menschenmengen. Und ‘Menge’ fängt bei mir schon bei drei an.


Snai=LA (2008)

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Instant Poetry (LXXVIII)

Giftzähnig,

dem der Durst entbrannt,
zum Spiegel fragend:

“Wer wollte die losen Perlen geschmückt?
Wer wollte dass die Neider nur Zungen wären?”

So stand sie am Bettchen gekniet
und sprach mit dem Licht.


Instant Poetry (LXXVII)

Ich will zuviel
und häng am Niemand,
der, freischwebend und auch unverbindlich,
ganz schön leicht zugrunde geht.

Und am Ende wie am Anfang heißt es dann:
Es steht alles leer.