Children Of Bodom @ Große Freiheit

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Children Of Bodom Live @ Große Freiheit 36, Hamburg, 23.02.2009


Keimling (IV)

Das Mädchen ohne Bauchnabel, sie musste um die 20 Jahre alt gewesen sein und behauptete immer von sich, sie wäre nicht geboren worden (eine Sache, die ich, obwohl ich sie natürlich nicht glaubte, heimlich nachgeprüft hatte; ihre Eltern waren tatsächlich nicht ausfindlich zu machen), schrie irgendwelches unverständliches Zeug, als sie zur Tür reinstürmte, die restlichen Leute schwirrten anschließend, nachdem sie die Botschaft verstanden hatten, durch die Wohnung wie ein wildgewordener Bienenschwarm. Ich lag apathisch hinten auf einer der Matratzen im Wohnzimmer. Dabei hatte natürlich auch ich mitbekommen, was los war: Die Bullen kamen. Diejenigen, die gesucht wurden, mussten dringend verschwinden, zusammen mit einer ziemlich großen Menge illegaler Sachen aller Art. Aber irgendwie tangierte mich die Sache nicht. Sollten sie doch sehen, wie sie dieses Problem lösten. Ich war sauber. Mir konnte niemand das Geringste nachweisen, obwohl ich in der Hinsicht sicherlich der Schlimmste der Gruppe war. Aber ich war vorsichtig, was meine Gesetzesverstöße betraf. Oder zumindest machte ich mir Gedanken darüber, wie und ob ich entdeckt werden könnte, bevor ich etwas tat und das allein reichte offenbar schon. Es war mir ein Rätsel, wie diese ganzen Menschen um mich so unachtsam sein konnten. Ich sah viele von ihnen ins Gefängnis wandern und die, die zurückkamen (die meisten schafften es dort nie wieder raus, weil sie drinnen neue Verbrechen oder gleich Selbstmord begingen) machten oft wieder dieselben Dummheiten und scherten sich nicht darum, ihre Taten auch nur ansatzweise zu vertuschen. Man konnte fast glauben, dass sie gefasst werden wollten, dass es so etwas wie ein Ruf nach Hilfe war, dass ihr Unterbewusstsein danach schrie, dass man sie in eine geschlossene Einrichtung brachte, in der sie ihr ganzes restliches Leben nach festen Regeln verbringen mussten, die jemand für sie aufstellte. Ich hingegen war frei. Und hatte den festen Willen, es auch zu bleiben. Deswegen war ich so entspannt in der Situation und ich war es sogar noch, als irgendwann wie aus dem Nichts zwei Schüsse fielen…


Tiefenstrukturanalyse (XXVIII)

Gerade gesehen Backstage in der Großen Freiheit 36: Cannibal Corpse führen insgesamt 17 Gitarren mit sich. Ihr Sound klang trotzdem wie ein einziger Brei aus dem immer gleichen Metal-Riff.


The Empty (2009)

theempty-raventhird.de


Blockade

Ein einz’ger Krieg bis Mitternacht,
ich ruderte mich wieder mal durch ein Gedicht.

Ich stürzte wieder rein ins Blau,
durch halbe Flaschen, aber back through time,
halb blind und hoffentlich noch königlich.


Vergessene Perlen (III)

Lauryn Hill – „The Miseducation Of Lauryn Hill”
(1998/RnB)

Es ist ein schillerndes und mächtiges Album geworden, diese erste Soloplatte von Lauryn Hill nach dem Ende der auf dem Höhepunkt des Erfolgs plötzlich kollabierten Fugees. Lauryn Hill integriert nicht nur Rap, Soul, Reggea und viel RnB in ihren ganz persönlichen Sound, sondern vermischt persönliche und politische Botschaften auf dieser Platte, deren größter Pluspunkt aber natürlich darin besteht, dass sie grandiose Songs enthält. „The Miseducation Of Lauryn Hill“ ist bis zum heutigen Tage eine der besten HipHop/RnB-Platten abseits des Mainstream. In eben dem schwamm Lauryn Hill nämlich trotz der großen Charterfolge der Vorgängerband nie absichtlich mit. Musikalisch (und zum Teil auch auf lyrischer Ebene) ist es jedenfalls kaum möglich, dieses Album zu weit oben anzusiedeln. Nur schade, dass es so schnell wieder in Vergessenheit geriet und dass Lauryn Hill bis heute keine weitere Platte aufgenommen hat (die Outtakes-Sammlung „Ms Hill“ von 2008 ausgenommen). Das spätere MTV Unplugged, das in Doppelalbumform veröffentlicht wurde, darf man übrigens ebenfalls als essentiell ansehen. 9/10

Anspieltipp: ‘Everything Is Everything’ (hier).

Strangelove – „Time For The Rest Of Your Life“
(1995/BritPop)

Die vielleicht unterbewertetste und am öftesten übersehene Band des Britpop: Strangelove könnten, wenn das Glück manchmal nicht ein ebenso entscheidender Faktor wie das Talent wäre, heute direkt neben Oasis, The Verve oder Blur stehen. Musikalisch jedenfalls hielten sie damals locker mit, auch wenn sie einen Tick düsterer zu Werke gingen. Auf ihrem Debüt „Time For The Rest Of Your Life“ wird das am deutlichsten: Großer, melodramatischer Rock, der vieles von dem vorwegnimmt, was später zu den Markenzeichen der Bands von der Insel gezählt werden sollte. Nachdem sich der Erfolg leider nie wirklich einstellte, löste sich die Band um Frontmann Patrick Duff 1998 nach nur drei Alben wieder auf, der Gitarrist Alex Lee war später bei Placebo und Suede aktiv, richtiger Ruhm ereilte aber beide bis heute nicht. Ein paar wenige Menschen wissen dieses Album aber noch immer zu schätzen: Neu kostet die selten gewordene CD-Version von „Time For The Rest Of Your Life“ inzwischen immerhin um die 40 Euro. 8/10

Anspieltipp: ‘Time For The Rest Of Your Life’ (hier).

Jerry Cantrell – „Degradation Trip Vol. 1&2“
(2002/Grunge)

Jerry Cantrell, zweiter Hautpsongwriter der legendären Alice In Chains legte sein zweites Soloalbum just in dem Jahr vor, in dem Layne Staley verstorben war. Aber dieses Album ist auch musikalisch ein Statement, steht es doch den unter dem Bandnamen veröffentlichten Werken kaum in irgendetwas nach: Schwere Gitarrenriffs, die dem Metal artverwandt sind, treffen auf hypnotische Songs, die einfach nahe gehen. Cantrell, der hier alle Vocals selbst übernimmt, klingt hier fast wie Staley. Als sich „Degradation Trip“ dann entgegen der Erwartungen der Plattenfirma auch noch prächtig verkaufte, wurde es als das ursprünglich geplante Doppel-Album-Version mit fast doppelt so vielen Songs erneut veröffentlicht, was dem Ganzen die Krone aufsetzt. Ein Stück Musik, das man dringend gehört haben sollte, wenn man sich in irgendeiner Art und Weise für den Grunge und die 90er in Seattle interessiert. Man könnte vielleicht sogar behaupten, dass das hier die letzte richtige Grunge-Platte geworden ist, der endgültige Sargnagel in eines der spannendsten Genres der letzten Jahrzehnte. 10/10

Anspieltipp: ‘Anger Rising’ (hier).


Icon (2009)

Icon

Model: Chrissy


Instant Poetry (CXLV)

Zwei Leben sind bedroht:
Mit einem Mondkuss rette ich mich über’s Gröbste.


Musikalische Fundstücke (XVIII): Trent Reznor + Jane’s Addiction

Nachdem in den letzten Tagen einige seltsame Photos auf der offiziellen Webseite von Trent Reznors Band Nine Inch Nails aufgetaucht waren, die ihn im Studio wechselweise zusammen mit Perry Farell, Eric Avery, Stephen Perkins und Dave Navarro, also dem kompletten Line-Up der eigentlich zum zweiten Mal aufgelösten Jane’s Addiction zeigten und die Theorien bereits in wirre Richtungen wuchsen, folgte nun die Enthüllung: Die Nine Inch Nails werden noch in diesem Jahr eine Reihe Shows “across the globe” spielen, und danach für einige Zeit Pause machen. Und die zweite Band mit auf Tour sind sensationellerweise tatsächlich Jane’s Addiction. Ob das eine zweite Reunion bedeutet oder ob die Band nur für ein paar Live-Termine wieder zusammenfindet, ist ungewiss, es sieht aber deutlich nach einer längerfristigen Zusammenarbeit der vier Jungs aus. Man darf sich schonmal vormerken, dass man dafür Karten besorgen will, denn selbige Termine werden höchstwahrscheintlich blitzschnell ausverkauft sein, sobald die richtigen Tourdaten veröffentlicht werden.


In eigener Sache: Mixtape auf Touren

Für einen gelungenen Start in die Woche und die Neueinimpfung von ein paar richtig guten Bands, die zum Teil kaum jemand kennt (nein, ich meine damit nicht die ebenfalls enthaltenen Portishead), empfehle ich allen Zulesern dringend den Konsum des von mir erstellen Mixtapes drüben bei den Mit-Musikfreaks von auftouren.de.


Thanatopsis (2009)

thanatopsis

Triple Exposure; Model: Anonymus


Zehn kleine Mitbringsel aus den Wortschatzland (VI)

Abluft
Bauchpinseln
Muckefuck
Fracksausen
Wendehals
hurtig
knorke
Mammon
ertönen
schlechterdings


Instant Poetry (CXLIV)

Tausend Steine würden redend zeugen,
von Regenbogenschleiern, Quellenduft,
er selbst drückt alles alles nieder,
kostenlos für alle: Neue Kraft!