Lungenflügel (2009)

Abstrakte Malerei mit Zigaretten


Shortreviews (II)

Coen Brothers – „Burn After Reading“ (Film; 2008)

Was kann eigentlich schiefgehen, wenn die Coen Brothers mit einer Riege hochklassiger Schauspieler und einem Drehbuch arbeiten, dass in jeder Szene drei Haken schlägt? Richtig: Nichts. „Burn After Reading“ ist deutlich besser als der überhypte, pathetische und von aneinander gereihten Zufällen getriebene „No Country For Old Men“. Intelligentes Unterhaltungskino am Ende der 00er sollte genau so aussehen. 8/10

James Manos, Jr. – „Dexter“ Season I (TV-Serie; 2006)

Originell konzipiert, gut geschriebener Handlungsbogen, modern produziert. Man merkt zu jeder Zeit die starke Literaturvorlage und das Talent der Macher hinter der ersten Staffel der Serie „Dexter“. Dennoch: Die Westentaschenpsychologie, der ständige moralische Zeigefinger und der Star Wars-Twist am Ende schwächen die Qualität  dieser 12 Episoden deutlich. Und Langweile ist bei einer einzigen Hauptfigur für die kommenden Staffeln natürlich vorprogrammiert. 7/10

Philip Boa & The Voodooclub – „Diamonds Fall“ (Musik:Album; 2009)

Es hat eine richtig gute Produktion, es hat diese klassischen, zerfallenden Indie-Melodien, dieses neue Album der niemals gänzlich abschreibbaren Legende Philip Boa. Trotzdem ist es leider eines seiner schlechteren Alben, was vor allem daran liegt, dass ihm die richtig guten Songs, die  Volltreffer, dieses mal fehlen. Boa singt und schrammelt sich durch elf Tracks, scheinbar von sich selbst gelangweilt und zeigt keinerlei richtig tiefe Leidenschaft. 6/10


NeuRosen (LIV)

Übermorgen treffe ich, vielleicht zum letzten Mal in diesem Leben, das größte Gespenst meiner Vergangenheit.  Und ich habe noch immer keine Idee, ob und was ich zu ihr sagen werde. Ich bin planlos, und planlos zu sein ist eine meiner schlimmsten Ängste. Ich verbinde das Gefühl der Planlosigkeit mit dem Bild von dem blinden Mann, der auf die Welt schießt.


Three Birds (2009)

threebirds


Listenwahn (IV): Die besten Alben von Buckethead

1. „Inbred Moutain“ (2005)

Besser war der verrückte Mann mit dem Kübel und der weißen Maske nie: Avantgarde-Gitarrenmusik eines der wohl besten lebenden Gitarristen in absoluter Perfektion. Achtung: Nur für fortgeschrittene User.

Anspieltipp: ‘In Search Of Inbred Mountain’ (hier)

2. „Population Override“ (2004)

Bucketheads zugänglichstes und vielleicht melodischstes Werk hat alles, was ein gutes Instrumentalalbum braucht: Grandiose Songs, tolle Melodien, starke Soli. Und zu aller Überraschung ordnet er sein technisches Können hier den Songs unter.

Anspieltipp: ‘Unrestrained Growth’ (hier)

3. „Colma“ (1998)

Reine Akustikgitarren, bittersüße Melodien: Der eigentlich ultra-schnelle Tech-Freak kann auch ganz anders, wie er uns auf „Colma“ eindrucksvoll beweist, einem Album, das man durchaus auch Schwiegermutter zum Geburtstag schenken könnte.

Anspieltipp: ‘Hills Of Eternity’ (hier)

4. „Bermuda Triangle“ (2002)

Vielleicht der Vorläufer zu den atonalen Kakophonien, die uns Buckethead in der Reihe der Alben präsentiert, die er unter dem Pseudonym Death Cube K veröffentlicht hat: Ein irrer Sturm aus Electro, Funk, Drum-Patterns und genialen Metal-Riffs.

Anspieltipp: ‘Mausoleum Door’ (hier)

5. „Pepper’s Ghost“ (2007)

Der rundum gelungene, kleinere Bruder von „Population Override“: Buckethead gibt sich Mühe, zugänglich zu wirken, irrt aber doch auch in seinen Flitzfingersoli und schreddernden Riffs herum. Vielleicht das typischste Buckethead-Werk.

Anspieltipp: ‘Pepper’s Ghost’ (hier)


Instant Poetry (CXLIII)

Turteltaube, ich:
Ich wiege freundlich leise,
eine Gemse steigt und lachst.
Bis zur Stirne Deiner Knöchel:
Ein Fangball im gläsernen Spinnetz.


Musikalische Fundstücke (XVII): The Smashing Pumpkins – ‘FOL’

Der neue Song der Smashing Pumpkins, betitelt ‘FOL’ (steht für ‘Feel Our Love’), exklusiv aufgenommen ausgerechnet für ein Werbevideo des Autoherstellers Hyundai kann hier gegen Bereitstellung der eigenen eMail-Adresse, die sicherlich nicht in einem Werbeverteiler landen wird, in mp3-Form kostenlos heruntergeladen werden. Aber es gibt ja zum Glück Dienste wie Trash-Mail.

Wer sich von der Aktion wenigstens einen tollen, neuen Rocksong der einst besten Alternative-Band der Welt erwartet, dürfte leider ebenfalls enttäuscht werden, denn im Gegensatz zu einigen nie veröffentlichten Songs aus der Zeit nach der sogenannten Re-Union, an der nur Billy Corgan und Jimmy Chamberlin beteiligt waren (genauer gesagt den Tracks ‘Gossamer’; ‘The March Hare’; ‘As Rome Burns’; ’99 Floors’ ; ‘A Song Of A Son’ und ‘I Am One II’), ist ‘FOL’ ein stinklangweiliger, öde vor sich hindudelnder Song mit nichtssagenden Lyrics, der sogar auf dem über weite Strecken desaströsen Album “Zeitgeist” negativ aufgefallen wäre. Ziemlich traurig, das.


Cats (2009)

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NeuRosen (LIII)

Ich laufe hinaus auf die Strasse, laufe durch den Regen. Ich trage keine Jacke und keine Mütze und ich atme tief ein und breite meine Arme aus, als ob ich die ganze Stadt mit einer großen Geste einladen könnte, mit meinem Atem in mich hineinzuströmen und mich mit dem Leben zu erfüllen, das mir abhanden gekommen ist. Bisher habe ich geglaubt, dass ich nur warten müsste, warten, bis irgendetwas passiert, das alles wieder auf die Bahnen lenkt, auf denen ich nicht nur wie eine Maschine Dinge schreibe und tue, die mich persönlich nur in der einen Hinsicht betreffen, dass ich sie interessant oder uninteressant finde. Aber jetzt weiß ich, dass das Warten nicht der richtige Weg ist. Das Warten sorgt nur dafür, dass man sich in eben jenen völlig unpersönlichen Dingen verliert, sie am Ende vielleicht sogar irrtümlicherweise für in irgendeiner Form bedeutend hält. Ich muss handeln. Ich muss wieder Dinge tun, die mich betreffen, die mich berühren und die mich bewegen. Und ich muss sie persönlich tun, nicht nur geistig oder virtuell. Morgen ist wieder ein Tag.


Seemann

Ein Freund, dort geblieben;
der Trinkende am Segel.
Ich träumte mich fort
von den schwärzlichen Schiffen,
in einen Berg aus Sonne.


In This Dream I Had (2008)

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Model: Z.


Briefing (XIX)

Hey Canon,

das ist ja dieses mal schlechter als nur suboptimal gelaufen mit uns. Ich hatte mir in den letzten Wochen gedacht: Wenn ich schon so viel arbeite wie in letzter Zeit, dann gönne ich mir doch mal was richtig Teueres von meiner Lieblingsmarke und habe mir die neue EOS 50d bestellt, die auch promt per Expresslieferung eintraf (normalen Postsendungen vertraue ich aus gewissen Gründen ja nicht mehr wirklich). Die Kamera schien auf dem Papier perfekt für meine hohen Ansprüche: 15 Megapixel, optional ISO bis 12.800, 6 Bilder pro Sekunde und das bis zu 90 Aufnahmen in Folge. Ein echtes High-End-Monster von einer digitalen Spiegelreflex.

Als das Teil dann am Samstag ankam und ich erst am Abend ausführlicher Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen, war ich auch noch total zufrieden: Knackscharfe Bilder mit dem eingebauten Blitz, Fokus extrem schnell, passte eigentlich alles. Aber am nächsten Tag, beim Outdoor-Test mit ISO400 und höher folgte dann schnell die Ernüchterung: Nicht, dass die Bilder schlecht ausgesehen hätten. Aber in der 100%-Ansicht zeigten sie doch alle Mini-Verwacklungen und/oder sahen recht weich aus, das Rauschen, das mich deutlich an Filmkorn erinnerte war zum Teil auch deutlicher als bei meiner inzwischen schon fast drei Jahre alten EOS 350d und zwar nicht erst bei hoher Lichtempfindlichkeit. Ich habe dann diverse Testbilder gemacht und festgestellt: Ja, das ist nicht nur eine subjektive Sache und nein, ich bin nicht plötzlich zu dumm zum Photographieren. Die Bilder von meiner alten Kamera, einfach hochskaliert auf 15 Megapixel sahen schlicht besser aus. Wozu dann aber so viel Geld ausgeben?

Drüben, im DSLR-Forum reichten die Aussagen in dem inzwischen auf mehr als 200 Beiträge angewachsenen, von mir zu dem Thema eröffneten Thread dann von „Was denn? Ist doch superscharf“ über „15 Megapixel verwackelt man halt leichter“ bis hin zu „die 50d braucht halt teuere Linsen“. Wie es halt so läuft mit technikbegeisterten Amateuren in Internetforen, die sich für Experten halten. Ob meine Objektive (die sich alle im preislichen Bereich von 500 Euro bewegen) nicht hochwertig genug für die Kamera waren, kann ich nicht sagen, es mag sogar wirklich stimmen, aber wenn ich ein Bild von meiner alten Kamera einfach auf die gleiche Größe bringen kann (noch dazu ohne irgendwelche Spezialsoftware, sondern einfach nur vergrößern) und das deutlich besser aussieht als das Bild von der neuen Kamera, dann investiere ich mein Geld doch erstmal lieber anderweitig und sehe ein, dass der Megapixelwahn auch seine Schattenseiten hat. Wenn ich wirklich die schweineteueren L-Ojektive brauche, um den Sensor der 50d gut zu versorgen, dann ist sie für meine Zwecke jedenfalls völlig unbrauchbar. Aber vielleicht war speziell das Exemplar das ich erwischte auch nur ein sogenanntes “Montagsmodell”. Ich werde es irgendwann rausfinden. Derweilen ist das gute Stück jedenfalls wieder bei dem Online-Anbieter von dem ich es gekauft hatte und das Geld wieder auf meinem Konto. Dort wird letzteres eigentlich auch dringend gebraucht und derjenige, der die Kamera statt meiner kauft, wird sicher viele Jahre seine Freude damit haben, denn nicht jeder guckt so extrem kritisch auf seine Bilder wie ich.

Ich bleib Dir natürlich trotzdem treu, kommt ja doch keine Andere an Dich ran. Wird schon irgendwann wieder was mit uns, so kameramäßig. Aber die 50d war es wohl nicht,

Dein Sebastian


Instant Poetry (CXLII)

Es folgt ein blasser Gast;
er rudert wild mit Worten:
„Seltsam kostbar muss es sein
und brennend, voller Lust,
zu Mittag wie zu Abend.“

Ich wusste sofort, was er meint.