Delivered By Ghosts (2009)

Ganz oben, trocken Brot
Kleiner Mann, allein
in Rio de und Amerika:
Raketen werfen Plastikbomben: Heimat.
Stell dir vor es bleibt Ba-Ba-Banküberfall,
ganz oben, trocken Brot und keine Schokolade.
REM – „Around The Sun“
(2004/Rock)
Drei Jahre nach dem schon leicht schwächelnden Sommeralbum „Reveal“ war bei R.E.M. 2004 endgültig die Luft raus: „Around The Sun“ dudelt seicht und belanglos zum einen Ohr rein und direkt zum anderen wieder hinaus. Streckenweise stellt sich die Frage, wie Michael Stipe es schafft, so gelangweilt zu klingen und gleichzeitig so wenig erinnerungswürdige Melodien zu finden, denn einige der Songs scheint man direkt nach dem Anhören schon wieder vergessen zu haben. Wäre auf dieser Platte mit ‘Leaving New York’ nicht wenigstens ein starker Song enthalten, müsste man sie als komplettes Desaster bezeichnen. Zum schlechtesten REM-Album reicht es aber auch so. 3/10
Abschreckendes Beispiel: ‘Make It All Ok’ (hier).
Satyricon – „Now, Diabolical“
(2006/Black Metal)
Satyr (bürgerlich Sigurd Wondgraven) verwirft alle vorherigen Überlegungen zum elitären und einzigartigen Genre Black Metal und spielt nur noch simple Black ‘n’ Roll-Riffs, zu denen er eingängige Zeilen wiederholt. Man könnte fast glauben, er wolle Hits schreiben. Verübeln kann man es ihm nicht, war der geniale Rocker ‘Fuel For Hatred’ des Vorgängeralbums „Volcano“ doch ein paar Jahre vorher in aller Ohren. Erzwingen aber kann man einen solchen Song nicht und so verliert sich das Satyricon-Album „Now, Diabolical“ In Substanzlosig- und Oberflächlichkeit, die weit entfernt vom klirrenden Schwarzmetall der frühen Tage oder dem radikalen und avantgardistischen Industrial-Black Metal von „Rebel Extravaganza“ ist. 3/10
Abschreckendes Beispiel: ‘K.I.N.G.’ (hier).
Nine Inch Nails – „With Teeth“
(2005/Industrial-Rock)
Der bewusste Verlust der Ausnahmestellung: Waren Trent Reznors Nine Inch Nails vor diesem Album eine Band, die nur alle fünf Jahre ein grandiose Veröffentlichung auf den Markt brachte, begann mit dem radio- und alternative-freundlichen „With Teeth“ ein klein bisschen der Ausverkauf. Man merkt diesem Album an, wie sehr Reznor endlich in die Indie-Discos und die Rock-Charts will, die Nine Inch Nails, vorher kompromisslose Industrial-Rocker, klingen hier stellenweise wie die Foo Fighters, freilich ohne guten Gesang eines Dave Grohl. Die Fratze des Mainstream-Rock (oder schlimmer: das, was Reznor dafür hält) lugt um die Ecke, und auch wenn es ein paar gute Tracks auf der Platte gibt, ist sie insgesamt doch das Gegenteil ihres Titels: ziemlich zahnlos. 5/10
Abschreckendes Beispiel: ‘The Hand That Feeds’ (hier).
Arnold an Maria ‘Mietze’ Priester, 12.Dezember 1914
Meine liebe Mieze!
Zwar ist die Geisterstunde schon nahe und viel Gelaufe und tiefes Nachdenken hat mich müde gemacht, dennoch aber will ich Dir noch heute gleich auf Deinen Brief antworten. Herzlich danke ich Dir dafür, er hat mich so froh gemacht. Traurig und freudlos schon sind mir Wochen vergangen. Dein Brief vor diesem letzten, lieben war so schmerzvoll, so niederschlagend, daß ich in Vergnügen aller Art unterzukriegen suchte, was mich quälte. Fast jeden Abend ging es hinaus in fröhliche Gesellschaft. Auch Pensionat Senger traf ich einst bei Fräulein Ottmann und tanzte mit einigen Damen daraus, ja hatte die Cousine meines Freundes Hasenjäger sogar zum Kaffee gebeten. Doch alles Gebraus und Festgetöse gab mir nicht meine offene Fröhlichkeit wieder, manche zu dolle Nacht machte mich sogar noch unfreundlicher und unfroher. Es war, Du siehst, eine gräßliche, unschöne Zeit. Vor allem fragte ich mich immer wieder: „Warum, warum hat Dir Mieze DEN Brief gesandt?“ Ich zürnte Dir nicht darum, ich tadelte Dich nicht, ich dachte auch nie mit Tante über Deinen Charackter überein, das hast Du falsch aufgefasst, Liebe Mieze, sondern war nur wahnsinnig traurig, daß gerade Du so Deine Launen grundlos an mit ausließest. Doppelt dankbar bin ich Dir nun, daß Du es doch über Dich brachtest, mir zu schreiben, solch herzlichn Brief zu schicken. Wie freue ich mich, dass Deine Gedanken, doch noch bei mir weilten. Könnte ich doch direkt nach H. kommen und Dir danken und Dir sagen, wie ich mich nach solchen Zeilen von Dir sehnte. Immer, immer eher habe ich Dich lieb, daß weißt Du, doch. Darf ich das aber? – Wie oft fragte ich mich bang danach. Könnte es Dir, liebe Mieze, nicht schaden gar? Bitte, bitte, verstehe mich recht darin. Als ich zuletzt Dich bat, nach H. zu kommen, hätte ich so gern über manches mit Dir gesprochen, was ich Briefen nicht anvertrauen möchte. Doch das wird nie möglich werden, Dir nocheinmal in die lieben Augen zu blicken, wenn ich auch Anfang April noch einmal nach H. komme. Kannst Du nicht einmal nach Br. gesprungen kommen. Das wäre doch ganz wunderbar.
Hoffentlich gibt Dir mein Brieflein nun alle Deine Ruhe wieder, wie mir der Deine auch Frohsinn und Offenheit wiedergab. Ich glaube, ich dummes Menschenkindle war Deine Liebe gar nicht wert.
Lebe wohl nun! Gute Nacht! Guten Morgen! Herzlich sein gegrüßt von
Deinem Arnold.
*Orthographie, Interpunktion und Paragraphen wie im Original. Das Copyright an diesen Texten liegt bei dem aktuellen Besitzer (dem Autor dieses Blogs). Anm. des Transkribienten.
An Deine Kerkerwand gepinselt:
Rote Bilder, voller Jugendsinn,
im Halbdunkel oft lebendiger als Du.
An Leben ist heut nicht zu denken,
denk ich mir und starre weiter
eben jene Fratzen an.
1. Thorns – „tba.“ (VÖ: Erstes Quartal)
2. Wolves In The Throne Room – „Black Cascade“ (VÖ: Ende März)
3. Immortal – „tba.“ (VÖ: Unbekannt)
4. Shining -„VI / Klagopsalmer“ (VÖ: Unbekannt)
5. Borknagar – „tba.“ (VÖ: Ende Januar)
Glänzende Flügel auf goldner Ferne,
Lichter voller Kehle;
Und’ n Blitz vom Dach.
Die schon seit einiger Zeit bekannte Geschichte mit den unerlaubten Melodien (manche sagen auch wertender „Plagiate“ dazu) von zwei Metal-Bands in den Songs des Gangsta-Rappers Bushido (bürgerlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi), die sogar der Bild schon eine recht reißerische Schlagzeile wert war („Satanisten-Rocker klagen: Bushido hat uns beklaut!“) hat es jetzt auch zu Spiegel TV geschafft. In dem recht sehenswerten Bericht wird sehr deutlich, dass sich Bushido mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehrfach bei den norwegischen Black-Metallern Dimmu Borgir und der französischen Gothic-Band Dark Sanctuary bedient hat. Spiegel TV hat sich sogar die Mühe gemacht, nach Norwegen zu fliegen und den Gitarristen Silenoz (bürgerlich Sven Atle Kopperud) und den den Keyboarder Mustis (bürgerlich Øyvind Johan Mustaparta) von Dimmu Borgir zu dem Thema zu interviewen, die sich beide als recht intelligente Burschen entpuppen.
Zwei Worte zu der Sache an sich: Natürlich gehört Sampling genau so sehr zum Genre HipHop wie Power chords zum Metal, das ist gar keine Frage. Aber zum einen ist es eine Selbstverständlichkeit, bei der Verwendung eines Samples bei der entsprechenden Plattenfirma die Rechte einzuholen und einen entsprechenden Betrag dafür zu bezahlen, zum anderen ist die komplette Eins-zu-Eins-Übernahme von Melodien weit mehr als nur ein Sample. Im Grunde bilden die Melodien der beiden Bands, um die es geht, nämlich das komplette Fundament der entsprechenden Bushido-Songs. Videos mit genauen Vergleichen der Songs gibt es auf youtube zuhauf, es wäre müßig, darauf im Einzelnen zu verlinken.
Ich hab leere Hände
und kein Land gewonnen.
Von der Erderwärmung kriegen wir hier sowieso nix mit.
Anders Thomas Jensen – „Adams Äpfel“ (Film; 2005)
„Adams Äpfel“ ist in seinem Kern ein Film über das Gute, das immer über das Böse siegt, ein flammendes Plädoyer für den Optimismus in jeder noch so auswegslosen Situation. Tolle Bilder, große Symbolik, schräger Humor, ständiges Hinterfragen der Perspektive ohne viel äußere Handlung. Selbst die nur als Vehikel für die Botschaft benutzte Religion passt perfekt in diesen Film von beinahe literarischer Qualität. 9/10
Kevin Smith – „Chasing Amy“ (Film; 1997)
Regisseur Kevin Smith aka Silent Bob ist Experte für diese Art von Filmen: Die vielleicht nerdigste Tragikomödie aller Zeiten glänzt mit skurrilen Situationen, liebenswerten Figuren und verdammt vielen sexuellen Anspielungen. Anders als sonst: Hier wird dennoch eine große Liebesgeschichte nahtlos eingebaut und mit viel Gespür für richtiges Timing inszeniert. Trotzdem: Ben Affleck hätte wirklich nicht sein müssen. 8/10
Scott Weiland – „Happy In Galoshes“ (Musik:Album; 2008)
Nach dem Ausstieg bei der Supergroup Velvet Revolver versucht es Scott Weiland zum zweiten Mal alleine. Und macht gleich mal ein Doppelalbum. Das Problem dabei: Das Album ist höchst durchwachsen, stilistisch uneindeutig, es wirkt zerfahren, das Ganze, qualitativ pendelt das Niveau zwischen hochwertig und lauwarm. Ein roter Faden ist nirgendwo in Sicht, dafür ein paar gute Songs. Das reicht aber nicht. 5/10