L’Évidence Éternelle II (2009)

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Model: Z.


L’Évidence Éternelle I (2009)

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Model: Z.


Konstellation.

(…) zumindest bis zu dem Tag, an dem er Gott begegnete. Gott war ein tätowierter und gepiercter Mann mittleren Alters, der hinter einem riesigen, quadratischen und seltsam leuchtenden Fenster am Himmel saß, welches mit komischen Symbolen und Zeichen beklebt war. Gott saß einfach so da und starrte durch eben dieses Fenster, starrte ausdruckslos und mit geröteten Augen zwischen zwei von den zweifellos magischen Symbolen, die mit kryptischen Namen wie „Arbeitsplatz“ und „Firefox“ betitelt waren, hindurch, als L. die Landstraße mit seinem Wagen entlang fuhr. L. hatte schon den ganzen Tag darüber nachgedacht, was an diesem Tag anders war als sonst, und als es ihm irgendwann auffiel, konnte er gar nicht anders, als nach oben zu blicken und dort Gott zu entdecken.

Es war an diesem ganzen Tag nämlich keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. L. hatte es noch nie erlebt, dass keine Wolken zu sehen waren. Er hatte zwar eine ganz normale Vorstellung von Wetter und dem zyklischen Wechsel der Jahreszeiten, aber ihm war bis zu diesem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Tag noch niemals bewusst aufgefallen, das sich das Klima auf seinen ganzen Reisen nie wirklich verändert hatte. Normalerweise war vierundzwanzig Stunden alles grau in grau. Und an diesem Tag? Leuchtendes Blau und mittendrin dieses komische Fenster mit dem Gott-Mann, der sich gerade am Kopf kratzte und sich anschließend einen länglichen weißen Gegenstand in den Mund steckte, den er mit einem anderen Gegenstand in Brand zu setzen schien. Rauch stieg auf, Gott atmete tief ein, gab ein donnerndes Seufzen von sich, bevor auch aus seinem Mund Rauch kam, der den blauen Himmel wieder halbwegs vernebelte. L. hatte längst seinen Wagen am Rand der Straße geparkt und blickte fassungslos nach oben zu dem Mann am Himmel, der gerade damit anfangen wollte, L.s Geschichte weiterzutippen, ihn irgendwo ankommen zu lassen und plötzlich stockte, als er bemerkte, dass L. nicht nur angehalten hatte, sondern sich mit ihm zu beschäftigten schien.

„Ach du heilige Scheiße!“ sagten die beiden Männer beinahe lippensynchron, als sie sich vollends bewusst wurden, dass sie nicht nur jeweils den Anderen beobachten, sondern sich auch gegenseitig als Existenzen wahrnehmen konnten, so verschieden ihre beiden Welten nicht nur auf Plot-Ebene waren.

Der Moment dauerte nur ein paar Sekunden, dann begann Gott hektisch zu tippen und L. fing intuitiv an, wegzulaufen so schnell er konnte. Er wusste, was der der Mann hinter dem Fenster vorhatte: Er wollte ihn umbringen.  Und er hatte  verdammt gute Karten, denn er schrieb schließlich L.s Geschichte.


Urgrund (2008)

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Flohmarktbriefe (X)

Friedrich ‘Fritz’ Ritter an Maria ‘Mietze’ Priester, 21.Januar 1921

Mieze, liebe Mieze,

Weshalb bist Du mir so aufgeregt? Gab Dir, mein Lieb, denn mein letzter Brief noch keine Beruhigung? Die richtige Erklärung für das „entsetzliche Schweigen“ hast Du bereits selbst gefunden. Meine Karte bestätigte die von Dir flüchtig geäußerte Vermutung, ich könne meinerseits was tun. Das tat ich denn ausgiebig zwölf ganze Tage lang und mir war wirklich nicht wohl dabei. Dafür sorgten jene Andeutungen, die Du in Verbindung mit den Äußerungen des Schmerzes über den bösen Brief laut werden ließest. Du suchtest mich wohl zu beschwichtigen mit dem an sich ja erfreulichen Wort so leicht ließest Du Dich nicht „herumkriegen“, und ich möchte mir „nicht schlimmes“ denken. Aber Du gibst selbst in Deinem letzten Schreiben ein Beispiel dafür, wie schnell man sich etwas schlimmes denkt. Auch wenn nicht der geringste Grund vorhanden ist. Wenn jedoch ein solche Anlaß vorliegt, wenn schon einmal von einem Unwohlsein des Liebsten die Rede gewesen ist, von dessen endgültiger Überwindung noch keine Kunde kam, wenn man befürchten muss dieses Unwohlsein – zwar ungewollt – selbst noch verstärkt zu haben, dann, nur dann lässt sich eine Erregung rechtfertigen, wie Du sie, mein süßes, holdes Mächen, zeigts, ohne trifftige Ursache und ich sie empfand mit guten Grund, wie Du billig gestehen musst. An eine Art Revanche Deinerseits habe ich selbstredend – um es hier gleich zu sagen – nicht gedacht. Das Wort fuhr mir nur so heraus in dem Bestreben den inneren Aufruhr irgendwie Luft zu machen. Sinn hatte es nicht. Wie entspräche eine solche Absicht auch Deiner Herzengüte und Lauterkeit.

Und nun kam endlich Dein lieber, lieber Brief. Mit welcher Freude empfing ich ihn, legte ihn erst eine ganze Stunde lang vor mich hin, um mich daran zu entzücken wie an einem süßem Geheimnis, dessen Entschleierung nahe bevorsteht. Und dann erschloß ich ihn. Alle Besorgnisse, es könnte Dir inzwischen nicht gut ergangen sein, schwiegen mit eins. Ich begann zu lesen in der wonnigen Überlegung, nur herrliche Eindrücke zu empfangen. Und sie waren es. Welch Meer von Liebe gießt Du doch über mir aus, mein Glück, mein Leben, meine Mieze! Liebe, Liebe, klingt mir beseeligend auch aus all Deinen Klagen entgegen. Mieze, liebe Mieze, ich bin Dir doch so gut, so unendlich wie Du mir. Ich wünschte, ich könnte mich durch die Lüfte zu Dir schwingen, wenn Du von den Bergen meinen Namen ins Weite rufst. Still! Hörte ich eben nicht Deine Stimme? Nein, mein Blut nur singt Mieze, Mieze und wird es singen in Ewigkeit fort.___________

Wenn ich den Brief nicht sofort forttrage erhältst Du ihn vor Montag nicht mehr. Daher breche ich so kurz ab, um bald fortzufahren. Bin so müde, da es sehr viel zu tun gab. Erzähle davon. Bette nun mein Haupt in Deinem Schoß u. schlafe, träume. Von wem wohl? Du, Liebe?

Dein Fritz.

*Orthographie, Interpunktion und Paragraphen wie im Original. Das Copyright an diesen Texten liegt bei dem aktuellen Besitzer (dem Autor dieses Blogs). Anm. des Transkribienten.


Words (2009)

Words


Metareflexion, yeah! (XXXIV)

Audienz (III)

„Es läuft nicht. Was kann ich tun?“, frage ich. Es war mir ernst. Ich war kurz davor, alles hinzuwerfen. Zumindest teilweise.

„Auf keinen Fall damit anfangen, das gleiche Spiel wie alle Anderen zu spielen oder den netten Typen von nebenan zu mimen beginnen, der jeden lieb hat und dafür seine Ideen verwässert. Nicht darauf achten, ob die Dinge laufen oder nicht“, sagte er mit einem verächtlichen Unterton in der Stimme, der wohl ausdrückten sollte, dass die Lösung so offensichtlich sei, dass nur ein Dummkopf nicht von selbst auf sie stoßen konnte.

„Natürlich ist es völlig egal.“ – „Lüg Dich nicht selbst an. Es ist Dir nicht egal, überhaupt nicht. Bekomme jetzt nur keine kalten Füße: Die Anerkennung , die Du einforderst für das, was Du tust, wird kommen. Bleib kompromisslos.“ – „Aber kompromisslos kann man auch in die falsche Richtung sein, oder?“

Er zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er antwortete. Ich hatte ihn kurz Zweifeln lassen. Ich grinste, innerlich, als ich das bemerkte. „Ja, natürlich kann man das. Aber nicht, wenn man halbwegs intelligent ist. Kompromisslosigkeit ist in jedem Fall der einzige Schlüssel zu jeglichem echten Erfolg, völlig egal, wie dieser auch aussehen soll. Glaub an Dich, mach Dein Ding und kümmere Dich nicht darum, dass der Erfolg nicht heute kommt, nicht morgen und auch nicht in fünf Jahren. Mach weiter und lass Dich nicht beirren. Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber es ist die Wahrheit. Es wird sich auszahlen, aber es wird ein verdammt harter Weg, auf dem Du immer und immer wieder das tun musst, was Du gut kannst, um mehr und mehr Leute zu finden, die möglicherweise sehen, dass Du das tatsächlich gut machst. Wichtig ist auch, dass Du trotz allem für konstruktive Kritik offen bleibst. Lass Dir nicht sagen, was Du tun sollst und folge keinen Trends, aber höre genau zu, was die Leute Dir sagen. Es ist wichtig, damit Du Dich nicht in den sprichwörtlichen mentalen Elfenbeinturm verziehst“, sagte er.

„Und warum sollte das funktionieren? Warum sollten irgendwann irgendjemand etwas gut finden, nur weil es mehrmals getan wird?“ – „Aus zwei Gründen: Einerseits bewundern es die Menschen, wenn Du Ihnen Dinge immer und immer wieder mit viel Beharrlichkeit servierst, egal was es ist. Photographiere jeden Tag Deine eigene Scheiße über ein paar Jahre hinweg und Du wirst ein Star. Versprochen. Und andererseits ist der Mensch ein Traditionswesen. Was er öfter sieht oder liest, prägt sich bei ihm ein, es formt eine eigene Ästhetik, selbst wenn es zu Beginn noch völlig für sich steht. Alleine Kompromisslosigkeit und Beharrlichkeit machen den Schlüssel zum Erfolg aus. Guck Dir die Kunst- und Kulturgeschichte doch einfach mal an: Sie ist voll von Freaks, die Sachen immer und immer wieder durchgezogen haben, die eigentlich absolut schwachsinnig sind. Allein die kompromisslose Beharrung auf diesen Konzepten führte dazu, dass es die Leute irgendwann begannen, den Blickwinkel zu ändern und durch die Augen der Künstler und mit der Erfahrung des vorher schon gesehenen auf die Werke zu blicken. Wiederholung von Dingen, an die man glaubt, ist Überzeugungsarbeit. Und zwar auch an sich selbst.“


Instant Poetry (CLV)

Halbverwurzelt im ablenkenden Nebensinn:
Deine Windmaschinen erzeugen nur Sommerlochlüftchen.


Wolves In The Throne Room @ Hafenklang Hamburg II

wolves1

Wolves In The Throne Room Live @ Hafenklang Hamburg, 29.06.2009


Wolves In The Throne Room @ Hafenklang Hamburg I

Wolves In The Throne Room

Wolves In The Throne Room Live @ Hafenklang Hamburg, 29.06.2009


Metareflexion, yeah! (XXXIII)

Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (X):

-„schreiben gute besserung nach einem schiunfall“
-„üble nachrede in studivz“
-„girlfriend is older than me“
-„schlampig gute gründe“
-„wie wird man musikjournalist?“
-„surrealistisch mensch aus uhren“
-„glücksanleitung“
-„nächtliches milchtrinken in filmen“
-„bier und rocknroll ostdeutschland“
-„marilyn manson welche musikrichtung“

Ein paar von diesen Menschen kann ich wie immer nachträglich helfen, selbst wenn sie sicherlich hier nicht gefunden haben, wonach sie gesucht haben und auch wenn ich leider nicht pauschal sagen kann, was man nach einem Schiunfall so schreibt oder was es mit nächtlichem Milchtrinken in Filmen auf sich hat (wtf?): Marilyn Manson macht jedenfalls Industrial-Rock (auf „Mechanical Animals“ aber mit einer Portion Glam), Musikjournalist wird man, indem man einfach ein paar Jahre vor sich hin schreibt und sich dann bei einem Online-Magazin bewirbt, dort wieder ein paar Jahre vor sich hin schreibt und irgendwann bei einer Zeitschrift landet, Salvador Dalí hat nie Menschen aus Uhren gemalt, dafür aber zerfließende Uhren und Gründe für Schlampigkeit gibt es wirklich gar keine, denke ich. Dafür aber verbinde ich Ostdeutschland auch mit Bier und Rock’n'Roll, hatte schon einmal eine wesentlich ältere Freundin und meine kleine Glücksanleitung lautet wie folgt: Mach das, was Du gerne machst, zu Deinem Beruf! So, alles geklärt. Oder?


Instant Poetry (CLIV)

Für immer Kind / und doch nicht ganz unsterblich. †


Letters (2009)

Handgeschriebene Briefe und ein Füllfederhalter