Lorem Ipsum.

Ich griff zum Telefon und informierte die Menschen über das, was passieren würde. Niemand von Ihnen hatte auch nur die geringste Ahnung, dass es schon morgen so weit gewesen wäre. Ich kann mir gar nicht oft genug ausmalen, was passiert wäre, wenn ich diese Menschen nicht informiert hätte über das, was passieren könnte und ich muss zugeben: Je öfter ich es mir ausmale, desto öfter passiert es, dass ich eine diebische Freude bei Vorstellung bekomme, ihre Gesichter  sehen  zu können im Angesicht dessen, was sie erwartet hätte, wenn ich sie nicht in Kenntnis gesetzt hätte. Nun, ich habe sie in Kenntnis gesetzt und selbst wenn ich das nicht getan hätte, dann hätte ich natürlich auch nie ihre Gesichter im Moment ihres eigenen Erkennens gesehen. Das wäre gänzlich unmöglich gewesen, man kann ja nicht an mehreren Orten gleichzeitig sein und diese Menschen wohnen an unterschiedlichen Orten. Selbst um eines der Gesichter zu sehen hätte ich in den entsprechenden Ort reisen müssen, mich vor dem Haus der betreffenden Person verstecken, um dann mit einem technischen Hilfsmittel das Gesicht beim Verlassen desselben zu beobachten, beim Anblick dessen, was passiert wäre, wenn ich nicht eingegriffen hätte. Nun ist das alles aber wie gesagt bereits Schnee von gestern, denn es wird nichts passieren, ich habe sie alle erreicht, es wird keine sehenswerten Gesichter beim Anblick des Ereignisses geben, denn das Ereignis wird nicht stattfinden. Und dennoch: Irgendwie fühlte ich mich danach ein bisschen leer. Schuldig, vielleicht, daran, für diese Leute entschieden zu haben, dass das Nichts dem Erlebnis höhersteht. Ich wählte erneut eine Nummer.


Konstellation.

(…) zumindest bis zu dem Tag, an dem er Gott begegnete. Gott war ein tätowierter und gepiercter Mann mittleren Alters, der hinter einem riesigen, quadratischen und seltsam leuchtenden Fenster am Himmel saß, welches mit komischen Symbolen und Zeichen beklebt war. Gott saß einfach so da und starrte durch eben dieses Fenster, starrte ausdruckslos und mit geröteten Augen zwischen zwei von den zweifellos magischen Symbolen, die mit kryptischen Namen wie „Arbeitsplatz“ und „Firefox“ betitelt waren, hindurch, als L. die Landstraße mit seinem Wagen entlang fuhr. L. hatte schon den ganzen Tag darüber nachgedacht, was an diesem Tag anders war als sonst, und als es ihm irgendwann auffiel, konnte er gar nicht anders, als nach oben zu blicken und dort Gott zu entdecken.

Es war an diesem ganzen Tag nämlich keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. L. hatte es noch nie erlebt, dass keine Wolken zu sehen waren. Er hatte zwar eine ganz normale Vorstellung von Wetter und dem zyklischen Wechsel der Jahreszeiten, aber ihm war bis zu diesem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Tag noch niemals bewusst aufgefallen, das sich das Klima auf seinen ganzen Reisen nie wirklich verändert hatte. Normalerweise war vierundzwanzig Stunden alles grau in grau. Und an diesem Tag? Leuchtendes Blau und mittendrin dieses komische Fenster mit dem Gott-Mann, der sich gerade am Kopf kratzte und sich anschließend einen länglichen weißen Gegenstand in den Mund steckte, den er mit einem anderen Gegenstand in Brand zu setzen schien. Rauch stieg auf, Gott atmete tief ein, gab ein donnerndes Seufzen von sich, bevor auch aus seinem Mund Rauch kam, der den blauen Himmel wieder halbwegs vernebelte. L. hatte längst seinen Wagen am Rand der Straße geparkt und blickte fassungslos nach oben zu dem Mann am Himmel, der gerade damit anfangen wollte, L.s Geschichte weiterzutippen, ihn irgendwo ankommen zu lassen und plötzlich stockte, als er bemerkte, dass L. nicht nur angehalten hatte, sondern sich mit ihm zu beschäftigten schien.

„Ach du heilige Scheiße!“ sagten die beiden Männer beinahe lippensynchron, als sie sich vollends bewusst wurden, dass sie nicht nur jeweils den Anderen beobachten, sondern sich auch gegenseitig als Existenzen wahrnehmen konnten, so verschieden ihre beiden Welten nicht nur auf Plot-Ebene waren.

Der Moment dauerte nur ein paar Sekunden, dann begann Gott hektisch zu tippen und L. fing intuitiv an, wegzulaufen so schnell er konnte. Er wusste, was der der Mann hinter dem Fenster vorhatte: Er wollte ihn umbringen.  Und er hatte  verdammt gute Karten, denn er schrieb schließlich L.s Geschichte.


Metareflexion, yeah! (XXXIV)

Audienz (III)

„Es läuft nicht. Was kann ich tun?“, frage ich. Es war mir ernst. Ich war kurz davor, alles hinzuwerfen. Zumindest teilweise.

„Auf keinen Fall damit anfangen, das gleiche Spiel wie alle Anderen zu spielen oder den netten Typen von nebenan zu mimen beginnen, der jeden lieb hat und dafür seine Ideen verwässert. Nicht darauf achten, ob die Dinge laufen oder nicht“, sagte er mit einem verächtlichen Unterton in der Stimme, der wohl ausdrückten sollte, dass die Lösung so offensichtlich sei, dass nur ein Dummkopf nicht von selbst auf sie stoßen konnte.

„Natürlich ist es völlig egal.“ – „Lüg Dich nicht selbst an. Es ist Dir nicht egal, überhaupt nicht. Bekomme jetzt nur keine kalten Füße: Die Anerkennung , die Du einforderst für das, was Du tust, wird kommen. Bleib kompromisslos.“ – „Aber kompromisslos kann man auch in die falsche Richtung sein, oder?“

Er zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er antwortete. Ich hatte ihn kurz Zweifeln lassen. Ich grinste, innerlich, als ich das bemerkte. „Ja, natürlich kann man das. Aber nicht, wenn man halbwegs intelligent ist. Kompromisslosigkeit ist in jedem Fall der einzige Schlüssel zu jeglichem echten Erfolg, völlig egal, wie dieser auch aussehen soll. Glaub an Dich, mach Dein Ding und kümmere Dich nicht darum, dass der Erfolg nicht heute kommt, nicht morgen und auch nicht in fünf Jahren. Mach weiter und lass Dich nicht beirren. Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber es ist die Wahrheit. Es wird sich auszahlen, aber es wird ein verdammt harter Weg, auf dem Du immer und immer wieder das tun musst, was Du gut kannst, um mehr und mehr Leute zu finden, die möglicherweise sehen, dass Du das tatsächlich gut machst. Wichtig ist auch, dass Du trotz allem für konstruktive Kritik offen bleibst. Lass Dir nicht sagen, was Du tun sollst und folge keinen Trends, aber höre genau zu, was die Leute Dir sagen. Es ist wichtig, damit Du Dich nicht in den sprichwörtlichen mentalen Elfenbeinturm verziehst“, sagte er.

„Und warum sollte das funktionieren? Warum sollten irgendwann irgendjemand etwas gut finden, nur weil es mehrmals getan wird?“ – „Aus zwei Gründen: Einerseits bewundern es die Menschen, wenn Du Ihnen Dinge immer und immer wieder mit viel Beharrlichkeit servierst, egal was es ist. Photographiere jeden Tag Deine eigene Scheiße über ein paar Jahre hinweg und Du wirst ein Star. Versprochen. Und andererseits ist der Mensch ein Traditionswesen. Was er öfter sieht oder liest, prägt sich bei ihm ein, es formt eine eigene Ästhetik, selbst wenn es zu Beginn noch völlig für sich steht. Alleine Kompromisslosigkeit und Beharrlichkeit machen den Schlüssel zum Erfolg aus. Guck Dir die Kunst- und Kulturgeschichte doch einfach mal an: Sie ist voll von Freaks, die Sachen immer und immer wieder durchgezogen haben, die eigentlich absolut schwachsinnig sind. Allein die kompromisslose Beharrung auf diesen Konzepten führte dazu, dass es die Leute irgendwann begannen, den Blickwinkel zu ändern und durch die Augen der Künstler und mit der Erfahrung des vorher schon gesehenen auf die Werke zu blicken. Wiederholung von Dingen, an die man glaubt, ist Überzeugungsarbeit. Und zwar auch an sich selbst.“


Am Strand

„Jetzt mal ganz im Ernst, Frank: Wir sind hier noch nicht mal einen Tag. Wir haben einen Flugzeugabsturz überlebt, ohne auch nur eine Schramme abzubekommen. Und das hier ist eine verdammt nette, kleine Insel, auf der es Wasser, Sonne, Strand und was zu Essen gibt. Wir haben, dank dem fast intakten Lagerraum, Umengen an Alkohol hier. Abgesehen davon sind wir beide Mitte vierzig und haben alle beide wohl nicht all zu viel zu Hause zu verpassen, Du hast einen Notruf abgeschickt, der höchstwahrscheinlich gehört wird und wenn wir doch hier verrecken sollten, dann soll es das wohl einfach gewesen sein. Also erklär mit doch mal bitte, wo Du gerade die große Tragödie siehst, die Dich dazu bringt, permanent eine blöde Hackfresse zu ziehen? Hattest Du kein schönes Leben bisher?“

„Kommt auf die Definition an“, murmelte Frank und starrte dabei weiterhin den Sand an.

Josef sah ihn mit seinem berühmten Du-bist-ja-doch-nicht-so-dumm-wie-alle-immer-dachten-Blick an: „Genau so ist es. Denk mal im Ruhe darüber nach.“


Zusammenkunft

Blinde Boten lesen leere Blätter,
gefleckte Moose sprechen ganze Bände:

Herr K. trifft ETA auf ein schnelles Bier am Feierabend.


Der Läufer.

„Nicole spürt den Schnee unter ihren Füßen, sie spürt, wie ihre Körpertemperatur den gefrorenen Regen ein klein bisschen schmelzen lässt, wenn sie mehr als eine Sekunde an der selben Stelle verharrt. Und dann rennt sie. Sie rennt schnell, plötzlich und ohne nachzudenken, sie denkt so wenig nach, dass sie blindlings in den Wald läuft, ohne auch nur einen Gedanken an die bösen Jungs zu verschwenden, die sich dort manchmal aufhalten. Die Vergewaltiger. Ihr Vater hat sie immer vor den Vergewaltigern gewarnt, ihr ausführlich alle Schrecken beschrieben, die sie erwarten würden, wenn sie die Kerle erwischen, so ausführlich, dass sich Nicole manchmal fragt, ob ihr Vater nicht früher auch ein Vergewaltiger gewesen sein könnte.

Warum Nicole durch den Schnee und in den Wald läuft, warum sie keine Schuhe trägt, das erfahren wir nicht, denn wir steigen ganz unvermittelt in die Geschichte ein, vielleicht aber weiß sie es auch selbst nicht, denn während sie dort durch den frühen Abend läuft, wird das Rennen fast zu einem Selbstzweck. Ihr Haare fliegen durch die Luft, ihr Herz schlägt immer schneller, Muskeln spannen sich an und entspannen sich wieder und irgendwann ist sie an dem Punkt angelangt, an dem sie eigentlich nicht mehr weiterlaufen kann, an dem sie hinfallen, einen Fehler machen müsste. Aber Nicole rennt einfach weiter, sie nimmt diesen Punkt, ohne seine Existenz auch nur mit einem kleinen Wimperzucken anzuerkennen. Bald hat sie das Waldstück halb durchquert, schon kann sie das große, weite Feld dahinter sehen. Und über dieses Feld läuft sie jetzt schon, während Du hier sitzt und Dir Gedanken über Dinge machst, die vielleicht irgendwann in der Zukunft einmal passieren könnten. Sie sie Dir an, Bernd, gleich ist sie gänzlich aus Deinem Blickfeld entschwunden. Zieh Dir Deine verdammten Schuhe aus. Und mach wenigstens ein paar Schritte, wenn Du schon nicht zum Läufer geboren bist.“

„Ich habe Angst“, sagte Bernd. Er behielt seine Schuhe aus und starrte weiterhin in das Kaminfeuer, das hier drinnen den Winterabend erwärmte. „Dann wirst Du nie irgendwo ankommen“, sagte ich. „Das Laufen führt zu einem Ziel, es ist in Wahrheit kein Zweck an sich. Nicole wird an ihrem Ziel ankommen, auch wenn sie vielleicht noch nicht weiß, was oder wo dieses Ziel ist. Aber Du wirst ewig nur laufen. In Deinen Gedanken.“

„Ich weiß das“, sagte Bernd. Und dann schwiegen wir für den Rest des Abends und tranken unseren Wein.


Die Swantje.

23. Februar 2007

Es war Zufall, dass ich diese Frau, die sich in keine einzige Schublade stecken ließ, was auch dazu führt, dass der Titel dieser Episode (die ich in meiner Reihe von Geschichten über Dates schreibe, ohne dass diese Begegnung auch nur ansatzweise ein Date gewesen wäre) nur ihr Name sein kann, traf, und dass ich später irgendwann allein mir ihr in ihrer Wohnung auf dem Fussboden lag und meinen Finger immer wieder in einen Honigtopf tauchte, der zwischen uns und drei Kerzen auf dem kleinen, merkwürdig niedlichen Teppich stand.

Swantje war großartig. Sie war genau der Typ Frau, den ich händeringend suchte und ich verfluche die Tatsache, dass sie einen verdammten Freund hat: Sie war gebildet, witzig und schön. Und sie war in all diesen Bereichen deutlich über den Durchschnitt, aber in keinem der drei Bereiche in eine merkwürdige oder absonderliche Richtung, die man ihr irgendwie als charakterlichen Fehler anrechnen hätte können oder so dass man denken hätte können, sie würde irgendwann deswegen durchdrehen. Sie hörte Musik, die genau in meiner Richtung ging, kannte aber nicht sehr viele Bands. Ich könnte ihr Tonnen von Mixtapes mit Musik aufnehmen, die sie abgöttisch lieben würde, wenn ich die Gelegenheit dazu bekommen würde. An ihrer Schlafzimmertür hing ein traumhaft schönes Schwarzweißfoto von Audrey Hepburn und in ihrem Bad durfte jeder mit dazu geeigneten Stiften eine Botschaft an der Wand hinterlassen. Ich schrieb meine in zwei verschiedenen Farben (ich wechselte bei jedem Buchstaben den Stift): “Love is Suicide”. Als ich später erneut auf Toilette ging, malte ich um die Botschaft noch ein Herz, das von einem Pfeil durchbohrt wird. Ich glaube kaum, dass sie verstanden hatte, was ich sagen wollte, auch wenn wir doch auch an dem Abend sehr ausführlich über das Thema Liebe sprachen, sie sehr viel dazu zu sagen hatte, sich deutlich bewusst war, dass ihr Freund doch eigentlich nicht der Richtige für sie war und sie nicht wirklich wusste, was Liebe im Kern war, sich aber dennoch mit allen Fasern ihres Körpers danach sehnte.

Swantje war äußerlich ein Hippie, aber sie erzählte davon, wie sie “Drop City” gelesen und dann das Buch einem tatsächlichen Hippie geschenkt hatte, um sein Hippieweltbild zu zerstören. Sie lachte dabei wie ein kleines Mädchen. Swantje war nett genug, um mich und ein paar Freunde von mir, die sie erst einige Minuten kannte, zu sich nach Hause mitzunehmen, aber auch selbstbewusst genug, um Meinungen zu widersprechen, die ihrer zuwiderliefen. Swantje war eine gute Gastgeberin, eine gute Rednerin und eine gute Zuhörerin und sie hätte mich, wenn ich nicht irgendwann um vier Uhr morgens, zwei Stunden nachdem der Letzte von den Anderen weg war, gesagt hätte, dass ich nun gehen würde, vielleicht irgendwann auf die Couch zum Schlafen verwiesen (“naja, das ist immerhin eine Ausziehcouch”), aber nie rausgeworfen. Swantje war, wie sie selbst sagte, manchmal etwas einsam, aber sie war auch stark genug, um nicht einfach nur deswegen in eine WG zu ziehen. Swantje trank in der Kneipe zuerst ein Bananenweizen, dann einen Kräuterschnaps, aber dann zuhause auch ordinären Wein aus dem Supermarkt und einfachen Tee. Sie war geboren in der Nähe von Bremen, hatte in Spanien gelebt und wohnte nun, wenn sie nicht gerade in Bayreuth studierte, bei ihrem Vater in Dresden. Die Frau war eine etwas exotische, norddeutsche Ostdeutsche, mit Augen, die fernöstliche Verwandte suggerierten. Und ihr ganzer Stolz war eine Sonnenbrille, deren Gläser größer waren, als die jeder Sonnenbrille, die ich je gesehen hatte. Ich fasse zusammen: Sie war absolut unglaublich.

Als ich, feige, wie ich leider in solchen Situationen oft bin, am Ende einfach nach Hause ging, ohne auch irgendetwas zu versuchen, was andeuten hätte können, wie schnell ich mich schon halb in sie verliebt hatte, umarmte sie mich zum Abschied. Ich sagte: “Schön, Dich kennen zu lernen”, wünschte eine gute Nacht und torkelte die nächste Stunde zu Fuß ans andere Ende der Stadt zurück in meine Wohnung, wobei das Torkeln höchstens zu fünfzig Prozent auf den Alkoholkonsum zurückführbar sein konnte. Ich war an diesem Abend der perfekte Gentleman, der perfekte Verrückte, der perfekte Mensch gewesen, ich war so, wie ich es nie vor einem Fremden auch nur im Traum sein könnte und das war völlig absurd. Ich werde ihr morgen eine eMail schreiben, die sie auf irgendeine Seite von mir im Netz  und schlussendlich zu meiner Homepage führen soll, so dass sie auch von mir ein bisschen beeindruckt ist, denn ich bin mir nicht völlig sicher, ob ich heute/gestern Abend nicht einfach nur völlig normal in Gegensatz zu meiner sonstigen scheinbaren Abwesenheit war und kein bisschen beeindruckend.

Wenn ich nicht mit ihr zusammen sein kann, dann will ich mit Swantje T. befreundet sein. Um jeden Preis. Ich will, dass sie mich mag.


Wenn, Dann.

Der Sturm riss Deinen Reichtum fort,
und dann war alles nur noch Stille.

Verlass Dich nicht allein auf das, an das Du glaubst.


Bloglichter (I)

Eine meiner Meinung nach sehr sinnige Aktion, ins Leben gerufen von Stylespion.de: „Ein Herz für Blogs“ (bzw.  „Ein ♥ für Blogs“) fordert dazu auf, unbekannte Weblogs kurz vorzustellen und weiterzuempfehlen. Dem schließt sich Die Irrlichterkette trotz eigener Unbekanntheit hiermit an, auch es normalerwiese nicht zu meinem Repertoire gehört, bei derartigen kurzlebigen Aktionen mitzumachen. Aus diesem Grunde denke ich auch darüber nach, die Sache zumindest hier zu einer regelmäßigen Kategorie werden zu lassen, wie von Whudat.de bereits vorgeschlagen wurde.

Hier sind drei Blogs, die ich regelmäßig lese und die meiner Meinung nach zu Unrecht vergleichsweise völlig unbekannt sind:

Hor.de

Ein Weblog, an dem man als literaturinteressierter Mensch nicht ohne Staunen vorbeikommen sollte. Manchmal komplex, manchmal seltsam minimalistisch und doch immer sehr prägnant bringt dort Dirk Schröder Gedanken, Kommentare und Gedichte. Und das alles auf eine Art und Weise, die man eigentlich nur liebenswert unkommerziell nennen kann.

Monkirebella

Dadaistische, hintergründige und einsichtige Poesie von Feinsten gibt es in schöner Regelmäßigkeit von der Autorin Elisa Theusner in einem Weblog zu lesen, das so andersartig und seltsam entrückt wirkt, dass man eigentlich nur noch staunen kann über den genial-eigensinnigen Umgang mit Worten und Gedanken, der bei Monkirebella gepflegt und gehegt wird.

ISO 800

Nicht wirklich häufig, aber doch mit beharrlicher Konsequenz und Kontinuität füllt Fabian Mohr sein Weblog ISO 800. Mit Bildern, Worten und neuerdings auch mit HD-Videos, die wie sich bewegende Photographien wirken. In seiner Gesamtheit bildet das Blog ein beeindruckendes Portfolio eines sehr auf stilvolle Ästhetik bedachten Autors.


Instant Poetry (CL)

Jene Stelle, ganz verzaubert,
besteigst Du mit Licht und Erdenlust.

Mancher winkt an Deiner Stelle Lüften,
manche rufen donnernd nach den Kugelblitzen,
Du zerpflückst Dir Dinge innerlich.


Zündeln und Licht

Eine Überdosis Regenbogen,
Stachelbeerenschauer,
ich stehle Worte und entflamme sie,
die Funken werfen neue Schatten.


Wörtliche Rede.

Meine zer(r)winkelte Seele
wickelt sich knisternd
um deinen Verstand.
Man nennt es Kommunikation.


In eigener Sache: DLA Marbach archiviert Die Irrlichterkette

Eine höchst interessante Mail erreichte mich gestern: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach fragt bei mir an, ob es im Rahmen seiner geplanten Archivierung von Literatur im Internet die Inhalte von Die Irrlichterkette in seine Sammlung aufnehmen darf. Ein paar Fragen sind vorab noch zu klären, dann steht der Unsterblichkeit (im Jargon des DLA: “Langzeitarchivierung”) meiner Texte im größten Archiv für deutschsprachige Literatur nichts mehr im Wege. Und dabei hatte ich mich doch schon vor Jahren damit abgefunden, dass meine schriftlichen Ergüsse niemals irgendjemanden interessieren werden (tatsächlich ist meine intensivere Beschäftigung mit der Photographie zumindest teilweise auf selbige nun wohl voreilig resignativ nennbare Erkenntnis zurückzuführen).

Der Autor dieser Zeilen ist entzückt und lässt sich demnächst dann wohl  „beglaubigter Poet“ auf die Stirn tätowieren. Und das ganz ohne Studium der Literaturwissenschaft*.

*Magisterarbeit steht weiterhin aus. Anmerkung des schlechten Gewissens über die vorläufige Auf-Eis-Legung derselben.