NeuRosen (LV)

[Der Selbstzensur zum Opfer gefallen; Anmerkung des Selbstkritikers: Bitte keinen pathetisch-kitschigen Müll posten.]


Musikalische Fundstücke (XIX): El Grupo Nuevo

Good news for people with good taste: Die neue Band El Grupo Nuevo von Omar Rodiguez-Lopez (dem ultra-kreativen The Mars Volta-Mastermind) hat vor einiger Zeit einen wirklich sehens- und hörenswerten Teaser zu ihrer ersten Platte „Cryptomnesia I“ veröffentlicht, den man sich hier angucken kann. Mit von der Partie sind außer Rodriguez-Lopez auch noch Zach Hill, Jonathan Hischke (beide von Hella) und Juan Alderete. Der TMV-Sänger Cedric Bixler Zavala wird außerdem deutlich mehr als nur einigen der Songs seine Stimme leihen. Das Album wurde bereits 2006 aufgenommen und soll, was auch der Trailer bestätigt, nach einer etwas agressiveren und chaotischeren Version von The Mars Volta klingen. Darf man den brodelnden Gerüchten Glauben schenken, dann wird „Cryptomnesia I“ aber nur den Auftakt einer Albumtrilogie bilden, die bereits komplett vollendet ist.


Shortreviews (IV)

Zack Snyder – „Watchmen“ (Film; 2009)

Trotz grandioser Bilder, spektakulärer Kameraarbeit und einem sehr authentischen Comic-Look and Feel gelingt der sehr nah am Originalstoff agierenden Zack Snyder-Verfilmung des gleichnamigen Kultcomics von Alan Moore eins nicht wirklich: Ein unterhaltsamer Film zu sein. „Watchmen“ wälzt über fast drei Stunden seine epische Hintergrundgeschichte aus, versucht zwanghaft, alles genau zu erklären und vergisst dabei, dass ein Film eigentlich den Fokus auf einer guten Haupthandlung bräuchte. 6/10

Placebo – „Battle For The Sun“ (Musik:Song; 2009)

Drei Jahre waren sie weg, irgendwie wirken Placebo aber dennoch längst wie ein seltsames Überbleibsel aus den Neunzigern, auch wenn ihre letzte Platte „Meds“ wieder etwas frischer klang. Der Titeltrack des kommenden Albums „Battle For The Sun“ will unbedingt anders als der typische Placebo-Song sein, das ist eigentlich auch dringend notwendig. Dass es dennoch kein wirklich guter Song ist, liegt an den banalen Lyrics genauso wie an ihrer gelangweilten Intonation und dem Fehlen einer guten Melodie. Vielleicht funktioniert er ja im Albumkontext. 5/10

Clint Eastwood – „Gran Torino“ (Film; 2009)

Wenn Clint Eastwood am Ende von „Gran Torino“ plötzlich mit seiner Reibeisenstimme anfängt, höchstpersönlich den Titelsong des Films zu singen, dann wirkt alles auf einmal doch over the top: Zuvor gesehen hat man ein oft pathetisches, sehr emotionsgeladenes, höchst präzise inszeniertes, zum Teil auch politisches und mit einem wirklich überraschenden Twist versehenes Drama, das Eastwood als alten Mann porträtiert, der noch einmal zur Menschlichkeit findet. Sehenswert. 7/10


90 Seconds (2009)

Eine Serie mit Langzeitportraits

9 Self-Portraits shot today with an exposure time of 10 seconds each. 90 Seconds of my life. In one picture. Stuff like that is the reason why I am in love with photography :).


Metareflexion, yeah! (XXXII)

Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (IX):

-„lerchenprikkel“
-„ignaz denner motivik“
-„affenhirn china tisch“
-„studivz goole indizierung“
-„amoklauf neueste erkenntnisse“
-„eine frau singt the day that never comes“
-„hybrid hund“
-„haarlose fotzen“
-„missglücktes permanent makeup“
-„raventhirt“

„Raventhirt“ (wtf?) versucht sich mal an einer Erklärung für die originelleren Suchbegriffe der letzten paar Wochen: Derjenige, der wissen will, was ein „Lerchenprikkel“ ist, wird hier leider auch keine Erklärung finden, denn das Wort ist ein Kunstwort (oder zumindest etwas Ähnliches) aus „Zettels Traum“ von Arno Schmidt (dessen Geburtshaus übrigens, aber das nur am Rand, weniger als fünf Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt liegt).  Dass eine weibliche Sängern Metallica covert, ist mir unbekannt, neue Erkenntnisse zum Amoklauf gibt es hier nicht wirklich  (eher das Gegenteil) und mit Make-up und Pornographischem habe ich nichts am Hut (die beiden Suchbegriffe sind hier dennoch inzwischen echte Klassiker, auch wenn ich nicht richtig erklären kann, warum mein Blog ausgerechnet bei den Wortkombis gefunden wird; die einzelnen Worte kommen hier dennoch sicherlich vor). Einen Hybrid Hund kann ich hingegen bieten, eine Kritik zu Ignaz Denner und eine Hinterfragung von Affenhirntischen auch :). Ach ja: Google indiziert StudiVZ nicht. Das weiß ich. Was das mit meinem Blog zu tun hat, hingegen nicht.


Frantic (2009)

frantic-raventhird.de

Model: Miss Monique


Instant Poetry (CXLVI)

Mittig ausgefranst
und nicht am Rand:

Ich verbiete mir das Warten,
es schlängelt sich dennoch erneut empor.


Web 3.0 und die Zukunft (I): Dreamr

Knapp 14 Millionen Dreamr™ haben heute Nacht wieder ihre Träume live ins Netz gestreamt. Das zugehörige Produkt, die DreamrCam™ scheint seit der Preissenkung langsam, aber sicher ein richtiger Massenerfolg zu werden. Jeden Tag bekomme ich von meinem persönlich zusammengestellten Schwarm der DreamSortr™, die Träume professionell angucken und bewerten, nach ganz individuellen Kriterien ausgewählte Filme in der Anzahl zugeschickt, die ich vorher angegeben habe. Berücksichtig werden dabei zu 50% meine TopDreamr, das sind Leute, die ich wegen der interessanten Dreamz™ sowieso beobachte und zu 50% die NewDreamr, Menschen, die durch besonders gute Träume in der Nacht kollektiv aufgefallen sind. Der Ordner liegt unter Eigene Dateien > Dreamr > Dreamz. Dort sind, nach Datum und Tagen sortiert, Unterordner, in denen die komprimierten Filmdateien der Träume automatisch abgelegt werden. Mittels der Dreamr™-Software kann ich in meiner eigenen Sammlung oder dem globalen Netzwerk browsen, nach Altersbeschränkungen, Länge und Genre filtern. Lauter kleine, irre Kunstwerke. Surreales Zeug, herzzerreißene Liebesszenen, kreischbunte Comic-Sachen, schrecklicher Horror, nostalgische Erinnerungen, Pornographisches.

Früher war ich sogar eine zeitlang Abonnent, ich wollte die Dreamz™ in HD, mit den Thoughtz und Commentz des jeweiligen Dreamr™ als Extras und Surround-Sound, aber inzwischen genügen mir die Basis-Filmchen wieder. Langfristig werden sie das Kino ersetzen, da bin ich mir sicher. Ein Typ aus Russland, den ich seit letzter Woche beobachte, träumt zum Teil fünf Stunden lange, sehr kohärente Geschichten in Schwarzweiß. Er ist mit nur vier hochgeladenen Dreamz™ zu einem der 1.000 globalen TopDreamr geworden. Ein anderer NewDreamr von letzter Woche, ein Japaner, träumt seine Träume oft aus der Perspektive einer virtuellen Kamera oder hat zumindest Superkräfte in seinen Träumen, denn seine Träume fallen weniger durch den Inhalt als durch absolut spektakuläre Zooms, Schwenks, Perspektiven und Kamerafahrten auf.

Ich habe es inzwischen aufgegeben, selbst live zu träumen. Seit man den einen Typen abgeholt hat, der von einem Amok-Lauf träumte, habe ich Angst, dass mein Unterbewusstsein auch irgend etwas produzieren könnte, was den Politikern missfällt und dass ich dann nie wieder gesehen werde. Aber ich kann eigentlich auch nicht mithalten mit den 5.000 TopDreamr, die immer mein Standard waren. Die 14 Millionen täglicher belangloser Träume sind spannend, wenn man mal ein bisschen rumbrowsen will, aber es ist zu viel, um selbst zu filtern. Deswegen wurden die DreamSortr™ eingeführt. Sie sichten, kategorisieren und bewerten unermüdlich Träume. Angeblich soll die Firma, die hinter Dreamr™ steckt, schon über eine Million solcher Menschen weltweit beschäftigen. Die Bekanntesten unter ihnen sind inzwischen selbst Stars, mit eigenen Webseiten und Blogs, auf denen sie ihre Favoriten jedermann präsentieren und Artikel über die besten Dreamz™ und die vielversprechendsten Dreamr™ schreiben.

Die Idee ist so simpel wie genial, und wenn die Preise für die DreamrCam™ weiter fallen, dann wird sehr bald jeder jede Nacht zum Regisseur und jeden Tag zum Kritiker werden. Über eine eigene Dreamr™-Kategorie bei den Oscars wird schon seit Wochen heftig spekuliert und diskutiert. Und das ein halbes Jahr nach Start der Plattform. Wahnsinn.


One Peaceful Moment (2009)

Eine bunte Blüte


Rituale & Routinen.

Laut mir exklusiv vorliegenden Informationen hat der Amokläufer von Winnenden mehrere Bücher gelesen, teilweise sogar mitten im Unterricht unter den Augen der Lehrer. Mehrere CSU-Politiker zeigten sich schockiert: “Wann verbietet endlich jemand diesen gewaltverherrlichenden Dreck?”, fragte Parteipräsidialvize Josef Stumpfhuber, sichtlich betroffen von diesen neuen Erkenntnissen. Polizeipsychologe  und Medienexperte Peter Kleinschnurz ist sich derweilen sicher: “Dass der Vater des Jungen mehr als zehn Waffen und mehrere tausend Schuss Munition im Elternhaus lagerte, hängt meines Erachtens kaum mit den Vorkommnissen zusammen.”

Die Medien bleiben inzwischen extrem dicht dran und zwitschern live vom Ort des  Geschehens. Letzte Twitter-Meldung eines besonders investigativen Reporters einer großen deutschen Tageszeitung: “Esse gerade einen Döner extra scharf, danach Pressekonferenz.” Vier weitere Blätter haben die sich inzwischen als Falschmeldung  entpuppte Nachricht (in Wahrheit war der Typ in einer Fast-Food-Kette) derweilen schon abgeschrieben und ein ein bisschen was dazugedichtet. Das bunte Treiben geht weiter.


(Un)Ermüdlich.

Irgendwas glitzerte silbrig, unten im Fluss. Ich stieg den Hang zum Wasser hinunter, müde wie immer, stolperte fast, als sich mein offener Schnürsenkel in einer herausstehenden Wurzel verhedderte und kam schließlich doch unten an. Ohne auch nur einen Moment zu zögern überschritt ich die Grenze zwischen Land und Gewässer und war nach einiger Zeit an der Stelle, an der ich von dort oben den vermeintlich wertvollen Gegenstand die Sonne hatte reflektieren sehen. Aber es gab hier nichts. Kein silberner Spiegel, kein Schmuckkästchen, nicht einmal ein Stück Blech fand sich auf dem Grund des Flusses, dessen Wasserspiegel mir  dort bis knapp über die Knie reichte. Ich begab mich auf dieselben, begann zunächst langsam damit, mit den Händen den Grund abzutasten, wühlte dann immer hektischer. Sand und Steine glitten durch meine Finger, die nach und nach begannen, sich taub anzufühlen. Immer wieder nur Sand und Steine. Zuletzt tauchte ich sogar meinen Kopf in das noch eiskalte Frühlingswasser und versuchte, irgendetwas zu erkennen. Irgendwo hier musste dieser verdammte Schatz doch sein.

„Wie oft denn noch?“ rief die Frau am Ufer und fing an, zu weinen. Der klatschnasse Mann, der sich daraufhin mitten im Fluss zu seiner ganzen Größe aufrichtete und das Wasser aus seinen Haaren schüttelte, guckte ertappt und trottete dann langsam auf sie zu. „Wie oft denn noch?“ wiederholte sie, diesesmal leiser, eher zu sich selbst sprechend. Sie fand ihn mindestens drei mal in jeder Woche so vor. Egal,  zu welcher Jahreszeit und egal, wie kalt das Wasser war. Irgendwann, so war sie sich sicher, würde er sich den Tod holen.

Irgendwann, so war ich mir sicher, würde ich ihn schon finden. Ich sah ihn ziemlich oft, wenn ich da oben auf dem Weg nach Hause ging. Ich müsste mir nur die Stelle besser merken können.


Old Friend (2007)

Ein alter Freund mit Nerdbrille

Model: Der Död


Schwarze Kaskaden (2009)

Eine Punkerin mit Gasmaske

Model: Miss Monique