Sterben auf einen Blick (2009)

Sterben auf einen Blick

“sterben auf einen Blick / Die Anti-Elite vernichtet Mit Worten.”


Pioniergeist ohne Gnade (2009)

pioniergeist-raventhird.de

“Das Versprechen / Pioniergeist ohne Gnade / VERSCHLEISS UND Kahlschlag / Letzte Sätze DAS NICHTS. DAS ALLES. DER ANFANG. DAS ENDE.”


In eigener Sache: Twitter-Ausstellung, Buchprojekt und Kunstmaschine

Drei redundante News aus meiner kleinen Welt, nur der Vollständigkeit, nicht des Spams wegen:

Michaela von Aichberger malt ihre Twitter-Follower, eine Aktion, die inzwischen beträchtliches Feedback auch in den großen Print-Medien bekommen hat. Ich darf mich glücklich schätzen, einer derjenigen zu sein, die im Laufe des Projekts gemalt wurden. Das Bild findet sich hier. Engelsflügel, Blut und meine Worte. Ich danke auf diesem Wege erneut. Mehrfach. Niederkniend.

Negoist New Art
heißt die Gruppe, „Imagine the Imagination. New Visions of Surrealism“ das kommende Buch, das sich mit 100 Werken neuer digitaler wie traditioneller Kunst aus dem ästhetischen Umfeld des Surrealismus beschäftigt. Unter den vertretenen Künstlern befindet sich auch ein gewisser Sebastian Baumer.

Reinstallation des Kunstmaschine-Paradigmas (ein sich selbsterfüllendes Mantra): Ich werde ab dem heutigen Tag jeden Tag einen Text, ein Gedicht oder eine Rezension schreiben, ein Lichtbild photographieren, eine Collage erstellen oder ein Bild malen. Ich werde keinen einzigen Tag mehr den kleinen Bruder des Todes besuchen ohne diese Aufgabe erledigt zu haben. Solange ich lebe. Ich werde nicht mehr sinnlos Geld aus dem Fenster werfen, um Gegenstände zu erwerben, in die ich allein durch den Kauf bereits neue nostalgische Emotionen legen kann. Ich werde keine Kassenzettel und keine Rechnungen aus Restaurants mehr aufbewahren, denn sie dienen nur dem selben Effekt. Ich werde nicht mehr durch die Stadt laufen und mich verzweifelt an allen neuen und alten Menschen festhalten, die ich finden kann. Ich werde jedes Erlebnis und jede Begegnung als ein Geschenk betrachten. Ich werde in meiner Kunst ruhen.


Wort für Wort (LIII)

“Hey, darf ich Euch vielleicht fragen, habt ihr zufällig zwei Zigaretten oder ist das…” – “Belästigt Sie Euch? Hört Ihr gar nicht zu, Sie ist verrückt. Es sei denn natürlich, ihr habt wirklich zwei Zigaretten. Dann solltet Ihr vielleicht doch auf Sie hören.” – “Ist das so eine Art guter Cop, böser Cop-Nummer von Euch?”


Drei Tage Leben.

Ich war am Wochenende mitten in der Nacht plötzlich in einem surrealen Irrgarten aus metallischen Skulpturen neben einem innen und außen komplett  mit Graffiti bemalten Haus, in dem es brennende Mülltonnen und irre Künstler in Wohnwägen gibt, wurde beim Einbrechen mit der Kamera in ein komplett von der Natur überwuchertes und verfallenes ehemaliges NSA-Gelände von einem missmutigen Ami-Wachposten erwischt, der so wirkte, als ob er dort jeden Tag Hausfriedensbrecher rausfischt und mich einfach durch ein Loch im Zaun wieder nach draußen schickte, habe in einer Bar, in der ein komplettes Wohnzimmer verkehrt herum an der Decke klebt, die wohl schlechteste existierende Liveband aller Zeiten erlebt, aber auch einen alternden Sänger mit Ziegenbart von einer anderen, sehr originellen Band aus Amerika kennengelernt, die zu elektronisch-psychedelischer Musik semischamanische Gesänge über Liebe performt, traf ein bezaubernd schönes Mädchen mit einem roten Grunge-Holzfällerhemd, die aus einem Land stammt, dessen Namen ich noch nie zuvor gehört hatte, verlor Sie wieder im Gewimmel der Nacht, photographierte heimlich Tonnen von Passanten auf der Straße und unterhielt mich auf dem Weg nach Hause eineinhalb Stunden mit einem aus Amerika und England zurück kehrenden Doktoranden der Biologie über sämtliche denkbaren Aspekte des HI-Virus, die er unglaublich anschaulich darstellen konnte.

Nicht schlecht für nur drei Tage.


LITERATUR Notfall-Plan (2009)

Eine abstrakte Dada-Collage

“Die Stille Jenseits der Eskalation / LITERATUR Notfall-Plan / Langsame Ghostwriter aus der Apotheke / 34% gespart!”


Notizblock (I): Lars Von Trier – “Antichrist”

Erste Notizen und Ideen nach Kinobesuch: In der Abgeschiedenheit einer Holzhütte, auf die ein Baum permanent zu ejakulieren scheint (es fallen des Nachts Eicheln in massiger Zahl auf die Hütte, die von der Protagonistin als seine „toten Kinder“ gelesen werden) passiert das, was die Grundlage für den neuen Lars von Trier-Film „Antichrist“ bildet, eine Entwicklung findet statt, die bezeichnenderweise weit vor dem eigentlichen Auslöser des Plots, nämlich dem Tod des Kindes eines Liebespaares, liegt: Sie, offenbar Geistes- oder Kulturwissenschaftlerin, schreibt sich im Zuge ihrer Dissertation selbst immer tiefer hinein in die Rolle der Hexe und der Hure aus dem 16. Jhd., die sie eigentlich kritisch untersuchen soll, er versucht im Folgenden und nach dem Auftaktereignis den ganzen Film über sie mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu lesen – denen der Psychotherapie, die eben hier nicht mehr greifen, denn sie spielt längst eine Rolle, auch wenn die Trauer oben drauf kommt: Die eben jener sexuell begierigen und männerbedrohenden Frau, der Anti-Mutter, die auch ihr Kind quält und die in der von ihr untersuchten Literatur vernichtet werden muss, was konsequenterweise am Ende dann auch auf der Plotebene des Films geschieht. Als er nämlich erkennt, was sie geworden ist, nach ihrer scheinbaren Heilung, nach seiner brutalen Kastration, die mit einer überaus blutigen Fremdmasturbationsszene besiegelt wird, nimmt er auch seine Rolle an (vorher muss er freilich noch den Mühlstein um seinen Fuß loswerden, den sie ihm angelegt hat): Der zerstörende Mann, der die Anti-Mutter und Femme Fatale brutal tötet.

Es ist am Ende eben nicht ein Psychodrama (sie selbst merkt ironischerweise an, dass Freud tot ist, der Film arbeitet dennoch in überbordener Weise mit Symbolen und traumartigen Sequenzen), sondern eine literarische Geschichte eines von Männern erfundenen und zu bannenden Frauentypus (und damit ein in höchstem Maße gendertheoretisches Problem), das hier erzählt wird, auch wenn der Film uns in seiner ersten Hälfte auf die falsche Fährte lockt, hier gehe es um eine Reise in Unterbewusstsein, in den Wald, in den Mutterschoß der Erde, den Fuchsbau. Vielmehr geht es hier um Besessenheit, um das Besessen sein von einer bestimmten Rolle/Figur, die sich einer Person bemächtigt (und das ist klassisches Horrorfilm-Material; Anm.: Sie will es ja auch loswerden und sich selbst töten/kastrieren, schwankt ständig), um den Verlust der Distanz zum eigenen Forschungsobjekt. Als sie ihm erzählt, dass ihr ihre eigene Doktorarbeit im Wald „oberflächlich“ vorgekommen wäre, sagt sie vielmehr, dass sie ihren Untersuchungsgegenstand verinnerlicht hat, statt ihn zu hinterfragen. Oberflächlich hat sie jedenfalls nicht daran gearbeitet, das verdeutlicht eben das, was er bei seiner Suche auf dem Dachboden entdeckt: Ihre Dissertation gleicht eher einem kultischen Tagebuch mit vielen Bildern und irren Aufzeichnungen, einem Zeugnis ihres eigenen Verschmelzens mit dem, worüber sie liest. Es hat nichts von einer wissenschaftlichen Arbeit. Darum herum: Eine Art Altar mit Bildern der Zerstörung eben jener Frauen im 16. Jahrhundert, eben der Hexen, die am Ende des Films noch einmal aus dem Wald gekrochen kommen, vielzählig, vielgestaltig, ihn still anklagend: Schließlich ist doch am Ende unklar, ob nun sie in der Rolle der bösen Frau oder doch ihr Inquistor der Antichrist des Titels ist.

Weitere Motive, die noch näher zu bedenken sind: Fabelmotive (Tiere, die drei Bettler); Traumsequenzen (Freud nochmal deutlicher); Horrorfilmästhetik vs Psychodrama; Intro/Outro; Ihre Selbstvernichtungstendenzen; Tod des Kindes (Fall oder Sprung?); Selbst-Therapie des Regisseurs.

Grundsätzlich: Schwankend zwischen Fabel-Motiven, moderner Psychologie, alter Psychoanalyse & einer Vielgestalt von Symbolen, Horrorfilmästhetik (Besessenheit); viel Gendertheorie mit drin.


Hirnstrom (I): Alltagsdialog

„Du denkst zu viel“, sagt Dir dann jemand und Du fragst Dich so für Dich selbst: „Zu viel im Vergleich zu wem?“, während Du freilich weißt, dass derjenige den Durchschnittsmenschen gemeint hat und (und dass nur das Normale das Gesunde ist, das wissen wir doch seit Foucault), wirfst aber direkt innerhalb dieses gerade relativierten Einwurfs weiter ein, dass man aber doch gar nicht wissen, höchstens schätzen könne, wie viel der Durchschnittsmensch so denkt, denn wer kann schon die Gedanken von anderen sehen und dann gleich von allen, die kann man höchstens erahnen, aber die Ahnung, da musst Du dem den Vorwurf formulierenden Menschen schon recht geben, die spricht doch eher dafür, dass die Allgemeinheit recht wenig denkt, sonst würden da drüben auch nicht gerade zwei Jugendliche eine Telefonzelle kaputt hauen (auch wenn sie freilich statistisch gesehen nicht gegen die 300 restlichen Leute standhalten können, die gerade friedlich in der U-Bahn sitzen), und deswegen war Deine ganze erste Reaktion am Ende dann doch eher eine Spitzfindigkeit, mit der Du Dich aus der Affäre ziehen wolltest, um nicht zugeben zu müssen, dass doch ein Körnchen Wahrheit in der Aussage liegt, eher ein Strand Wahrheit, falls mit dem Körnchen ein Sandkorn gemeint sein sollte, das musst Du Dir in diesem Moment mindestens eingestehen.

Und deswegen sagst Du: „Die anderen denken vielleicht eher zu wenig“, und willst jetzt selbst alle normalisieren, nur auf Deine eigene Norm, das ist Dir bewusst und deswegen war die Antwort höchst egostisch von Dir und darauf bist Du ein bisschen stolz, denn bevor man Dir gesagt hatte, dass Du zu viel denkst, meinte man glatt, Du wärest zu altruistisch und dem stimmtest Du eigentlich nicht zu. Und deswegen lächelst Du jetzt, während am Fenster der Hafen an Dir vorbeirauscht (freilich bewegt sich eigentlich die Bahn).


Wort für Wort (LII)

„Was rappelt und zappelt und zuckelt und ruckelt denn da im Karton?“ – „Na, ich. Jetzt mach endlich die Tür auf, Du Spinner.“ – „Ich höre Stimmen!“ – „Du hörst gleich was anderes, wenn Du mich endlich reinlässt.“ – „Was denn?“ – „Das Geräusch meiner flachen Hand, die Deine Wange trifft.“ – „Ne, dann bleib mal lieber draußen. Das tut doch weh!“


Rain (On Sunny Days) (2009)

rainonsunnydays-raventhird.de

Model: LD


Vampire.

Eins.

Vom einem Ort aus, an dem kein Leben herrscht (Schreibtisch) agiert der untote Poet, bevorzugt des Nachts, bleich vor dem Notebook im fahlen Licht desselben. Die Beziehungen zu den Menschen und der Gesellschaft pflegt er nur deswegen, um diesen ihr Blut, ihre metaphysische Essenz zu entziehen und sie in seinen Texten neuem, wiederum untotem und ewigem Leben zu überführen, idealerweise beißend (sic!) zynischer Art.

Er ist parasitärer Außenseiter, hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und provoziert sie mit seiner ganzen Existenz-, Handlungs- und Denkweise. Und dennoch: Er braucht die Menschen. Um seine eigene Unsterblichkeit und tragische Existenz zu sichern. Der Dichter ist der Vampir.

Zwei.

Da standen wir also, zwei Vampire, heil- und hilflos ineinander verbissen.

Ich hätte es sehen müssen. Es ist nur so, dass ich mich längst damit abgefunden hatte, in dieser Stadt der einzige unserer Art zu sein. Ich wurde unvorsichtig, hatte diese gänzlich unwahrscheinliche Option gar nicht erst auf dem Radar, als ich sie traf. Meine gespielte Hilflosigkeit musste mich selbst wie das perfekte Opfer erscheinen haben lassen, und so geschah das, was eigentlich nicht geschieht. Ich habe zumindest noch nie davon gehört und ich habe lange und oft mit den Ältesten von uns über unsere Existenz gesprochen.

Berechtigterweise werden Sie jetzt fragen, was denn eigentlich passiert, wenn Vampire sich gegenseitig beißen. Ich kann ihnen keine Antwort auf diese Frage geben, aber die Tatsache, dass ich noch auf der Welt herumwandere beantwortet sie zumindest mir selbst teilweise. Ich habe keine wirkliche Erinnerungen an die Tage und Wochen nach dieser Nacht, aber der Moment an sich wird sich wohl nicht mehr aus meinem Kopf tilgen lassen. Es ist einer dieser Momente, in denen von allen Seiten verschiedene Puzzlestücke zusammenschießen, die man bereits als überflüssige Rest-Teile abgelegt hat und ein farbenprächtiges, arabeskes Bild formen, das Jahre existierende, vielgestaltige Zweifel endgültig zerstreut, aber genau so viele neue Fragen aufwirft. Stellen sie sich vor, Ihr Gehirn, sowieso schon ein Patchwork aus hunderten, ihre eigenen Gedanken überlagernden und permanent ein irres Grundrauschen erzeugenden Erinnerungs- und Emotionsfragmenten all derer, die ihre Opfer waren, würde mit einem anderen Gehirn dieser Art in einen Mixer geworfen und innerhalb des Bruchteils einer Sekunde würden die Beiden in winzige Teile gehäckselt, die sich miteinander vermischen. Aber selbst das beschreibt es nur im Ansatz.


Ein Dankeschön in eigener Sache.

Dieses Dankeschön geht an diejenigen von euch, die hiergeblieben sind und dieses Blog trotz seiner in der letzten Zeit sehr unregelmäßigen Füllung mit Inhalten weiterhin besucht haben. Ich habe gestern mein Studium der Literaturwissenschaft  (Nebenfächer: Linguistik und Soziologie) auf Magister nach langem Kampf (wissenschaftliches Arbeiten, kreative Gedanken und der eigentliche Drang, selbst literarisch tätig zu sein, sind nicht immer leicht in Einklang zu bringen) erfolgreich abgeschlossen und verschwinde nie wieder derart lange in der Versenkung, es sei denn, der Tod rafft mich dahin. Versprochen. Jetzt wird Kunst gemacht :).


Albtraumfalle Disneyliebe (2009)

Eine Alptraumfalle eine Collage

“ALBtraumFalle DISNEY LIEBE / Hol Dir ein Desaster / Allein im ZeitSturm TANZEN AUF KRIEGSPFAD”.